Ab März 2027: München bekommt eine neue Nachtzug-Verbindung

Ein 2025 gegründetes Berliner Start-up will bis 2035 100 europäische Städte miteinander verbinden. Den Anfang macht die Strecke Hamburg – München.
Guido Verstegen
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Auf der InnoTrans in Berlin hat Nox Mobility am Mittwoch seinen ersten fertigen Waggon enthüllt und zugleich den Ticketverkauf eröffnet.
Auf der InnoTrans in Berlin hat Nox Mobility am Mittwoch seinen ersten fertigen Waggon enthüllt und zugleich den Ticketverkauf eröffnet. © Nox Mobility

Ab 23. März 2027 fährt ein neuer Nachtzug zwischen Hamburg und München – mit Zwischenstopps in Bremen und Augsburg. Das Unternehmen Nox (lateinisch für "Nacht") Mobility hat am Mittwoch auf der Messe InnoTrans in Berlin seinen ersten fertigen Waggon präsentiert und ist gleichzeitig in den Ticketverkauf gestartet.

Tickets kosten ab 65 Euro für eine einfache Fahrt und sind ab sofort online

Das 2025 gegründete Berliner Start-up hat so einiges vor: Bis 2035 wollen die Verantwortlichen nach eigenen Angaben 100 europäische Städte miteinander verbinden und Millionen von Menschen ein Reiseerlebnis bieten, "das sie erholt ans Ziel bringt". 

Den Anfang macht die Verbindung Hamburg – München: Ab 23. März 2027 fährt der Nachtzug zunächst dreimal pro Woche in jede Richtung. Tickets kosten ab 65 Euro für eine einfache Fahrt und sind ab sofort online auf noxmobility.com buchbar. "An Bord reist jeder Fahrgast in einer eigenen 'Nox Suite': tagsüber ein Arbeitsplatz, abends eine Lounge zum Entspannen", heißt es in der Mitteilung des Unternehmens.

Viel geflogene Inlandsstrecke bekommt einen Nachtzug

Hamburg – München sei eine der meist geflogenen Inlandsstrecken Deutschlands – demnach hoben 2024 allein zwischen den beiden Städten mehr als 1,2 Millionen Fluggäste ab –, argumentiert das Unternehmen. Man fahre zwei der stärksten Wirtschaftsstandorte des Landes an und steuere mit Bremen und Augsburg unterwegs zwei Städte an, "die im Fern- und im Flugverkehr bislang stiefmütterlich behandelt wurden".

Von Hamburg nach München mit Halt in Bremen und in Augsburg

In Zahlen und Fakten bedeutet das im ersten Wurf: Der Zug fährt in Hamburg um 21.22 Uhr ab und ist am nächsten Morgen um 8.14 Uhr in München, mit Zwischenhalten in Bremen (22.30 Uhr) und in Augsburg (7.35 Uhr).

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In der Gegenrichtung startet der Zug in München um 21.20 Uhr und ist um 8.27 Uhr in Hamburg, mit Zwischenhalten in Augsburg um 21.51 Uhr und in Bremen um 7.20 Uhr. "Wer die Mobilitätswende voranbringen will, muss gerade auf längeren Strecken attraktive Alternativen zum Flugzeug schaffen. Nachtzüge können dabei eine wichtige Rolle spielen", sagt Anjes Tjarks, Senator Freie und Hansestadt Hamburg.

Mitgründer Smalla: "Wir sprechen vor allem die Geschäftsreisenden an"   

Auf der genannten Strecke verkehren auch die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Zum ÖBB-Angebot sieht man sich bei Nox Mobility nicht als Konkurrent, "sondern eher als Push auf dem Nachtreisemarkt", wie es Mitgründer Janek Smalla im Gespräch mit der AZ erklärt.

Nox-Mobility-Mitgründer Jannek Smalla.
Nox-Mobility-Mitgründer Jannek Smalla. © Nox Mobility

Für den Mitgründer – er war von 2019 bis 2021 bei FlixTrain und anschließend beim Personenverkehrsvermittlungsdienst Bolt tätig – steht fest: "Das ÖBB-Angebot ist sehr umfangreich, gerade auch mit den abgetrennten, aber eben auch teuren Liegewagen. In den Zügen mit weniger Nachfrage werden wir unter Umständen günstiger sein, sprechen aber ohnehin vor allem die Geschäftsreisenden im Flieger an."  

Strikte Aufteilung der Wagen in Ruhezonen und Arbeitsbereiche

Soll heißen: Das Unternehmen will "Qualitätszeit zurückgeben". Wer von München nach Hamburg fliegt, müsse bei einem knapp 90-minütigen Flug mindestens viereinhalb Stunden einplanen, rechnet Smalla vor, der nach eigenen Angaben auch mal in München gelebt hat: "Die Breaks sind dabei nicht wirklich produktiv und auch nicht wirklich entspannt. Das ist bei uns eben anders." Eine strikte Aufteilung der Wagen in Ruhezonen und Arbeitsbereiche soll helfen, dass jeder Reisende das bekommt, was er braucht.

Die Bahn liegt bei Inlandsreisen inzwischen deutlich vor dem Flugzeug, sagt Smalla: "Die Kosten, die CO2-Bilanz und die als Arbeitszeit nutzbare Reisezeit sprechen für den Zug." Bei einem Flug sei schnell ein halber Arbeitstag weg. Wer abends gegen 21 Uhr in München einsteigt und morgens um 8 Uhr mitten in Hamburg ankommt, spare sich Flughafentransfer, Sicherheitskontrolle und eine Hotelnacht gleich mit.

Route mit Verbindungen in deutsche Nachbarländer ins Auge gefasst

Aber wäre es nicht sinnvoller, ein bisschen später in Hamburg respektive in München loszufahren, um eben noch ins Kino oder ins Theater gehen zu können oder den Besuch bei Freunden noch ein bisschen auszudehnen?

Zum Start fahren die Züge zwischen Hamburg und München mit den "Nox Suites".
Zum Start fahren die Züge zwischen Hamburg und München mit den "Nox Suites". © Nox Mobility

Janek Smalla antwortet: "Die Vorab-Umfragen unter unseren 'Early Birds' haben gezeigt, dass wir da durchaus eine optimierte Abfahrtszeit haben – viele brauchen nur noch ein wenig Zeit, um die Kinder ins Bett zu bringen oder noch ein Glas Wein zu genießen und wollen dann zum Bahnhof."  

Sitz bietet in der Lounge-Position 2,02 Meter Platz zum Ausstrecken 

Als nächstes Ziel hat Nox Mobility laut Smalla – womöglich auch für München interessant – eine internationale Route mit Verbindungen in deutsche Nachbarländer im Auge: "Genaues kann ich dazu leider noch nicht sagen. Das hängt auch von den verfügbaren Trassen und den technischen Voraussetzungen ab."  

Schnappschuss beim Video-Call: Janek Smalla auf der Messe InnoTrans im noch verhüllten Nachtzug.
Schnappschuss beim Video-Call: Janek Smalla auf der Messe InnoTrans im noch verhüllten Nachtzug. © Guido Verstegen

Zum Start fahren die Züge zwischen Hamburg und München mit den "Nox Suites". Jeder Reisende erhalte einen eigenen Bereich mit großem Sitz, einem Tisch zum Arbeiten und Essen, Stauraum für großes Gepäck und Steckdosen in greifbarer Nähe. In der Lounge-Position biete der Sitz 2,02 Meter Platz zum Ausstrecken entlang des Fensters, so Smalla. An Bord erwarte die Fahrgäste "durchdachtes Design und ein Service, wie man ihn aus dem Boutique-Hotel kennt". 

Blick in die Zukunft mit den "Nox Rooms"

Auf der InnoTrans zeigt Nox Mobility zusätzlich einen ersten Blick auf die "Nox Rooms", das künftige Flaggschiffprodukt mit privaten Zimmern für eine Person oder zwei Personen. Die "Nox Rooms" sollen ab 2029 Teil der Nox-Flotte werden. Über eine eigene Buchungsplattform sind langfristig auch Zusatzleistungen am Reiseziel wie Duschmöglichkeiten, Coworking-Plätze oder Hotelzimmer für mehr Komfort geplant. 

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Im April sicherte sich das Unternehmen eine Pre-Seed-Finanzierung über zwei Millionen Euro, angeführt von IBB Ventures. Fünf Monate später steht der erste fertige Waggon auf der Berliner Messe, in sechs Monaten soll er über die Schienen rollen. Damit geht Nox Mobility ein hohes Tempo, denn neue Verbindungen brauchen in der traditionellen Bahnbranche den Angaben zufolge üblicherweise über fünf Jahre.

"Wir versuchen, nicht in alten Strukturen zu denken"

"Da werden die Züge gebaut und spezifiziert, die Trassen beantragt, die Nachtreise-Kapazitäten geprüft – das sind wahnsinnig lange Zyklen", sagt Smalla der AZ: "Unser Vorteil ist, dass wir die Züge und Wagen leasen und so nicht nur Betriebskosten sparen, sondern auch sehr flexibel sind." Die Züge seien mit geschultem Personal aus der Branche besetzt, das wiederum von Servicekräften unterstützt würde. Man könne jetzt unmöglich alles vorausplanen, sei aber in der Lage, schnell zu reagieren: "Und wir versuchen, nicht in alten Strukturen zu denken."

Thibault Constant, Mitgründer von Nox Mobility.
Thibault Constant, Mitgründer von Nox Mobility. © Nox Mobility

Man schaffe eine neue Kategorie des Reisens, verspricht Mitgründer Thibault Constant. "Nachtzugfahren heißt in Europa bis heute: Man teilt sich eine Kabine mit vier Fremden und hofft, dass die Fahrt einigermaßen erträglich wird. Am Ende soll eine Nacht im Nox-Zug alles vereinen, was sonst drei Buchungen braucht: die Fahrt, die Übernachtung, den Morgen am Ziel." Und: "Der Zug ist das Herzstück, aber erst der Anfang."


Nox Mobility wurde 2025 von Simply-Railway-Gründer und Trainfluencer Thibault Constant, FlixTrain-Projektmanager Janek Smalla und Mobility-Unternehmer und -Investor Artur Hasselbach gegründet. 

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