Ende vor dem Anfang? Bahn klagt gegen Konkurrenz auf München-Strecken

Die Bahn wehrt sich gerichtlich gegen den Beschluss der Bundesnetzagentur, mehr Kapazitäten für Wettbewerber im Fernverkehr bereitzustellen. Was bedeutet das für die mögliche Konkurrenz aus Italien?
Matthias Arnold, dpa |
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Ein Hochgeschwindigkeitszug von Italo. Der Betreiber würde gerne auch Strecken ab München bedienen. Jetzt klagt die Bahn gegen den Vorstoß der Bundesnetzagentur.
Ein Hochgeschwindigkeitszug von Italo. Der Betreiber würde gerne auch Strecken ab München bedienen. Jetzt klagt die Bahn gegen den Vorstoß der Bundesnetzagentur. © IMAGO/Zoonar.com/Markus Mainka
Berlin

Die Deutsche Bahn muss nach einem Beschluss der Bundesnetzagentur ihren Wettbewerbern auf bestimmten Strecken mehr Platz machen – und geht nun gerichtlich gegen diese Entscheidung vor. Die für die Infrastruktur zuständige Bahn-Tochter DB InfraGo werde vor dem Verwaltungsgericht Köln ein Eilverfahren gegen den Beschluss anstreben, teilte der bundeseigene Konzern mit. Ziel sei es, "die rechtliche Grundlage, Verhältnismäßigkeit und praktische Umsetzbarkeit der behördlichen Anordnungen gerichtlich klären zu lassen".

Worum geht es?

Hintergrund des Streits ist ein möglicher neuer Konkurrent der Bahn im Fernverkehr: Das italienische Verkehrsunternehmen Italo hat angekündigt, ab 2028 in den deutschen Markt einsteigen zu wollen und nimmt dabei zunächst zwei Hauptkorridore in den Blick: München-Köln-Dortmund und München-Berlin-Hamburg. 

Italo hatte dafür Beschwerde bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) gegen die Art und Weise eingelegt, wie die ohnehin begrenzten Schienenkapazitäten in Deutschland vergeben werden. Das italienische Unternehmen wollte damit erreichen, dass die Rahmenbedingungen für neue Wettbewerber verbessert werden. 

Wie hat die Bundesnetzagentur entschieden? 

Die Bundesnetzagentur hat daraufhin entschieden, dass die für die Vergabe der Trassen zuständige InfraGo auf bestimmten Strecken mindestens ein Viertel der Kapazitäten an Wettbewerber vergeben muss. Das gilt demnach nur für stark ausgelastete Korridore mit ausgewiesenen Kapazitätsobergrenzen, wie es etwa für die Knoten München und Frankfurt geplant ist.

Diese sogenannte Wettbewerbsklausel gilt der BNetzA zufolge aber nur für Unternehmen, die einen vertakteten Verkehr anbieten. "Das bedeutet im Grundsatz, dass die Verbindung mindestens viermal täglich in zweistündigem Abstand zur gleichen Minute angeboten wird", teilte die Behörde mit. 

Warum klagt die Bahn? 

Die Bahn kritisiert, dass die Trassenvergabe durch den Beschluss deutlich komplizierter werden könnte. Die Verkehrsunternehmen melden jedes Jahr bei DB InfraGo die Trassen an, auf denen sie während einer Fahrplanperiode unterwegs sein wollen. Immer wieder kommt es dabei zu Konflikten, denn die Kapazitäten sind eng begrenzt – Fern-, Nah- und Güterverkehr teilen sich in Deutschland dasselbe Schienennetz.

Die Deutsche Bahn geht gerichtlich gegen einen Beschluss der Bundesnetzagentur vor, mit dem der Wettbewerb im Fernverkehr gestärkt werden soll. (Symbolbild)
Die Deutsche Bahn geht gerichtlich gegen einen Beschluss der Bundesnetzagentur vor, mit dem der Wettbewerb im Fernverkehr gestärkt werden soll. (Symbolbild) © Wolf von Dewitz/dpa

Für den Netzfahrplan 2026 etwa musste die DB InfraGo eigenen Angaben zufolge deshalb mehr als 5.600 Konflikte regeln. Das sei in den meisten Fällen auch gelungen, heißt es im Konzern. Die Kompromisse seien vor allem dadurch ermöglicht worden, dass Anbieter von vertakteten Verkehren ihren Takt aufgegeben haben, so dass auf der jeweiligen Trasse zeitliche Verschiebungen möglich wurden.

Doch mit der Wettbewerbsklausel der BNetzA hätten Fernverkehrsunternehmen keine Motivation mehr, den Takt aufzugeben. Schließlich sehe der Beschluss vor, dass nur vertaktete Verkehre bei der Vergabe der Trassen zum Zug kommen können. Kompromisse würden dadurch deutlich erschwert. 

Die Deutsche Bahn strebt ein Eilverfahren beim Verwaltungsgericht in Köln an. (Symbolbild)
Die Deutsche Bahn strebt ein Eilverfahren beim Verwaltungsgericht in Köln an. (Symbolbild) © Christoph Reichwein/dpa

Wäre mehr Wettbewerb im Fernverkehr nicht gut für die Fahrgäste? 

Der Fernverkehr in Deutschland wird zu 95 Prozent von der Deutschen Bahn dominiert. Der bekannteste Wettbewerber ist das Münchner Unternehmen Flix, das für 2028 ebenfalls eine neue Offensive im Fernverkehr angekündigt hat – mit Dutzenden neuen Zügen und Verbindungen. Ein weiterer Konkurrent, so die Hoffnung, könnte dafür sorgen, dass die Fahrpreise sinken und sich die Qualität erhöht. 

In der Branche gibt es allerdings auch Befürchtungen. So warnt etwa der Bundesverband Schienennahverkehr, dass der Konflikt um Trassen am Ende zulasten des Regionalverkehrs gehen und damit die Anbindung insbesondere ländlicher Regionen gefährden könnte.

"Ein gut organisierter Wettbewerb muss auch ein gutes Angebot auf den weniger nachgefragten Verbindungen fernab der großen Städte sicherstellen", teilte der Geschäftsführer des Interessenverbands Allianz pro Schiene, Dirk Flege, mit. Ein besseres Angebot im Fernverkehr bekämen die Fahrgäste nur, wenn der Bund den Wettbewerb ordne und ihm klare Regeln gebe.

Wie geht es nun weiter? 

Bis zu einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts bleibt der Beschluss der BNetzA bestehen. Wann ein Urteil im Eilverfahren fällt, ist völlig offen. Inwiefern Italo seinen Markteinstieg von der BNetzA-Entscheidung beziehungsweise dem Urteil des VG Köln abhängig macht, ist nicht bekannt.

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  • loeweauch77 am 16.08.2026 15:08 Uhr / Bewertung:

    Das ganze System gehört einfach neu aufgestellt... Wer von Italien kommt, kann auch dahin zurück fahren. Das nimmt enormen Druck raus. So ist es auch mit Österreich. Klar soll auch was von München aus rauf fahren in die Regionen, aber das Ausmaß würde ich aufteilen. Vom Süden fahren ja auch stündlich Züge Richtung München. Die sind alle noch unterwegs, da starten schon die nächsten. Von uns aus sollten sie deshalb als Münchner Züge nicht so geballt da runter fahren. Am Brenner ist ja für viele schon Schluss, bzw die Italiener fahren dann weiter zum Ziel. Ich habe mit umsteigen kein Problem. Ich habe ein Problem mit vermeintlich leeren Zügen, die dann durch einfaches zusteigen durch Fahrgäste prall voll sind und man dann mit Handgepäck nicht mehr in den Zug kommt. Oder mit dem Fahrrad im Nahverkehr, für welches ich keinen Stellplatz buchen muss, aber eine entsprechende Fahrkarte brauche. Da liegt das Problem. Wenn der Zugchef entscheidet, dass der Zug voll ist... Da steht man dann...

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  • AK1 am 16.08.2026 17:16 Uhr / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von loeweauch77

    Was wollen Sie jetzt konkret und warum? Die Fahrgäste alle Daumen lang zum Umsteigen nötigen - nur weil Sie damit kein Problem haben? Am Brenner umsteigen - genau, und zukünftig dann am besten im Tunnel? Tipp: der wird dafür gebaut, dass es schneller geht.

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  • Huldreich am 16.08.2026 12:58 Uhr / Bewertung:

    Beim Deutschland-Fetisch AUTO kommt die Bahn eben seit Jahrzehnten viel zu kurz und seit Mehdorn erst recht?,

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