„70 Jahre wird jeder – wenner’s derlebt!“

Der dienstälteste Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn wird 70. Zum runden Geburtstag ist der Gratulantenreigen lang. Das Handy des Jubilars, der sich „absolut nicht wie 70“ fühlt, klingelt pausenlos.
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och den Krug - auf den 70. Geburtstag! Wiggerl Hagn bei sei- nen weltberühmten Wiesnzelt-Löwen.
Gregor Feindt och den Krug - auf den 70. Geburtstag! Wiggerl Hagn bei sei- nen weltberühmten Wiesnzelt-Löwen.

Der dienstälteste Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn wird 70. Zum runden Geburtstag ist der Gratulantenreigen lang. Das Handy des Jubilars, der sich „absolut nicht wie 70“ fühlt, klingelt pausenlos.

MÜNCHEN Mitternacht war vorbei, die letzten Gäste verab-schiedeten sich. Wirtin Berta Hagn, die den ganzen Tag tüchtig aufgekocht hatte, brachte noch ihre Küche in Ordnung – und dann war es soweit. „Ludwig, jetzt pressiert's!", rief sie raus zur Schänke. Der Ehemann bestellte ein Taxi. Gemeinsam ging’s in die Klinik, und nur fünf Stunden später, um sechs Uhr in der Früh, kam Ludwig junior auf die Welt.

Das war vor 70 Jahren, am 10. Dezember 1939. Damals wurde ein Münchner geboren, aus dem ein hochdekorierter Vorzeigewirt werden sollte: Kein Zweiter verkörpert – mit seiner Statur und dem aufdrahten Bart allein schon optisch – das bayerische Gastgewerbe besser als der erfolgreiche Löwenbräu-Wiesn-Wirt und Chef vom „Unionsbräu“.

Dabei wollte dieser ursprünglich gar nicht Wirt, sondern Tierarzt werden: „Doch der frühe Tod meines Vaters ließ alles anders kommen." Ludwig Hagn senior starb, als sein Sohn gerade mal 16 Jahre alt war. „Ich musste in den elterlichen Betrieb, in den damaligen Rheinhof in der Bayerstraße, und 1956 auch gleich auf die Wiesn.“ Als bislang jüngster Wiesn-Wirt. „Jetzt bin ich nicht der Älteste, aber der Dienstälteste auf der Wiesn“, sagt Hagn und lacht.

Höchst engagiert ist er seit 45 Jahren auch im „Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband". Ein Jahrzehnt lang, bis 2006, war Hagn dessen Präsident. Erfolge erzielte er zuhauf: Sei es die Abschaffung der Sperrzeit, die Wiedereinführung der 400-Euro-Jobs oder das legendäre Ende der Trinkgeldsteuer, die mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder im Augustiner-Keller besiegelt wurde.

So unerschrocken und wortgewaltig Wiggerl Hagn bis heute für die Belange seiner Branche eintritt, so wenig Worte macht er um sich selbst (und sein tatkräftiges soziales Engagement). Seine Auszeichnungen sprechen für sich: Bundesverdienstkreuz, Bayerischer Verdienstorden, Medaille „München leuchtet"...

Zum runden Geburtstag ist der Gratulantenreigen lang. Das Handy des Jubilars, der sich „absolut nicht wie 70“ fühlt, klingelt pausenlos. OB Christian Ude übermittelte schriftlich seine Glückwünsche – und dankt für Wiggerl Hagns „großes Engagement zum Wohle unserer Stadt“.

Wie feiert der Jubilar (der bereits im Sommer mit vier Freunden, die heuer alle 70 wurden, zu einem Schifffest auf dem Starnberger See eingeladen hat)? „Gar nicht!“, sagt Hagn und zwirbelt seinen Bart: „Ich mag mich selbst nicht so gern feiern, und schon der Karl Valentin hat ja gesagt: 70 Jahre sind kein Grund zum Feiern. Das wird jeder, wenn er’s derlebt.“

Annette Baronikians

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