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5.000 Menschen auf Corona-"Demo" in München - Polizei: Beamte attackiert

Demonstranten setzen in München ein Zeichen gegen Verschwörungsmythen und solidarisieren sich mit dem Personal in den Kliniken, das oft an der Belastungsgrenze arbeitet. Aber auch Coronaleugner sind am Mittwoch in der Stadt unterwegs – die Polizei hat alle Hände voll zu tun.
| rah mag
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Bereits letzten Mittwoch waren Tausende Corona-Skeptiker auf der Ludwigstraße. Und auch für diese Woche haben sie wieder eine Demo angemeldet. (Archivbild)
Bereits letzten Mittwoch waren Tausende Corona-Skeptiker auf der Ludwigstraße. Und auch für diese Woche haben sie wieder eine Demo angemeldet. (Archivbild) © rah

München - Unter dem Motto "Solidarität statt Schwurbel" haben sich mehr als 150 Demonstranten am Mittwochabend am Odeonsplatz versammelt. Die Jugendorganisation der Grünen und verschiedene andere Gruppen hatten zum Protest aufgerufen.

Bei der Demo gedachten die Teilnehmer auch der zahlreichen Opfer der Coronapandemie. Am Rande der Kundgebung versuchten schon zu Beginn, Personen aus der Szene der sogenannten "Querdenker" die Rednerinnen zu stören.

Rund 150 Demonstranten haben sich gestern am Abend vor der Feldherrnhalle versammelt - darunter linke Gruppen.
Rund 150 Demonstranten haben sich gestern am Abend vor der Feldherrnhalle versammelt - darunter linke Gruppen. © Daniel von Loeper

Mit ihrer Aktion wollen die Demonstranten auch ein Zeichen gegen Verschwörungsideologien, Wissenschaftsfeindlichkeit und Antisemitismus auf den Mittwochsumzügen der Gruppe "München steht auf" setzen.

"München steht auf"-Demo abgesagt: Tausende strömen dennoch ins Univiertel

Deren Demo am Mittwochabend am Geschwister-Scholl-Platz wurde vom KVR untersagt. Die Organisatoren wollten einen Demozug mit rund 5.000 Teilnehmern in der Innenstadt abhalten. Eine Verlegung der Kundgebung mit 2.000 Teilnehmern auf die Theresienwiese lehnte der Veranstalter ab und sagte deshalb die Demo komplett ab. Trotz der Absage der Demo der Coronamaßnahmen-Gegner wurde seit Dienstag im Internet aufgerufen zu sogenannten "spontanen Spaziergängen". Eine Frau schrieb in einem der Foren: "Dann treffen wir uns vor dem Rathaus und gehen gemeinsam durch die Kaufinger Straße zum Weihnachtseinkauf." Ein anderer: "Warum betteln bei den Verbrechern??? Einfach raus auf die Straßen!!!" Im Internet kursierte ein Stadtplan mit Orten, an denen man sich am Mittwoch treffen wollte.

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Polizei sperrt Straßen - Maßnahmen- und Impfgegner ziehen durch die Stadt

Querdenker und Impfgegner aus ganz Bayern hatten im Netz angekündigt, zu kommen. Und sie kamen: Gegen 18 Uhr trafen sich mehrere Hundert von ihnen am Geschwister Scholl Platz, es wurden sehr schnell immer mehr. Das Spektrum der Teilnehmer war nach den Worten eines Polizeisprechers bunt gemischt. Demnach waren sowohl Familien mit Kindern und Esoteriker ebenso dabei wie Mitglieder der rechten Szene.

Die Menge setzte sich in Richtung Schellingstraße in Bewegung. Schon eine knappe Stunde später versuchte die Polizei, den Menschen in diversen angrenzenden Straßen den Weg mit Polizeiautos zu versperren, einige der Teilnehmer nutzten diese Kulisse für Erinnerungsfotos. Auch ein Polizeihubschrauber kreiste. Demonstranten riefen unter anderem "Söder muss weg" und "Steckt euch die Impfung in den Arsch". Kaum einer trug eine Maske oder achtete auf den Mindestabstand.

Tausende ziehen durchs Univiertel

Die Polizei versuchte zu schlichten. Ein Polizeisprecher sprach von einer "spontanen Kundgebung, die entsprechend schwer zu handhaben" sei. In der Spitze schätzte die Polizei rund 5.000 Teilnehmer. Rund 500 Beamte waren im Einsatz.

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Die Demonstranten verteilten sich überall im Univiertel und verstopften Straßen. Irgendwann waren alle Spuren der Ludwigstraße auf Höhe der LMU dicht. Teilnehmer des Zuges, die in Warnwesten versuchten, die Menschenmasse zu steuern, waren ein Hinweis, dass diese Versammlung nicht spontan zustande kam. Die Polizei sperrte die Ludwigstraße am Siegestor und auf Höhe der Staatsbibliothek ab und setzte den Zug fest, was durch die Demonstranten zwischenzeitlich mit "Die Mauer muss weg"-Rufen quittiert wurde.

Polizei: Stimmung aggressiv

Die Stimmung sei aggressiv gewesen, teils habe es gewaltsame Auswüchse gegeben, teilte die Polizei mit. Bei den Ausschreitungen soll demnach auch ein Medienvertreter angegriffen worden sein, den mutmaßlichen Täter nahm die Polizei fest. Insgesamt wurden elf Menschen festgenommen und 14 Straftaten zur Anzeige gebracht, darunter das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und gefährliche Körperverletzung gegen Vollstreckungsbeamte. Konkrete Angaben zu verletzten Einsatzkräften machte die Polizei auf Anfrage nicht.

Wegen der Angriffe auf Polizisten seien Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt worden. Gegen 21 Uhr waren noch vereinzelte Gruppen in Polizeibegleitung am Marienplatz, in der Sonnenstraße und am Oberen Anger unterwegs. Laut Polizei gab es im Laufe der Demo mehrere Festnahmen. Insgesamt wurden 43 Platzverweise ausgesprochen. 

Polizeiriegel auf der Ludwigstraße: Für den Demo-Zug geht es hier nicht weiter.
Polizeiriegel auf der Ludwigstraße: Für den Demo-Zug geht es hier nicht weiter. © rah

Die Polizei hatte zuvor betont, man werde die Lage genau beobachten, insbesondere an neuralgischen Punkten wie dem Marienplatz oder in der Maxvorstadt. "Wir werden nicht dulden", so Polizeisprecher Andreas Franken, "dass insbesondere Personen aus dem rechten Spektrum Aufzüge durchführen." Die Impfgegner und Querdenker hatten zuletzt versucht, mit Aktionen auf dem Marienplatz auf ihren Protest gegen die Coronapolitik aufmerksam zu machen.

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