"Das ist Wahnsinn": Pendler stehen vor monatelangem U-Bahnfrust auf einer Münchner Hauptstrecke
Obwohl der Bus bereits voll ist, drängt sich eine Menschentraube vor den geöffneten Türen. Der Fahrer steigt entnervt aus und drückt die Fahrgäste vorsichtig nach drinnen, damit sich die Türen schließen lassen. Die Menschen ächzen dabei ähnlich wie der Bus selbst.
Diese Szene vom Montagvormittag und ähnliche Quälereien dürften sich in den kommenden Monaten häufiger abspielen. Der Grund: Die U-Bahnhöfe Goetheplatz und Poccistraße werden umfassend saniert und sind deshalb seit Montagfrüh komplett gesperrt. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) setzt während der Arbeiten auf Schienenersatzverkehr mit Bussen.
Ersatzbusse und Gedränge an der neuen Baustelle für den Goetheplatz und die Poccistraße
Die Ersatzbuslinie U6 hält an den Stationen Implerstraße, Poccistraße, Goetheplatz und Sendlinger Tor. Die Linie X6 fährt zwischen Implerstraße und Hauptbahnhof Süd, ebenfalls mit Halt an der Poccistraße und dem Goetheplatz. Dieser Zustand bleibt bis zum 18. September bestehen, bis dahin dauert die erste von insgesamt drei Sanierungsphasen.
Während der Wiesn, die am 19. September beginnt, pausieren die Bauarbeiten, die U-Bahnen fahren in dieser Zeit regulär. Auch vor Weihnachten ist nochmal Pause. Anfang August 2027 soll die Sanierung dann fertig sein.

Die Münchner Rentnerin Ingrid Sättler schüttelt darüber den Kopf. "Bevor was runterfällt, muss es natürlich repariert werden. Aber dass es so lang dauert, das ist Wahnsinn.“ Sie habe schon geahnt, dass so etwas kommt, sagt die 86-Jährige. "Es hieß ja immer wieder, dass da etwas repariert werden muss.“ Die Busfahrt zum Goetheplatz war für sie dafür kein Problem. "Da war alles gut. Wir hatten ein bisschen Sorge, weil so viele Leute an der Implerstraße waren, aber es ging ganz schnell.“
Benjamin Schlotter fährt am Montagmorgen auch per Bus über die Implerstraße – und hat dabei weniger Glück. "Heute Morgen war es schon sehr voll. Da sind auch nicht alle Leute reingekommen“, erzählt er der AZ.

Der 42-jährige Münchner hat frühzeitig von der Sanierung erfahren, im Internet und an den U-Bahnhöfen hat er Infos dazu gesehen. Trotzdem ist er von der aktuellen Situation genervt. "Es ist halt schon die dritte oder vierte Sperrung hintereinander in den letzten Jahren. Deswegen ist es schon etwas ärgerlich.“
Pendler, Geschäftsleute und Touristen von Ersatzfahrplan betroffen
Neben den Münchnern, die im Alltag auf die U-Bahn angewiesen sind, entstehen auch für Touristen und Geschäftsleute Probleme. Ein Ehepaar aus Rostock ist wegen der Meisterfeier des FC Bayern vom Wochenende noch in der Stadt, am Montag stehen sie irritiert und planlos vor der gesperrten U-Bahn-Station.
Kioskbetreiber Kiriakos hat seinen Laden direkt an der Haltestelle Poccistraße. Ein großer Teil seiner Laufkundschaft fällt während der Sanierung weg. "Das sind mindestens 50 Prozent weniger Umsatz“, sagt er mit bitterem Unterton.

Das Nuovo Caffè Greco am Goetheplatz trifft es nicht ganz so hart, trotzdem sei der Effekt spürbar, meint Mitarbeiterin Judith Sommer zur AZ. "Vielleicht ist es auch nur ein blöder Tag, aber gerade merken wir es ganz schön.“
Die 24-Jährige arbeitet seit dreieinhalb Jahren in dem Café, laut ihrer Schätzung geht durch die Sperrung mindestens ein Viertel des Umsatzes verloren.
Trotzdem sagt sie, sie könne die Sanierung nachvollziehen: "Klar ist es ärgerlich, aber man muss da auch Verständnis zeigen. Der Goetheplatz ist schließlich eine der ältesten U-Bahnstationen.“
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