46 Jahre auf Münchens Straßen: Ein Kommissar nimmt Abschied

Demos, Anschläge, Fußball-Fans und Staatsbesuche - als Polizist hat Rainhard Brill viel erlebt. Jetzt nimmt der Kommissar Abschied.
| Myriam Siegert
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Zum 48-jährigen Dienstjubiläum gibt's die Pension. Polizeihauptkommissar Reinhard Brill hört auf.
Zum 48-jährigen Dienstjubiläum gibt's die Pension. Polizeihauptkommissar Reinhard Brill hört auf. © Daniel von Loeper

München - "Ich dürfte wohl der älteste Polizist in Bayern sein", sagt Reinhard Brill und lacht. Der Polizeihauptkommissar der PI 13 in Schwabing ist gerade 65 geworden und hat am Montag sein 48-jähriges Dienstjubiläum gefeiert. Am Freitag war sein letzter Tag im Dienst. "Ich will mich nicht verabschieden, ich muss", sagt Brill wieder lachend.

"Das ist Enthusiasmus, Passion für den Beruf", wie er selbst sagt. Denn der sei noch immer ein Traumberuf. Angefangen hat Brill ganz klein - und vor allem ganz jung - im Olympiajahr '72. Als 16-jähriger Aushilfsangestellter im Amt für öffentliche Ordnung, dem Vorläufer des KVR, sortierte er Karteikarten. Unter anderem.

1973 gab es dann die erste Festanstellung bei der Polizei in Eichstätt. "Drei Mal musste ich zum Friseur, weil die Haare zu lang waren", erinnert sich Brill. Es war die Zeit der Ölkrise. "Eine Krise zum Anfang, eine Krise, die Corona-Krise, zum Ende", resümiert er.

Lustige Anekdoten aus 48 Jahre Polizeiarbeit in München

Als Brill, der in Schwabing aufgewachsen ist, 1975 zur Polizei nach München kam, da war die noch städtisch, die Uniformen blau. "Die hab ich immer noch", sagt er.

In so vielen Jahren gibt's freilich lustige Anekdoten: 1977, in seiner ersten Nachtschicht im Schichtdienst, schaffte es ein Autofahrer mit seinem VW Käfer 174 geparkte Fahrzeuge anzufahren. Als er am Siegestor zum Stehen kam, mussten Brill und seine Kollegen einerseits das Fenster einschlagen, um den Mann herauszuholen, ihn dann aber vor der Menge der aufgebrachten Autobesitzer schützen.

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Münchner Kommissar Brill war bei vielen geschichtlichen Ereignisse dabei

Der Rückblick auf eine so lange Dienstzeit gleicht einem Schnelldurchlauf durchs Geschichtsbuch. Reinhard Brill war bei vielen Ereignissen vorne dabei. Bei der Fußball-WM 1974 etwa, bei der Brill, damals 18, als Verkehrsposten am Eck Spiridon-Louis-Ring und Ackermannstraße die Nationalmannschaft aus der Nähe sehen konnte. Oder Jahre später, 1981 beim Bombenanschlag auf Radio Free Europe in der Tivoli-/Oettingenstraße. "Da hat es so laut geknallt, dass wir es auf der Wache in der Seidlvilla gehört haben", sagt Brill. "Da sind wir dann zu Fuß vorgelaufen."

1986 wechselte er zum Sachbereich Verkehr, "da ging es los mit den großen Einsätzen". Der Staatsbesuch von Erich Honecker 1987 beispielsweise, sei sehr beeindruckend gewesen. "Da wurde die Kolonne oben mit zwei Puma-Hubschraubern begleitet."

Ebenso 1988 die Beerdigungszeremonie und der Trauermarsch für Franz Josef Strauß. Der Leichnam des Ministerpräsidenten wurde durchs Siegestor getragen, "seitdem durfte dort keiner mehr durch, keine Demo, nichts ", sagt Brill.

"Ich hab die letzten 37 Jahre den ganzen Stau in München verursacht"

Viele Staatsbesuche folgten: Von Präsident Bush Senior bis Charles und Diana. "Ich hab die letzten 37 Jahre den ganzen Stau in München verursacht", sagt er und lacht. Grob geschätzt begleitete er 92 Staatsbesuche und mehrere hundert Demonstrationen. Auch den Union Move in den 90ern mit bis zu 100.000 Ravern oder die Fußball-Feiermeile auf der Leopoldstraße, deren Ursprung er auf 1984 datiert.

Reinhard Brill hat Oldtimer und will sich jetzt auch einmal der Münchner Kultur widmen. Im Ruhestand wird ihm also sicher nicht langweilig werden.

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