365 Tage im Jahr geöffnet: Münchens queeres Wohnzimmer feiert Jubiläum
Frank Ludwig hatte sein Outing mit 27 Jahren. Er machte in den 80er-Jahren in München eine Ausbildung zum Rechtsreferendar. Schnell machte er sich auf die Suche nach Gleichgesinnten. 1986 war er einer der Gründer des Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrums Sub. Mehrmals ist der Verein umgezogen, aber dem Glockenbachviertel immer treu geblieben.
1995 wurde der Verein als gemeinnützig anerkannt. Inzwischen nennt sich das Sub schwul-queeres Zentrum und hat feste Räumlichkeiten für seine 17 Mitarbeiter inklusive eigenem Café in der Müllerstraße 14.
Herzstück Café: Rückzugsort, Beratung, Hilfe
Andreas Unterforsthuber war einst selbst Vorstand und ist heute Leiter der Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von LGBTIQ*. Zum 40. Sub-Geburtstag erinnert er sich an die Herausforderungen und Probleme der Anfangsjahre: die Aids-Krise, massive Diskriminierung und Ausgrenzung, Gleichstellungsgesetz und die gleichgeschlechtliche Ehe.
Unzählige Ehrenamtliche sorgten über die Jahre für mehr Sichtbarkeit, aber auch einen Rückzugsort für queere Menschen sowie Beratung und Hilfe. Von Anfang an war der Verein auch in die Organisation des CSD mit eingebunden.

Herzstück des Sub ist das Café im Erdgeschoss. "Es hat 365 Tage im Jahr geöffnet und dient vielen Menschen als Wohnzimmer, Begegnungsstätte, Schutzraum und Rettungsanker", sagt Sub-Vorstand Jörn Vogt. Er koordiniert die 180 Ehrenamtlichen, die den Café-Betrieb, aber auch die zahlreichen Kultur-, Beratungs-, Selbsthilfe- und Freizeitangebote in der Müllerstraße aufrechterhalten.
Der Verein bekommt Fördergelder von der Stadt, generiert aber auch selbst Einnahmen, etwa durch das Café, Mitgliedsbeiträge und Spenden. Regelmäßig finden Vorträge, Ausstellungen und Bühnenprogramme im Sub statt.
Ein Modell, das in Deutschland seinesgleichen sucht, betont Geschäftsführer Kai Kundrath. "Der 40. Geburtstag ist für uns ein Anlass, das Erreichte zu feiern, aber auch an die Herausforderungen zu erinnern, vor denen die Community heute noch oder vielleicht besser wieder steht."

"Wir wollen keine Sonderrechte, sondern Sichtbarkeit"
2019 entstand die LGBTIQ*-Fachstelle gegen Diskriminierung "Strong!". Leonie Lang ist dort als Psychologin beschäftigt. Einerseits zieht sie positive Bilanz, andererseits werden die Herausforderungen größer. Sie stellt eine klare Gegenbewegung in den letzten Jahren fest. Die Gewalt gegen Trans- Inter- oder non binäre Menschen habe wieder stark zugenommen. Im Jahr 2025 wurden 413 Vorfälle registriert (2024 waren es 289). Diese reichen von Alltagsdiskriminierungen bis hin zu sexueller Belästigung und schwerer Körperverletzung.
Auch deshalb brauche es weiterhin dringend Orte wie das Sub. "Wir wollen keine Sonderrechte, sondern Sichtbarkeit", betont Lang, "und eine Gesellschaft, in der jede Person ohne Angst leben kann." Auch in der Zukunft.
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