284 Fälle: Tochter jahrelang missbraucht

Prozess am Landgericht: Ein 46-Jähriger soll sein leibliches Kind fast acht Jahre lang missbraucht haben. Die Anklage geht von 286 Fällen aus.
| John Schneider
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Tochter missbraucht? Der Angeklagte Helmut F. mit seinem Anwalt Gerhard Bink.
Petra Schramek Tochter missbraucht? Der Angeklagte Helmut F. mit seinem Anwalt Gerhard Bink.

München Für das Mädchen müssen es sieben Jahre in der Hölle gewesen sein: Wenn die Anklage stimmt, hat ein heute 46-jähriger Münchner seine leibliche Tochter fast täglich missbraucht.

Der Mann soll sich laut Anklage im Jahre 2007 zum ersten Mal seiner damals sechsjährigen Tochter Karla (Name geändert) genähert haben. Damals lebte die Familie noch gemeinsam in Untergiesing. Der Kassierer hat nach Überzeugung der Ermittler das Mädchen in den ersten vier Jahren mindestens 105 Mal (insgesamt 286 Fälle) missbraucht. Meist im elterlichen Schlafzimmer, wenn die Mutter des Kindes nicht zu Hause war. Einmal auch im nahe gelegenen Schwimmbad.

Dabei soll er das Mädchen zunächst angehalten haben, ihm Zungenküsse zu geben. Dann musste sie seinen Penis berühren, später auch in den Mund nehmen. So steigerte er die Intensität des Missbrauchs bis hin zur Entjungferung des Mädchens. Damals soll sie zwischen sieben und neun Jahren alt gewesen sein.

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Im Jahre 2010 ließen sich die Eltern scheiden. Doch die Sex-Hölle war für Karla damit noch lange nicht beendet. Der Vater war nach Berg am Laim gezogen und soll dort den Missbrauch seiner Tochter fortgesetzt haben. Mit einem Unterschied: Das älter und größer werdende Mädchen wurde nun von ihrem Vater bestochen, die sexuellen Übergriffe weiter zu dulden.

Helmut F. soll seine Tochter mit Kleidung, Make-up, Maniküren, Friseurbesuchen und Handys für den Sex bezahlt haben. Zu den Übergriffen kam es der Staatsanwaltschaft zufolge in der Wohnung des Mannes, im Schwimmbad und in einem Hotel.
Erklärt der Sex-Lohn, warum sich Karla nicht früher einer Vertrauensperson offenbarte? Das Mädchen lebte nach der Trennung seiner Eltern mal bei der Mutter, dann wieder beim Vater. Während der ganzen Zeit ließ der Vater laut Anklage nicht von ihr ab.

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Alle Versuche der Schülerin, sich endlich dem Vater zu entziehen und den Missbrauch so zu beenden, sollen lange erfolglos gewesen sein. Erst im Juli 2015 wandte sich die Tochter endgültig vom Vater ab, der kurz darauf verhaftet wurde. Die Ankläger werfen ihm nicht nur den sexuellen Missbrauch seiner Tochter in 284 Fällen vor. Im Jahre 2003 soll er auch seine Ehefrau zum Sex gezwungen haben. Einen Tag vor der Entbindung eines weiteren gemeinsamen Kindes.

Auch ein Eigentumsdelikt wird ihm zum Vorwurf gemacht. Um die Geschenke für seine Tochter kaufen zu können, griff der Mann laut Anklage 64 Mal tief in die Kasse seines Arbeitgebers.

Die Verhandlung war am Montag bereits nach der Anklageverlesung schon wieder zu Ende. Der eigentliche Verteidiger war erkrankt, Anwalt Gerhard Bink musste kurzfristig einspringen.
Der Prozess gegen Helmut F. soll nun am 11. Juli fortgesetzt werden.

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