11,5 Millionen Euro Schaden: Schockanrufe wüten in München – das rät das BKA

Es vergeht kaum ein Tag, an dem in München nicht jemand Opfer von sogenannten Schockanrufen durch Telefonbetrüger wird. Im Jahr 2024 betrug allein in München der Gesamtschaden dieser Schockanrufe bei 11,5 Millionen Euro.
Einen besonders drastischen Fall gab es am 4. Februar 2026. Eine 77-Jährige aus Haidhausen wurde von Betrügern kontaktiert mit der Story, dass ihre Tochter in einen Autounfall verwickelt sei, bei dem zwei Personen ums Leben kamen. Um zu verhindern, dass die Tochter verhaftet wird, müsse die 77-Jährige nun einen hohen Geldbetrag zahlen. Über einen längeren Zeitraum wurde die Seniorin am Telefon unter Druck gesetzt, am Ende übergab die 77-Jährige zwei Abholern Goldbarren und Goldmünzen im Gesamtwert von zwei Millionen Euro.
Enkeltrick, teure Operation oder Einbrecherliste: Auf diese Methoden greifen Schockanrufer zurück
Die Geschichten, welche die Betrüger ihren potenziellen Opfern auftischen sind vielfältig. Die Anrufer geben sich als Polizisten, Staatsanwälte, Ärzte, Krankenschwester oder sogar als Tochter/Sohn oder Enkel/Enkelin auf. Den Opfern wird dann erzählt, dass ein Familienmitglied einen schweren Unfall verursacht habe, oft mit Todesopfern, und diesem jetzt Gefängnis drohe, außer es würde eine hohe Summe an Kaution übergeben werden. Bei dieser Methode spricht man auch vom "Enkeltrick". Häufig kommt es vor, dass verschiedene Täter beim Opfer anrufen und sich zunächst als Polizist ausgeben und ein zweiter Täter als angeblicher Staatsanwalt die Geschichte noch untermauern will. In einigen Fällen geben sich die Täter sogar als verzweifeltes Familienmitglied aus.
Seit geraumer Zeit nutzen Betrüger auch die Methode bei der sie sich als Arzt/Ärztin oder einem anderen Krankenhausmitarbeiter ausgeben. Dabei erzählen sie dem Opfer die Geschichte eines sehr schwer erkrankten oder verletzten Familienmitglieds, deren dringend notwendige Behandlung oder Operation sehr teuer sei und im Vorfeld bezahlt werden müsse. Häufig sollen die Opfer Angaben zu ihrem Vermögen machen. Auch hier werden die Opfer unter Druck gesetzt, bis sie sich bereit erklären einen entsprechenden Betrag an Bargeld oder Wertgegenständen an einen Abholer zu geben oder an einem abgesprochenen Abholort zu hinterlegen.
Eine weitere Geschichte, auf die Telefonbetrüger gerne zurückgreifen ist die, dass man im Rahmen von polizeilichen Ermittlungen eines angeblichen Einbruchs in der Nähe des Opfers eine Liste gefunden hätte, auf der der Name des Opfers stehen würde. Aus Sicherheitsgründen sollte man die im Haushalt befindlichen Wertsachen einem Beamten übergeben, der an der Wohnungstür klingen würde oder an einen Abholort hinterlegen.
Opfer werden am Telefon massiv unter Druck gesetzt
Alle Methoden haben gleich, dass das Opfer am Telefon massiv unter Druck gesetzt wird und so lange in Gespräche gehalten wird, bis es völlig verunsichert den Forderungen der Telefonbetrüger nachgeben. Dabei versuchen die Täter auch zu verhindern, dass das Opfer Kontakt zu anderen aufnehmen kann, z. B. zur Tochter, die angeblich den Unfall verursacht haben soll.
Bei diesen Schockanrufen werden Beträge teilweise in sechsstelliger Höhe gefordert. Geht ein Opfer darauf ein, erscheint ein Abholer vor Ort oder das Opfer wird zu einem Übergabeort gelotst. Während dieser Übergabephase wirkt ein Anrufer häufig erneut auf das Opfer ein. Sobald die Vermögenswerte übergeben sind, beenden die Täter das Gespräch.
Tatort Telefon: Wer steckt hinter den Schockanrufen?
Hinter den Telefonbetrügern stehen in den meisten Fällen gut organisierte Tätergruppen, die von professionell betriebenen Callcentern im Ausland aus agieren, wie das Bundeskriminalamt (BKA) mitteilt. Oft kommen die aus der Türkei oder aus Osteuropa. Als Opfer suchen sich die Telefonbetrüger in den meisten Fällen ältere Menschen aus, die gezielt getäuscht und zur Herausgabe von Geld oder Wertgegenständen bewegt werden.
Schutz vor Telefonbetrügern: Das rät das BKA
- Folgen Sie nicht den Aufforderungen der Anrufer. Lassen Sie sich nicht in ein Gespräch verwickeln oder unter Druck setzen. Legen Sie einfach auf.
- Geben Sie am Telefon keine Details zu persönlichen oder finanziellen Verhältnissen preis.
- Rufen Sie Ihre tatsächlichen Angehörigen unter der Ihnen bekannten Nummer an.
- Denken Sie daran: Die Polizei oder vergleichbare Amtspersonen werden Sie niemals telefonisch um die Aushändigung von Bargeldbeträgen oder Wertsachen bitten.
- Übergeben Sie niemals Geld oder Wertgegenstände an Personen, die Sie nicht kennen.
- Lassen Sie grundsätzlich keine Unbekannten in ihre Wohnung oder Ihr Haus.
- Die Rufnummer 110 erscheint bei der Polizei niemals im Display.
- Falls Sie einen solchen Anruf erhalten haben, wenden Sie sich bitte umgehend an Ihre örtlich zuständige Polizeidienststelle, um den Vorfall zur Anzeige zu bringen.
Im Rahmen des KOK-Projekts "CESA" (Callcenterbetrug, Enkeltrick, Schockanruf) wurde von der Polizei die Kampagne "Tatort Telefon" entwickelt, die sich an ältere Menschen richtet, um sie vor Schockanrufen zu schützen. Dafür wurden vier verschiedene Plakatmotive designt, die man sich hier aus dem Internet herunterladen und anschließend ausdrucken kann.