10,45 Euro für den Quadratmeter: Studie - Mieter zahlen in München weiter am meisten

München ist für Mieter weiterhin ein besonders teures Pflaster: 2018 betrug hier der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Bestandsmieter 10,45 Euro, bundesweit sind es 6,92 Euro.
| dpa
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Blick auf eine Hausfassade in München.
Andreas Gebert/dpa Blick auf eine Hausfassade in München.

Berlin/München - Nirgendwo in Deutschland ist die monatliche Abgabe für eine Wohnung oder ein Haus höher als in München - 10,45 Euro betrug hier 2018 der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Bestandsmieter. Das geht aus einer Auswertung von Mietspiegeldaten im Auftrag der Linksfraktion im Bundestag hervor.

Stadtforscher Holm war kurzzeitig Staatssekretär in Berlin

Dafür hat der Stadtforscher  Andrej Holm die Mieten in mehr als 300 deutschen Städten untersucht. Der 48-Jährige ist mit den Themenschwerpunkten Stadterneuerung, Gentrifizierung und Wohnungspolitik befasst. Er war 2016/17 kurzzeitig Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen der rot-rot-grünen Landesregierung von Berlin.

Bestandsmieten: Vier der 20 teuersten Städte in Bayern

Vier der 20 teuersten Städte liegen in Bayern. Neben der Landeshauptstadt sind dies noch Dachau (9,62 Euro/Quadratmeter), Germering (9,48 Euro) und Erding (8,23 Euro). Bundesweit liegt der Durchschnittspreis für den Quadratmeter bei 6,92 Euro.

Besonders günstig wurden Wohnungen dagegen im nordrhein-westfälischen Warstein mit 4,64 Euro pro Quadratmeter vermietet. Tendenziell sind Städte in Baden-Württemberg und Bayern teuer, Nordrhein-Westfalen und Städte unter anderem in Ostdeutschland sind günstiger.

Mieten in Deutschland: Weitere Ergebnisse der Studie

Für Haushalte an der Armutsgrenze und viele Alleinerziehende sind durchschnittliche Wohnungen der Studie zufolge kaum noch bezahlbar. Sie seien auf Wohnraum unterhalb der Marktmieten angewiesen, sagte Stadtforscher Andrej Holm in Berlin. Das bedeute, dass die öffentliche Hand stärker eingreifen müsse. "Denn: Welcher private Investor sollte Wohnungen zu unterdurchschnittlichen Preisen anbieten?", fragte Holm.

Miete nach Alter der Wohnung

Holm hat für die Studie acht Baualtersklassen ausgewertet - also die Mietpreise für Gebäude untersucht, die fertiggestellt wurden bis 1905, 1925, 1955, 1965, 1975, 1985, 1995 und ab 2005. Am günstigsten wohnen Mieter demnach im Durchschnitt in Gebäuden, die um 1925 errichtet wurden, am teuersten in Neubauten. Die teuerste Baualtersklasse lag im Mietpreis 43 Prozent über der günstigsten.

Mieten und Löhne

Im Großen und Ganzen konnten die Einkommen in den vergangenen Jahren mit den steigenden Mieten mithalten. So wuchsen die Bestandsmieten der Untersuchung zufolge zwischen 2013 und 2018 um 11,4 Prozent. Die Nettolöhne wuchsen im gleichen Zeitraum um 13,3 Prozent. Nur 2017 kletterten die Mieten schneller als die Löhne. Allerdings, so sagt Holm, konnten niedrige Einkommensgruppen weniger von den Lohnerhöhungen profitieren - ihre Mieten stiegen trotzdem.

Miete erschwinglich oder nicht

Wie viel darf eine Wohnung kosten, damit sie sich jemand mit einem normalen Einkommen leisten kann? Als vertretbar gilt eine Belastung von 30 Prozent des Nettoeinkommens - ein Wert, den auch viele Vermieter nicht überschritten sehen wollen. Der Studie zufolge wäre im vergangenen Jahr damit für kinderlose Paare eine Warmmiete von 844 Euro akzeptabel gewesen, für Alleinerziehende mit Kind 731 Euro. Als Maßgröße nutzt Holm dabei das Medianeinkommen, also jenen Wert, bei dem es genauso viele Menschen gibt, die mehr verdienen wie Leute, die weniger verdienen.

Für Normalverdiener ist eine 65 Quadratmeter große Wohnung mit mittlerer Ausstattung zum Durchschnittspreis damit in beiden Kategorien (kinderlose Paare und Alleinerziehende) gut erschwinglich - zumindest im bundesweiten Schnitt.

In Großstädten wie München, Stuttgart, Frankfurt und Hamburg, teils auch Düsseldorf, Berlin oder Köln dagegen sieht es schon anders aus. Wer armutsgefährdet ist, also nur 60 Prozent des Medianeinkommens bezieht, hat der Studie zufolge dagegen Probleme: Im bundesweiten Schnitt können sich diese Menschen keine Wohnung zu Durchschnittspreisen mehr leisten. Unberücksichtigt bleibt dabei allerdings, dass die Durchschnittseinkommen je nach Region stark schwanken - also, dass man etwa im Süden, wo Wohnen teurer ist, im Schnitt auch mehr verdient.

Explodierende Mieten: Was tun?

Die Linksfraktion fordert einen sofortigen Mietendeckel. Mieterhöhungen ohne vorhergegangene Modernisierung sollten auf maximal zwei Prozent im Jahr begrenzt werden. Die Mietenpolitik müsse sich auf Geringverdiener und die Durchschnittsverdiener in den Großstädten konzentrieren - und nicht auf die Gutverdiener auf dem Land.

Lesen Sie hier: Neuer Mietspiegel für München - So teuer wie nie

 

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