10 Euro pro Quadratmeter Miete: Das kann München von Wien lernen
Da können die Münchner neidisch werden: Rund zehn Euro pro Quadratmeter zahlt man in Wien Miete – inklusive Betriebskosten. In München sind es laut Mietspiegel 15,38 Euro, Kosten für Strom und Heizung kommen da noch dazu. Bei vielen Neubau-Wohnungen gehen die Preise inzwischen eher Richtung 30 Euro für den Quadratmeter. Was macht Wien anders?
Die SPD-Stadträte Christian Köning und Simone Burger haben Elke Hanel-Torsch per Video-Call ins Rathaus zugeschaltet, um das zu erklären. Sie ist Wiener Abgeordnete für die SPÖ und für "Wohnen und Bauen" zuständig. "Auch in Österreich werden die Mieten teurer. Trotzdem sind sie bei uns noch vergleichsweise billig", sagt sie.
Ein Grund: Über 220.000 Wohnungen gehören der Stadt Wien selbst – ein Rekord in Europa. Das ist jede vierte Wohnung. Und mehr als dreimal so viele wie der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft "Münchner Wohnen" gehören.
Mieten für teils drei bis vier Euro pro Quadratmeter
Daneben gibt es in Wien Genossenschaften und geförderten Wohnungsbau – so wie in München. Nur läuft in Österreich die Finanzierung anders. Und zwar gibt es da für den geförderten Wohnungsbau eine eigene Steuer, den Wohnbauförderbeitrag, der direkt vom Lohn abgezogen wird.
In Wien liegt diese Steuer bei 1,5 Prozent, Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich den Betrag. In geförderten Wohnungen darf laut Hanel-Torsch die Miete grundsätzlich nur so hoch sein, wie es zur Deckung der Kosten nötig ist. Das habe die Folge, dass die Mieten auch sinken – wenn nämlich die Kredite, die zum Bau des Hauses aufgenommen wurden, abbezahlt sind. Bei drei bis vier Euro pro Quadratmeter liege die Miete dann noch – auch in Wien.
Nicht nur für die "Ärmsten der Armen"
Einziehen sollen in die geförderten Wohnungen "nicht nur die Ärmsten der Armen", sagt die SPÖlerin. Ziel sei, dass sich die Stadtviertel durchmischen. Es gelte eine Einkommensgrenze von rund 61.000 Euro netto jährlich, wenn eine Person alleine in einer Wohnung lebt. Für München wären das über 100.000 Euro brutto.
Und noch etwas ist anders: Geförderte Wohnungen verlieren in Wien ihre Bindung in der Regel nicht, erklärt Hanel-Torsch (außer die Bewohner kaufen sie selbst). Auch das ist in München anders. Seit 2010 wurden in München laut SPD-Chef Köning zwar 14.000 Sozialwohnungen gebaut. Der Bestand sei aber trotzdem nicht gestiegen – weil ebenso viele wieder aus der Bindung gefallen sind.
"Jemanden aus Wien einzuladen, ist immer toll. Aber es gibt auch die Gefahr, dass man ziemlich frustriert zurückbleibt", meint SPD-Stadträtin Burger nach all diesen Erklärungen. Aber bloß jammern, bringt freilich nichts.
Einen Hebel, den die SPD sieht, ist die "Neue Wohngemeinnützigkeit", die noch die Ampel-Regierung beschlossen hat. Vereinfacht gesagt sollen soziale Vermieter bevorzugt behandelt werden dürfen.
So will die SPD sozialen Wohnungsbau-Unternehmen helfen
Die Münchner SPD will sozialen Wohnungsbau-Unternehmen nun konkrete Vorteile verschaffen. Dazu stellt sie drei Anträge.
Wenn die Stadt Flächen an Baugenossen in Erbpacht vergibt, sollen sie in den ersten Jahren keinen oder einen deutlich geringen Erbpachtzins zahlen, fordert die SPD. Außerdem soll die Stadt prüfen, ob sie für Genossenschaften Bürgschaften übernehmen kann, um so ihre Konditionen bei den Banken zu verbessern. Auch bei der Baustellen-Einrichtung und bei den Kosten für den Baustellen-Strom sollen soziale Unternehmen Erleichterungen kriegen.
Sibylle Stöhr von den Grünen begrüßt die Vorschläge der SPD: "Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen."
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