Sandra Bindler im Interview: "Das Ehrenamt fängt vieles auf"

Die Abendzeitung und die Münchner Bank eG setzen ihre gemeinsame Spendenaktion "Gutes vereint" fort. Vorstandsvorsitzende Sandra Bindler erklärt, weshalb das Projekt gut zu den Werten der Münchner Bank eG passt und welchen Stellenwert ehrenamtliches Engagement für die Gesellschaft hat.
Dominik Petzold |
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Die Vorstandsvorsitzende Sandra Bindler leitet die Münchner Bank eG seit 2014.
Die Vorstandsvorsitzende Sandra Bindler leitet die Münchner Bank eG seit 2014. © Münchner Bank

AZ: Frau Bindler, wie ist die Idee 2019 entstanden?

SANDRA BINDLER: Die Münchner Bank hat damals schon viel ehrenamtliches Engagement in der Spendenplattform "Viele schaffen mehr" gebündelt. Oft kann man mit 1.000 Euro oder 5.000 Euro viel Gutes tun, und das tun wir mit dieser Plattform. Da reicht die Bandbreite von Fußballtrikots für Bambinis bis zu traurigen Themen wie Kindertrauerbewältigung oder Palliativbetreuung. Viele Leute denken, bei solchen Themen sei alles vom Staat oder den Krankenkassen geregelt – aber in Wahrheit funktioniert das alles nur aufgrund des Ehrenamts. Bei einem Gespräch mit einer Mitarbeiterin der Abendzeitung sind wir damals zufällig auf das Thema gekommen – und sofort stand die Idee im Raum, dass die AZ der perfekte Partner wäre, denn sie hat eine riesige Reichweite in der Stadt.

Die gemeinsame Aktion "Gutes vereint" war zunächst nur für ein Jahr konzipiert, oder?

Wir haben gesagt, wir probieren es mal. Aber die Resonanz hat uns sofort überwältigt. Und besonders toll war die erste Spendenübergabe, wo die Projekte, die für uns zunächst nur auf dem Papier standen, plötzlich Realität geworden sind. Da lernte man die handelnden Personen und auch manche Betroffene kennen, und das war so berührend, dass wir gesagt haben: Das muss weitergehen.

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Dieses Jahr haben sich wieder 90 Vereine beworben, die für wichtige wohltätige Projekte auf Spenden angewiesen sind.

Die große Resonanz zeigt immer wieder, wie groß der Bedarf ist. Das Ehrenamt fängt vieles auf. Es gibt eine unglaublich große Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft.

Bei einer Jurysitzung haben Sie aus den 90 Projekten zwölf ausgewählt, und aus denen können die Leser gerade die vier Gewinner küren.

Wenn wir uns bei der Jurysitzung all diese Projekte anschauen, bin ich immer sehr bewegt. Zum Beispiel beim Thema Inklusion. Man denkt immer, Inklusion klappt inzwischen viel besser als früher. Aber wenn ich mir die Anzahl der eingereichten Projekte anschaue, glaube ich, das funktioniert nur so gut, weil sich so viele Ehrenamtliche dafür einsetzen. Und bei vielen Projekten merke ich: Ich habe noch nie darüber nachgedacht, dass da ein Bedarf oder Problem sein könnte. Ein Beispiel ist der letztjährige Gewinner FC Diabetes, der dafür kämpft, dass Kinder mit Diabetes kein eingeschränktes Leben führen müssen, sondern sich sportlich betätigen können. Oder das Gewinnerprojekt "Mütter für Mütter": Das hat einem vor Augen geführt, dass es Mütter gibt, die familiär so gefordert sind, dass sie absolut nie Freizeit oder Urlaub haben.

Sandra Bindler und AZ-Chefredakteur Michael Schilling mit Veronika Fürmann von der "Mütter für Mütter gUG".
Sandra Bindler und AZ-Chefredakteur Michael Schilling mit Veronika Fürmann von der "Mütter für Mütter gUG". © Bernd Wackerbauer

Lassen Sie uns auch über Ihr Kerngeschäft sprechen. Viele Menschen vergleichen Banken vor allem über die Konditionen. Nach welchen Kriterien sollte man entscheiden?

Es ist wie immer im Leben: Dinge müssen zu einem passen. Und deswegen gibt es auch verschiedene Arten von Banken. Wenn es jemandem nur darum geht, möglichst wenig zu bezahlen, ist er bei Neobrokern oder Digitalbanken gut aufgehoben. Natürlich haben wir bei der Münchner Bank auch moderne Produkte und Lösungen, sind digital und innovativ. Aber bei uns nimmt der Mensch eine riesengroße Rolle ein.

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Inwiefern?

Die Münchner Bank ist eine Genossenschaftsbank, der Gründungsgedanke lautet: Was einer nicht schafft, schaffen viele. Bei uns haben sich Menschen zusammengetan, um sich selbst ihre eigene Bank zu bauen. Sie gehört 60.000 Münchnerinnen und Münchnern. Wir vernetzen unsere Mitglieder, denn der eine hat etwas, der andere braucht etwas. Wir bringen sie zusammen. Und wir fördern Dinge, die in unserer Stadt wichtig sind. Wenn eines unserer Mitglieder in einem Verein ist, der Unterstützung braucht, kann er oder sie auf unserer Plattform "Viele schaffen mehr" das Projekt vorstellen und bekannt machen – und unsere Genossenschaft engagiert sich auch finanziell bei dem Projekt.

Haben Sie auch junge Mitglieder?

Sehr viele sogar! Natürlich gibt es manche, die gern die neueste Trading-App auf dem Handy haben, um mitreden zu können. Aber vielen ist es wichtig, mit Menschen über ihre finanziellen Fragen und Bedürfnisse zu sprechen. Und da sind sie bei uns gut aufgehoben.

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