Murano: Die Insel der Glaskünstler

Einst ein sehr streng gehütetes Geheimnis: die geheimnisvolle Kunst der Glasbläser in Murano. Früher waren die Künstler auf ihrer Insel nahezu gefangen.
| Ursula Angelika Küffner
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In Murano ist oft viel los auf den Wasserstraßen.
In Murano ist oft viel los auf den Wasserstraßen. © Ursula Angelika Küffner

Nachdenklich blickt Nicola aus ihrem Murano-Glas-Laden auf den fast leeren Markusplatz. Die Deutsche, die ursprünglich aus Bonn stammt, seit 20 Jahren in Mestre lebt und in Venedig arbeitet, hat eigentlich den schönsten Arbeitsplatz der Welt. Doch durch die Corona-Krise war lange alles geschlossen, auch jetzt fehlen die Touristen, vor allem aus Übersee. Die Mutter eines kleinen Sohnes ist froh, dass sie endlich wieder arbeiten darf und zeigt den Besuchern stolz die wunderschönen Glas-Kunstwerke in ihrem Geschäft.

Das berühmte Glas kommt von der Insel Murano nach Venedig. An die 300 Glaskünstler gibt es dort, die ihre Waren an die Läden in Venedig verkaufen. Die Glasherstellung in Venedig und Murano kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Schon im 13. Jahrhundert war venezianisches Glas ein Verkaufsschlager. Doch Glasbläsereien, die sich damals mitten in Venedig befanden, waren oft Ursache von Feuern in der Stadt, die auch auf Wohnhäuser übergriffen. Deshalb beschloss der Doge Pietro Gradenigo 1291, die gesamte venezianische Glasproduktion auf die Insel Murano zu verlagern. Die Angst, dass bei einem durch die Öfen der Glasbläser ausgelöstem Feuer die ganze Stadt abbrennen könnte, war einfach zu groß.

Glasbläsern drohte die Todesstrafe

Der Umzug der Glasbläser nach Murano hatte noch einen anderen Vorteil. Auf der abgeschotteten Insel hoffte man, die streng gehüteten Geheimnisse der venezianischen Herstellung von Glas bewahren zu können. Nur mit einer Sondergenehmigung durften Glasbläser Murano verlassen und bei Weitergabe ihrer Kunst drohte ihnen sogar die Todesstrafe. Durch den Reichtum, den die Glaskunst den Venezianern brachte, gab es viele Neider. Andere Länder schickten sogar Spione nach Venedig, um beispielsweise das Geheimnis der Spiegelherstellung zu ergründen. Auch heute noch werden die Geheimnisse der Glaskünstler streng gehütet.

Typisch Venedig: Gondeln prägen das Stadtbild.
Typisch Venedig: Gondeln prägen das Stadtbild. © Ursula Angelika Küffner

Heutzutage sind allerdings Besucher in den Glasfabriken von Murano willkommen. In Workshops haben diese sogar die Gelegenheit, eigene Glaskunstwerke zu produzieren. Die Glasfabriken sind nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Insel Murano. Über Jahrhunderte war Murano führend in der weltweiten Glasproduktion. Noch heute leben viele bekannte Glaskünstler auf der Insel. Die Technik zur Herstellung von echtem Muranoglas beherrschen nur die Glasbläser vor Ort. Auch deswegen ist Murano ein Magnet für Touristen, die einen gewissen Wohlstand auf die kleine Laguneninsel bringen.

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Sehenswert ist das Museo del Vetro im Palazzo Giustinian. Hier wird dem Besucher die tausendjährige Tradition der Glasbläserei auf Murano nahegebracht. Eine Oase der Ruhe ist die Kirche Santa Maria e San Donato, die mit einem wunderschönen Mosaikboden aufwarten kann und der Legende nach eine echte Kuriosität, die Knochen eines Drachen, beherbergen soll.

Hier verliebt sich jeder in die Stadt

Beim Bummeln über die Insel findet man entlang der Kanäle ein Glasgeschäft an dem anderen. Viele davon sind touristische Souvenirläden, die Glasobjekte, die in Serienproduktion hergestellt wurden, vertreiben. Doch auch diese sind hübsch anzusehen und auch für den kleineren Geldbeutel ist hier ein schönes Andenken dabei.

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Und in etwa 15 Minuten ist man mit dem Vaporetto zurück in Venedig. La Serenissima, die Perle der Adria, ist eine Stadt von unvergleichbarer Schönheit. Es ist unmöglich, sich nicht in sie zu verlieben. Hier warten grandiose Bauwerke, weltbekannte Baudenkmäler, berühmte Plätze und elegante Palazzi auf die Besucher und statt Autolärm hört man an den Kanälen nur das leise Plätschern der vorbeigleitenden Gondeln.

Allgemeine Informationen über Murano und Venedig

  • Lage: An der Adriaküste in der nördlichen Lagune von Venedig.
  • Anreise nach Murano: Fahrt nach Punta Sabbioni und dann mit dem Vaporetto nach Murano z. B. über Nürnberg, München, Salzburg, Villach, Udine, Bibione, Jesolo, Punta Sabbioni je nach Strecke: z. B. von Nürnberg aus ca. 740 km, Fahrzeit etwa 8 Stunden; von Punta Sabbioni mit dem Vaporetto nach Murano: Fahrzeit etwa 30 Minuten
  • Mautgebühren: Vignette Österreich für 10 Tage 9,50 Euro; Tauerntunnel Durchfahrt Hin- und Rückfahrt: 25,00 Euro, Maut in Italien bis Punta Sabbioni etwa einfach 15,00 Euro, Gesamtmaut für Hin- und Rückfahrt etwa: 64,50 Euro
  • Reisezeit: ganzjährig
  • Einwohnerzahl: Venedig: etwa 60.000 Einwohner; Murano: etwa 5.000 Einwohner
  • Hauptstadt der Region: Venedig
  • Ausflüge nach Venedig: Entfernung von Murano nach Venedig: ca. 15 Minuten mit dem Vaporetto
  • Venedig: Einwohner (insgesamt): 268.000; Einwohner der Ortsteile auf dem Festland (Mestre und Marghera): 180.000; Einwohner der Hauptinsel mit dem Altstadtzentrum Venedig: 58.000; Einwohner der anderen Laguneninseln: Lido, Pellestrina, Murano, Burano und Torcello: 30.000
  • Souvenirs: Murano-Glas, Balsamico, Wein, Olivenöl, Nudeln, Salami, Schinken, Kleidung, Keramik, Taschen, Schuhe – hier gibt es einfach alles!
  • Übernachten: Unterkunft am Strand, z. B. in Bibione: Eco Village Resort, Lino delle Fate, Via Lattea 1,  30028 Bibione (Venetien), ein Bungalowdorf in Bibione Spiaggia mit eigenem Strand und Sonnenliegen mit Schirme. Näher an Punta Sabbioni (Fähre nach Burano) wäre eine Unterkunft in Cavallino oder direkt in Punta Sabbioni.
  • Strand: Der Strand von Bibione ist mit seiner Länge von gut 8 km und einer Weite von bis zu 400 Metern einer der größten Strände Italiens.
  • Parken in italienischen Städten: In den Innenstädten der größeren Orte gibt es eine ZTL (Zona Traffico Limitato), in die man auf keinen Fall hineinfahren sollte. Sie ist videoüberwacht und der sündhaft teure Strafzettel wird praktischerweise auch nach Hause geschickt. Besser ist es, gleich außerhalb einen Parkplatz anzufahren und mit einem öffentlichen Verkehrsmittel in die Innenstadt zu fahren oder zu laufen.
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