Irische Zeitreise

Für eine Nacht Herzog sein oder mit den Iren feucht-fröhlich im Pub feiern? Ein Trip entlang der Ostküste der grünen Insel macht’s möglich
| Tobias Wolf
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Im Waterford Castle lässt es sich wie ein irischer Adeliger wohnen.
6 Im Waterford Castle lässt es sich wie ein irischer Adeliger wohnen.
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Eine Besichtigung des Curraghmore House führt in die Vergangenheit.
6 Eine Besichtigung des Curraghmore House führt in die Vergangenheit.
Der imposante Rock of Cashel ist ein irisches Wahrzeichen und beliebtes Fotomotiv.
6 Der imposante Rock of Cashel ist ein irisches Wahrzeichen und beliebtes Fotomotiv.
Ein Pub reiht sich an das nächste: In Irlands Hauptstadt Dublin pulsiert das Nachtleben.
6 Ein Pub reiht sich an das nächste: In Irlands Hauptstadt Dublin pulsiert das Nachtleben.
Die Jameson Whiskey Destillerie in Midleton
6 Die Jameson Whiskey Destillerie in Midleton

Bei der Europameisterschaft in Frankreich eroberten sie die Herzen der Fußball-Fans. Trinkfreudig, fröhlich, friedlich und singend sind sie in Erinnerung geblieben: die Iren. Doch wie sind Land und Leute in ihrer Heimat, auf der grünen Insel? Entlang der Ostküste Irlands, von Cork im Süden bis nach Dublin im Norden, bewegen sich Reisende zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Burgen, Schlössern und Pubs.

Taxifahrer Alan bestätigt die positiven Vorurteile. Der gut 1,70 Meter große irische Rotschopf ist ein freundlicher, redseliger Typ – auch wenn sein irischer Akzent schwer zu verstehen ist. Bei einem Thema wird er allerdings grantig. „Erst stimmen sie mit ja und jetzt wollen sie den Austritt doch nicht?“, schimpft er über das Brexit-Votum der britischen Nachbarn. Aber eigentlich könnten sich die Iren freuen. „Viele Firmen überlegen, ihren Sitz nach Irland zu verlegen. Das würde viele Arbeitsplätze für uns schaffen“, sagt er.

Weit in die Ferne rückt der politische Smalltalk bei der Besichtigung der unzähligen Burgen und Schlösser des Landes, das in etwa so groß ist wie Bayern – aber nur rund 4,5 Millionen Einwohner beherbergt.

Das Lismore Castle beispielsweise, gut eine Stunde von Irlands ältester Stadt Waterford entfernt, lässt den Besucher Jahrhunderte in die Vergangenheit reisen. Von außen schweift der Blick über das mächtige Gemäuer und die umliegenden saftig-grünen Wiesen und Hügel. Im Innern spendet ein imposanter Kamin Wärme. Die Wände sind mit prächtigen Tapeten verziert. Die Möbel prunkvoll, teilweise vergoldet.

Einst das Zuhause des Herzogs von Devonshire, ist das 1185 erbaute Schloss noch heute zeitweise vom irischen Adel bewohnt. Wer das nötige Kleingeld hat, kann das Anwesen für 56 000 Euro pro Woche mieten. Butler inklusive, versteht sich.

Etwas günstiger können Urlauber das Adeligen-Dasein im Waterford Castle erleben. Idyllisch und eingerahmt auf einer Insel gelegen ist das Schloss zu einem Hotel umfunktioniert worden.

Auf dem Weg gen Norden nach Dublin sind zwei weitere Relikte aus dem Mittelalter einen Abstecher Wert. Zum einen das Curraghmore House nahe Portlaw. Das Gutsherrenhaus aus dem 12. Jahrhundert ist umgeben von einer riesigen Gartenanlage. Zum anderen der Rock of Cashel, eine imposante Burg, die sich auf einem 65 Meter hohen Berg nahe der Stadt Cashel erhebt. Ab dem vierten Jahrhundert ist sie der Sitz von Königen. Irlands Nationalheld, der heilige St. Patrick, machte die Festung im 5. Jahrhundert zum Bischofssitz. Heute ist sie irisches Wahrzeichen.

In den Wohnzimmern der Iren – den Pubs – findet das Leben statt

Den Alltag der Iren heute erlebt man in ihren Wohnzimmern – den Pubs. Der nächtliche Abstecher ist ein Muss, besonders im pulsierenden Dublin, der Endstation der Ostküsten-Reise.

Auf der grünen Insel kennt jeder jeden – auch in der Hauptstadt, hat man den Eindruck. In den Pubs treffen Alt und Jung aufeinander. Feucht-fröhlich tanzen und singen sie bei (irischer) Live-Musik und dem ein oder (eher) anderen Pint Guinness. Wer sich als Deutscher oder gar Bayer outet, der hört nur ein Wort: „Beerfest“. Gemeint ist natürlich die Wiesn.

Der Humor der Iren ist unvergleichlich – und nichts für Zartbesaitete. „Hoffentlich besucht Erdogan niemals Irland. Er wäre nach nur fünf Minuten beleidigt“, scherzt John Kennedy, Reiseleiter aus Dublin. Aber auch über sich selber können die Iren lachen. Ein beliebter Witz lautet: „Wer tut was in wirtschaftlich schlechten Zeiten? Der Deutsche jammert, der Franzose streikt und der Ire wandert aus.“

Irland hat eine bewegte Auswanderungsgeschichte. Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten aufgrund einer Hungersnot knapp zwei Millionen Iren vor allem nach Nordamerika über. Und auch nach der Finanzkrise 2013 kehrten Hundertausende meist junge Menschen ihrer Insel den Rücken. Inzwischen ist die irische Wirtschaft im Aufschwung, die Auswanderer-Zahlen ebben ab. Aber immer dann, wenn ein großes Fußballfest ansteht, dürfen die Iren gerne ihre Koffer packen.

 

Anreise, Unterkunft, Sehenswertes: Reise-Infos für Irlands Ostküste

Anreise: Von München aus werden Cork und Dublin direkt angeflogen. Die meisten Flüge bietet Aer Lingus. Wer mit dem eigenen Pkw anreisen will (Achtung, Linksverkehr!) kann auch von Nordfrankreich aus mit der Fähre übersetzen.

Klima und Reisezeit: Bedingt durch den Golfstrom herrscht das ganze Jahr ein mildes Klima. Die Temperaturen steigen selten unter 0 oder über 25 Grad. Reisezeit ist von April bis Oktober, wobei es im Juli und August häufiger regnet. Mai und Juni sowie September und Oktober sind beständig.

Währung: Gezahlt wird mit dem Euro.

Kleidung: Zu empfehlen ist das „Zwiebel-Prinzip“, angefangen vom T-Shirt über Pullover bis zur wind- und wasserfesten Jacke.

Unterkunft: Von der Herberge bis zum Schloss gibt es alle Preisklassen. Im Waterford Castle  kostet eine Nacht im Doppelzimmer ab 150 €. Info: www.waterfordcastleresort.com

Sehenswertes: Neben den Schlössern ist die Besichtigung der Jameson Whiskey Destillerie in Midleton lohnenswert. Info: www.jamesonwhiskey.com

Weitere Infos: Tourismusamt: www.ireland.com, www.facebook.com entdeckeirland oder Telefon: 069 9231850

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