Geschenke-Zeit: So kaufen Sie online am cleversten

Das Internet lockt rund um die Uhr mit Einkaufsmöglichkeiten. Schnell ist der Warenkorb voll, wenige Tage später wird das Paket zugestellt. Was aber, wenn die Ware dann nicht gefällt?  
| Jörg Riehl
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen

Das Internet lockt rund um die Uhr mit Einkaufsmöglichkeiten. Schnell ist der Warenkorb voll, wenige Tage später wird das Paket zugestellt. Was aber, wenn die Ware dann doch nicht gefällt?

München – Nichts geht über den vorweihnachtlichen Einkaufsbummel: Eine Riesenauswahl im Laden, alles kann sofort anprobiert werden, (fast) jedes Produkt kann der Kunde erst einmal in die Hand nehmen und sich beraten lassen. Trotzdem bestellen viele Menschen Geschenke übers Internet. Was aber, wenn das Produkt in Realität ganz anders aussieht, als auf der Website des Anbieters dargestellt? Oder wenn ein Kleidungsstück schlicht nicht passt?

Viele Kunden kennen ihre Rechte und die Rückgabefristen gar nicht oder nur ungenau. Außerdem herrscht Unsicherheit: Was passiert mit meinen Daten? Fristen sind für Weihnachten besonders wichtig: Erst am 24. stellt sich heraus, ob mehrere die gleiche Geschenkidee hatten und das doppelte Buch oder die doppelte CD zurückgegeben werden muss. Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen zum Online-Kauf.

Lesen Sie hier: Weihnachten naht: Die kleine Einkaufsfibel

Welche Fristen gibt es?

Um Online-Käufern die Möglichkeit zu geben, Ware selbst zu prüfen oder anzuprobieren, wird ihnen Zeit gewährt: „Der Käufer hat 14 Tage Zeit, sein Widerrufs- oder Rückgaberecht auszuüben,“ erklärt Thorsten Meinecke von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Die Frist beginnt mit dem Erhalt der Ware. Nach einem jüngst erlassenen Urteil kann sich diese Frist sogar verlängern: „Erhält der Online-Kunde die Widerrufsbelehrung erst mit der Ware, verlängert sich die Widerrufsfrist.“

Die Platzhirsche im Online-Handel wie Amazon oder Otto sind rund um Weihnachten großzügig: „Sämtliche Artikel, die von Amazon zwischen dem 1. November und dem 31. Dezember 2013 versandt werden, können bis einschließlich 31. Januar 2014 zurückgegeben werden“, lautet das Versprechen. Ähnlich das Versprechen von Otto: Wer jetzt für Weihnachten bestellt, kann das Produkt bis zum 10. Januar zurückgeben. Bestellungen vom 10. bis 23. Dezember sind versandkostenfrei, eventuelle Retouren sind es bei Otto sowieso.

Zalando gewährt seinen Kunden generell über 100 Tage ein Rückgaberecht. Die Retouren sind kostenlos. Nicht alle Online-Händler bieten allerdings Sonderkonditionen, die über die gesetzlichen Anforderungen hinaus gehen. Wer also bei einem Geschenk unsicher ist, ob die Farbe gefällt, das Spiel zur Konsole passt oder es doppelt unter dem Baum liegen wird, sollte erst zwei Wochen vor Weihnachten bestellen.

Wer bezahlt das Porto?

Ab einem Warenwert von 40 Euro ist die Rücksendung für den Kunden von Gesetzes wegen portofrei. Diese Regelung wird erst im Juni 2014 aufgehoben. Einige Online-Händler bieten allerdings, wie bereits beschrieben, generell die kostenlose Rücksendung an. Das Rückgabe- oder Umtauschrecht im Einzelhandel vor Ort ist dagegen eine freiwillige Leistung des Händlers – manche gewähren es, manche nicht. Im Zweifelsfall sollten Kunden beim Shoppen einen Verkäufer fragen.

Was gilt für Kleidung und Schuhe?

Wenn die Jacke beult oder der Schuh drückt, kann man die Ware zwar wieder zurückschicken. Wer Schuhe aber tagelang probiert oder einen Pulli wäscht, um zu testen, ob er ausfärbt oder eingeht, begibt sich in eine rechtliche Grauzone: Hat der Händler in seinen AGBs die Rücknahme von Ware mit Gebrauchsspuren ausgeschlossen, kann er den Erstattungswert mindern, warnt die Stiftung Warentest.

Missbrauch ist trotzdem möglich: Wer sich beispielsweise für die Hochzeit einen Smoking kauft, kann ihn danach kostenlos zurückgeben, solange er keine Gebrauchsspuren aufweist.

Darf ich eine CD probehören?

Dafür muss man ihre Verpackung aufreißen, also „ihr Siegel brechen“. Damit verliert man bei CDs, DVDs, Software das Rückgaberecht. Die Ware soll ja nicht kopiert und wieder zurückgegeben werden.

Was passiert im Gewährleistungsfall?

Online wie im Kaufhaus gelten die gleichen Bedingungen: Gewährleistungsansprüche kann ein Kunde nur gegenüber dem Händler geltend machen, nicht gegenüber dem Hersteller. Dafür muss bereits beim Verkauf ein Mangel vorgelegen haben. Liegt der Kauf mehr als sechs Monate zurück, muss der Kunde beweisen, dass der Mangel bereits beim Kauf vorlag. Zwei Jahre nach Kauf erlischt die Gewährleistung des Händlers völlig.

Und die Herstellergarantie?

Im Gegensatz zur Gewährleistung ist die Garantie freiwillig und kann vom Hersteller oder vom Händler gegeben werden. Der Garantiegeber kann einen Kassenbon oder eine Originalverpackung zur Bedingung machen oder sie nur für bestimmte Teile geben. Oft werden Garantieansprüche über den Handel abgewickelt – deswegen vermischen sich die beiden Begriffe im Alltag oft.

Was passiert mit den Daten?

Die Deutschen sind da skeptisch: Nur jeder Zehnte möchte seine Daten für auf ihn zugeschnittene Werbung preisgeben. Doch zeigt die Erfahrung: Einmal online ein Geschenk für Kinder, Freunde oder Verwandte bestellt, wird der Kunde ein Leben lang mit Werbung für ähnliche Produkte verfolgt, selbst wenn er das ausdrücklich abgelehnt hat.

Die Programme speichern alles und werten es aus: Wie jemand auf die Shop-Seite gerät, was er ansieht, was er kauft. Die Händler optimieren damit ihre Werbung, Lagerbestände und Mitarbeiterplanung. Versandhauschef Michael Otto sieht es positiv: „Der Kunde freut sich, wenn er im Kaufentscheidungsprozess entlastet wird.“

Lesen Sie hier: Wie sicher ist Online-Banking? Bankkonto leergeräumt trotz Mtans

Was hilft gegen die Datensammelwut?

Das Europäische Parlament will den Datenschutz verbessern und erwägt eine Verpflichtung, Internetsurfer auf die Weiterverwendung ihrer Daten hinzuweisen – nicht gerade viel.

Ein Anfang wäre schon, nur die Pflichtfelder bei der Bestellung auszufüllen und auf Angaben zu Geburtsdatum oder Beruf zu verzichten. Wer aber sicher sein möchte, dass nichts über die eigenen Einkaufsgewohnheiten gespeichert wird, darf nicht im Netz, sondern muss vor Ort einkaufen, ohne Kundenkarte – und am besten bar bezahlen.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren