Weniger Kabeljau, mehr Makrele für deutsche Nordsee-Fischer

Viele Fischbestände in Nordsee und Atlantik sind in beklagenswertem Zustand. Die EU-Fischereiminister begrenzen nun den Fang. Doch nicht immer geht der Schutz so weit, wie Wissenschaftler es für nötig halten.
| dpa
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Ein Fischerboot auf der Nordsee vor Sylt.
Axel Heimken/dpa/dpa Ein Fischerboot auf der Nordsee vor Sylt.

Brüssel/Hamburg - Bei Kabeljau und Seelachs müssen deutsche Nordsee-Fischer kommendes Jahr mit deutlich kleineren Fangmengen auskommen.

Die EU-Fischereiminister einigten sich in Brüssel über die Fangquoten in Nordsee und Nordostatlantik für 2020. Bei anderen wichtigen Arten wie Makrele und Schellfisch ist hingegen ein deutliches Plus vorgesehen.

Die EU-Kommission sieht mit der Einigung Nachhaltigkeitsziele erreicht. Auch die deutschen Fischer und die Bundesregierung sind zufrieden. Umweltschützer kritisieren dagegen, die Bestände würden weiter überfischt.

Bei dem beliebten Speisefisch Kabeljau ist eine Reduzierung der erlaubten Fangmenge um 50 Prozent vorgesehen. Auf Deutschland kommen dann noch rund 1600 Tonnen. Beim Seelachs ist ein Minus von 15 Prozent geplant (rund 8300 Tonnen). Der Makrelen-Fang kann deutlich um 41 Prozent ausgeweitet werden mit 23.400 Tonnen für Deutschland.

"Die deutsche Fischerei wird mit diesen Quoten gut leben können", sagte Sprecher Claus Ubl vom Deutschen Fischerei-Verband in Hamburg. Der Rückgang beim Seelachs werde den Betrieben zwar weh tun. "Aber das ist die natürliche Schwankung, damit muss man als Fischer leben." Beim Hering ändert sich die Fangmenge von rund 39 400 Tonnen nicht.

Die EU-Staaten legen jedes Jahr die zulässigen Gesamtfangmengen für die Nordsee und den Nordostatlantik fest. Auf dieser Basis entfallen auf die einzelnen Länder durch festgeschriebene Verteilungsschlüssel die jeweils nationalen Fangmengen.

Die EU-Kommission schlägt die Quoten in der Regel auf der Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen vor. Dann geht es in Verhandlungen darum, die Interessen der Fischfangindustrie gegen Umweltbelange abzuwägen und den Fortbestand der Fischarten zu sichern. Die Fangquoten gelten jeweils für ein Jahr.

Umkämpft war die Entscheidung zum Kabeljau. Auf deutschen Tellern lande meist Kabeljau aus einem ungefährdeten Bestand in der polaren Barentssee, sagte Ubl. Die geringe Fangmenge von 1600 Tonnen sei für die deutschen Fischer kein Problem, weil Kabeljau in der Nordsee eher Beifang sei.

Dort ist die Population vor einigen Jahren fast zusammengebrochen und erholt sich nur langsam. Das zuständige wissenschaftliche Gremium, der Rat für Internationale Meeresforschung (ICES), empfahl deshalb, den Fang um 61 Prozent zu reduzieren.

Die EU stimmt sich aber für die Nordsee mit dem Nicht-Mitglied Norwegen ab, das den Kabeljau-Fang nur um 30 Prozent vermindern wollte. Schließlich trafen Brüssel und Oslo einen politischen Kompromiss: 50 Prozent weniger. Dem Kabeljau solle dafür mit anderen Schutzmaßnahmen wie Laichschutzzonen geholfen werden.

Stella Nemecky von der Naturschutzorganisation WWF kritisierte allerdings: "Dem Bestand ging es erst seit Kurzem endlich wieder besser - nach einem Bestandszusammenbruch Mitte der 2000er und vielen Jahren Erholungsplan." Doch zu früh angehobene Fangmengen zeigten traurige Wirkung.

"Die EU ist wieder nicht den wissenschaftlichen Empfehlungen gefolgt", sagte die Expertin Katja Hockun von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Gerade im Beifang von Kabeljau sieht sie ein Problem.

Beim Schleppfang auf Fischarten wie Scholle gerate viel mehr Kabeljau ins Netz, als hinterher angelandet werde. Ein großer Teil werde trotz Verbots wieder ins Meer geworfen. "Das sind enorme Mengen", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Solch illegalen Rückwürfe würden aber kaum kontrolliert.

"Die Flotten werden kommendes Jahr auf einem Level fischen, das die Erholung der Bestände nicht verhindern wird", sagte der neue EU-Fischereikommissar Virginijus Sinkevicius. Die Fangmöglichkeiten für die deutschen Fischer seien "insgesamt zufriedenstellend", sagte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU). Für 2020 ist auch vorgesehen, die Obergrenze für Scholle um 3 Prozent zu reduzieren. Beim Schellfisch ist dagegen ein Plus von 23 Prozent geplant.

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