Vor allem Kleinwagen: E-Autos werden unerschwinglich für Geringverdiener

VW-Aufsichtsratschef Pötsch warnt, dass Kleinwagen durch den Umstieg auf den Elektromotor erheblich teurer werden.
| Julia Sextl
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Hans Dieter Pötsch spricht bei einer Pressekonferenz im Volkswagen Werk.
Julian Stratenschulte/dpa Hans Dieter Pötsch spricht bei einer Pressekonferenz im Volkswagen Werk.

Wolfsburg/Berlin – Die Frage, ob sich Menschen mit niedrigem Einkommen noch ein eigenes Auto leisten können, werde bald "ein Thema werden". Mit dieser Aussage sorgte VW-Aufsichts- ratschef

Hans Dieter Pötsch am Wochenende für Aufruhr. Mit dem ursprünglichen "Volkswagen", der auch für Kleinverdiener erschwinglich sein sollte, könnte es dann endgültig vorbei sein.

"Wir haben das klare Ziel, die Elektromobilität auch für breite Bevölkerungsschichten zugänglich, das heißt erschwinglich zu machen." Dies werde bei Einstiegsfahrzeuge aber zweifellos schwierig, sagte Pötsch der "Welt am Sonntag".

EU-Vorgaben ehöhen Druck auf Autobauer, mehr E-Autos zu produzieren

Grund seien die Folgen der strengeren CO2-Grenzwerte für Neuwagen in der EU. Die EU-Institutionen hatten im Dezember festgelegt, dass bis 2030 der Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) von Neuwagen um 37,5 Prozent sinken soll.

Das bedeutet, dass Autos dann im Durchschnitt nur noch 60 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer ausstoßen dürften. Und das ist laut Pötsch selbst mit den allerbesten Verbrennungsmotoren nicht möglich.

Im Fall von VW würde diese Vorgabe einen Anteil von etwa 40 Prozent an Elektroautos ab 2030 bedeuten. Das heutige Preisniveau sei dann jedoch nicht mehr zu halten, so Pötsch zur "Welt am Sonntag".

Hans Dieter Pötsch spricht bei einer Pressekonferenz im Volkswagen Werk.
Hans Dieter Pötsch spricht bei einer Pressekonferenz im Volkswagen Werk. © Julian Stratenschulte/dpa

Sein Vorwurf: Diese soziale Frage der individuellen Mobilität sei von EU-Parlament und EU-Rat nicht weiter diskutiert worden. Die EU-Kommission habe auf diese Entwicklung frühzeitig hingewiesen. Dennoch sieht Pötsch keine Alternative zum Elektroauto.

Ein Elektro-VW kostet ab 30.000 Euro

Der erste als reiner Elektro-Pkw entworfene VW, das Modell I.D., werde ab 30.000 Euro erhältlich sein, kündigte Pötsch an. Dabei müssten die Kunden aber einige Abstriche hinnehmen. So liege die Reichweite vieler Elektroautos derzeit nur zwischen 300 und 400 Kilometern – deutlich weniger als bei Benzinern oder Dieseln.

In der vergangenen Woche hatte bereits VW-Vertriebschef Christian Dahlheim vor zunehmenden Autopreisen wegen verschärfter Grenzwerte für den CO2-Ausstoß gewarnt. Er sprach von Steigerungen der Materialkosten in einer Größenordnung von durchschnittlich bis zu 3.000 Euro je Fahrzeug. Dies dürfte dann auch auf die Preise im Autohandel durchschlagen. Volkswagen werde massiv in den Bau von Antriebsbatterien investieren, sagte der Aufsichtsratschef. Bisher unterhält der Konzern auch eine Pilotanlage zur Zellfertigung.

Verkehrsminister Scheuer gegen Tempolimits auf Autobahnen

Indessen hat sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zu den Überlegungen der Regierungskommission über die Zukunft der Mobilität geäußert. Die Vorschläge eines Tempolimits bei 130 Stundenkilometern auf Autobahnen und zu höheren Dieselsteuern hat er strikt zurückgewiesen. Sie seien "gegen jeden Menschenverstand" gerichtet, sagte Scheuer am Samstag.

Das Gremium aus Vertretern unter anderem der IG Metall, des ADAC, des Industrieverbands BDI, des Autoverbands VDA, von VW, Bahn, Städtetag und Umweltverbänden wie Nabu oder BUND wurde von der Bundesregierung eingesetzt vor dem Hintergrund, dass der Verkehrssektor festgelegte Ziele für das Einsparen von CO2 zu verfehlen droht.

Scheuer teilte danach mit: "Einige Gedankenspiele in einer Unterarbeitsgruppe einer ressortübergreifenden Kommission mit externen Experten zeigen fehlendes Gespür oder sind pure Absicht." Einige Lobbyisten wollten ihre "immer wieder aufgewärmte Agenda" durchdrücken. "Forderungen, die Zorn, Verärgerung, Belastungen auslösen oder unseren Wohlstand gefährden, werden nicht Realität und lehne ich ab", so Scheuer.

Auch für den Daimler-Konzern wird es diese Woche noch ungemütlich. Nachdem der Autohersteller letzte Woche in drei Fällen zu Schadenersatz-Zahlungen verurteilt wurde und nun viele Folgeklagen zu erwarten hat (AZ berichtete), geht es am Freitag wieder vor Gericht: Verhandelt wird die Musterfeststellungsklage gegen die Mercedes-Benz-Bank, der sich rund 600 Autobesitzer angeschlossen haben. Sie wollen ihre kreditfinanzierten Fahrzeuge zurückgeben.

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