Über Pfingsten! - Lokführer streiken erneut

Streikrunde Nummer Neun! Über Pfingsten wollen die Lokführer die Deutsche Bahn noch länger lahmlegen als beim letzten Mal. Los geht's am Dienstag. In München greift der bewährte Ersatzfahrplan.
| dpa/az
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GDL-Chef Claus Weselsky hat erneut zum Lokführerstreik aufgefrufen. Es ist bereits der neunte binnen zehn Monaten.
dpa GDL-Chef Claus Weselsky hat erneut zum Lokführerstreik aufgefrufen. Es ist bereits der neunte binnen zehn Monaten.

Berlin/München - Nach dem Streik ist vor dem Streik: Bahnkunden müssen sich an den Pfingstfeiertagen auf erneute Lokführerstreiks bei der Deutschen Bahn einrichten. Die Gewerkschaft GDL kündigte am Montag die mittlerweile neunte Streikwelle in dem Tarifkonflikt an.

Der Ausstand mit offenem Ende soll um 2 Uhr in der Nacht zum Mittwoch im kompletten Personenverkehr beginnen. Bereits an diesem Dienstag um 15 Uhr legen die Lokführer im Güterverkehr die Arbeit nieder.

Von dem Streik betroffen ist wie immer auch die Münchner S-Bahn. Offenbar will die Bahn wieder nach dem bewährten Ersatzfahrplan vom letzten Streik fahren.

Das heißt: Mindestens einmal die Stunde fährt ein Zug auf allen S-Bahnlinien, auf der S 8 zwischen Pasing und Flughafen sogar alle 20 Minuten. Die S 1 indes fährt wohl nur bis Freising und nicht weiter bis zum Flughafen.

Derzeit arbeiten die Planer und Disponenten mit Hochdruck an der Erstellung eines Ersatzfahrplans für den Regional- und Fernverkehr, heißt es von Seiten der Bahn. Spätestens am Dienstagnachmittag soll der genaue Ersatzfahrplan veröffentlicht werden. Bahnkunden können dann unter www.bahn.de sowie telefonisch unter 08000/99 66 33 informieren.

Vom Streik nicht betroffen sind Zugreisende und Pendler, die mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), dem Meridian und dem Alex unterwegs sind. Auch die Münchner U- und Trambahnen werden nicht bestreikt und fahren regulär.

 

 

Lokführer streiken über Pfingsten!

 

Das angeblich bereits feststehende Streikende will die Gewerkschaft anders als bei den vorhergehenden Streikrunden erst 48 Stunden vorher nennen. Ein unbefristeter Streik sei das daher nicht, erklärte GDL-Chef Claus Weselsky. Der Streik werde "etwas länger" dauern als die vorangegangene Streikrunde, sagte der Gewerkschafter in Berlin. Damit sind auch die Pfingsttage betroffen.

Erst am 10. Mai war ein fast sechstägiger Ausstand im Personenverkehr zu Ende gegangen. Es war der bisher längste Streik in der 21-jährigen Geschichte der Deutschen Bahn AG. Nach erneut gescheiterten Gesprächen vom Wochenende hatte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber von der GDL einen Streikverzicht verlangt. Nur eine Schlichtung über alle strittigen Fragen könne jetzt noch weiterhelfen.

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Der Versuch einer Annäherung beider Seiten war am Wochenende gescheitert. Vertrauliche Gespräche wurden am Samstagabend beendet und nicht wie geplant am Sonntag fortgesetzt. Die Tarifparteien wiesen sich dafür gegenseitig die Schuld zu. "Wir sind lange genug verschaukelt worden", erklärte Weselsky. Deshalb werde nun "die nächste Eskalationsstufe" gestartet.

 

GDL beschuldigt Deutsche Bahn

 

Die Verantwortung trage die Bahn, die in den Gesprächen bewiesen habe, dass in den Verhandlungen keinerlei Ergebnisse erzielt werden sollten, erklärte die GDL. Vielmehr solle der Tarifabschluss bis zum Inkrafttreten des Tarifeinheitsgesetzes verschleppt werden.

Lesen Sie hier: Darum werden sich Bahn und GDL nicht einig

Das wird voraussichtlich Anfang Juli geschehen. Dem Gesetzentwurf zufolge soll künftig in einem Betrieb nur noch der Tarifvertrag der jeweils größeren Gewerkschaft gelten. Streiks einer kleineren Gewerkschaft wie der GDL für einen eigenen Abschluss wären dann möglicherweise nicht verhältnismäßig und illegal. Weber sagte, die GDL sei ein wichtiger Partner, "daran wird auch ein Gesetz nichts ändern".

Ein Hauptstreitpunkt war zuletzt ein eigenständiges GDL-Tarifwerk für die rund 3000 Lokrangierführer bei der Bahn.

Die Bahn will unterschiedliche Tarifverträge für ein und dieselbe Berufsgruppe vermeiden. Die GDL strebt zunächst eine Einigung über die künftige Tarifstruktur an und will erst danach in einer Schlichtung über Geld, Arbeitszeit und Überstundenbegrenzung sprechen. Sie verfolgt deutlich andere Ziele als die größere EVG.

Unabhängig vom Streit mit der GDL will die Bahn "versuchen, am Donnerstag mit der EVG zu einem Abschluss zu kommen", wie Weber sagte. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) dringt auf einen Tarifabschluss für ihre rund 100 000 Mitglieder bei der Bahn an diesem Tag. Für den Fall einer Nichteinigung hat sie ebenfalls mit Streik gedroht. Sie fordert sechs Prozent Einkommenszuwachs, mindestens jedoch 150 Euro pro Monat. Arbeitszeitverkürzungen und Überstundenregelungen wie bei der GDL sind für die EVG keine aktuellen Themen.

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