Schafft eure Autos ab!

Das fordert ausgerechnet BMW. Der Autokonzern setzt in den Städten auf Alternativen zu den eigenen vier Rädern und will die Menschen überzeugen.
| Ralf Müller
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Drive-Now baut seine E-Flotte aus: 30 dieser BMW i3 können jetzt in München ausgeliehen werden.
BMW Drive-Now baut seine E-Flotte aus: 30 dieser BMW i3 können jetzt in München ausgeliehen werden.

München - Sind die bei BMW verrückt geworden? Das vom Münchner Autohersteller vor einigen Monaten gegründete „Kompetenzzentrum Urbane Mobilität“ hat tatsächlich vor, Autobesitzern in Ballungsräumen die eigenen vier Räder auszureden. Stattdessen sollen ihnen Car-Sharing-Autos vor die Tür gestellt werden, vorzugsweise solche der BMW- und Sixt-Tochter DriveNow – und vorzugsweise elektrisch.

Das „Kompetenzzentrum Urbane Mobilität“ ist eine von vielen BMW-Denkfabriken, aber ein besonderer. Hier macht man sich über die Zukunft der individuellen Mobilität Gedanken. Und die sieht man, sollte sich nichts Grundlegendes ändern, bedroht: Immer mehr Menschen ziehen in die Städte und stellen dort ihre Autos auf die Straße.

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Die Folge: Immer mehr Blech überdeckt öffentliche Räume, die man besser für anderes verwenden könnte. Und immer mehr Autos sind sinn-, aber nicht emissionslos auf der Suche nach Parkplätzen unterwegs.

Die Hälfte der Autos bewegt sich tagsüber nicht

Der „Paradigmenwechsel“ weg vom individuellen Auto zum mobilen Car-Sharing bis zum Leih-Elektrobike in den Großstädten wird kommen, glaubt Kompetenzzentrum-Leiter Carl Friedrich Eckardt. Die Frage ist nur, ob sich die Autohersteller davon überraschen lassen oder dabei sind.

BMW will auf jeden Fall dabei sein, auch Daimler und Volkswagen mit ihren jeweiligen Car-Sharing-Angeboten. Schon jetzt verlieren immer mehr gebildete junge Leute in den Großstädten das Interesse am „eigenen“ Auto und investieren in Dinge, die sie für wichtiger halten. BMW lässt seinen Zukunftsgestaltern sogar die Freiheit, das eigene Auto madig zu machen – jedenfalls unter bestimmten Umständen.

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In den Großstädten gebe es viele, die vom eigenen Auto nur ganz selten Gebrauch machen – das zeigen Erhebungen. Ein in Deutschland zugelassener Wagen ist im Schnitt neun Jahre alt und wird eine Stunde am Tag genutzt. Über 50 Prozent der Autos, die in deutschen Großstädten geparkt sind, bewegen sich am Tag überhaupt nicht von der Stelle. Das ist weder ökologisch noch ökonomisch. Die vom ruhenden Verkehr blockierten und vom Parksuchverkehr in Anspruch genommenen Flächen könnte man für Schöneres verwenden, meint das BMW-Kompetenzzentrum. Zum Beispiel für Grünflächen, Ruhezonen und reservierte Car-Sharing-Parkplätze mit Strom-Ladesäulen. In ausgesuchten Stadtvierteln der größten deutschen Städte will man daher Besitzer kaum genutzter Autos davon überzeugen, zugunsten flexibler Mobilität den Weg zum Gebrauchtwagenhändler anzutreten. Keine Probleme mehr mit Reparaturen, TÜV, Kundendienst, Parkkosten und -plätzen, lockt Eckardt.

Dass BMW dadurch womöglich ein paar Kunden für Neufahrzeuge aktiv abwimmelt, nimmt man in Kauf. Auf der anderen Seite könne man mit Serviceleistungen an intensiver genutzten Fahrzeugen auch wieder mehr verdienen, rechnet Bernhard Blättel, Leiter Mobilitätsdienstleistungen bei BMW, vor.

Und dann sagt Blättel auch noch einen Satz, der früher in der Geburtsstätte der „Freude am Fahren“ schwer unaussprechbar gewesen wäre: „Das beste Auto nutzt nichts, wenn es nicht als Teil der Mobilitätslösung gesehen wird und nicht mehr über soziale Akzeptanz verfügt.“

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Gestern wurde in Berlin der Startschuss zur weiteren Elektrifizierung der Car-Sharing-Flotte gegeben. In München und Hamburg sind ab sofort je 30, in Berlin 40 rein elektrisch betriebene BMW i3 Bestandteil der DriveNow-Flotte. In München hofft man auf weiteren Rückenwind für das moderne Mobilitätskonzept, wenn das Kreisverwaltungsreferat im Herbst eine Untersuchung über die Wirkung des Car-Sharing vorlegt. Nach allem, was man höre, seien die Ergebnisse ermutigend, so BMW. Soll heißen: Weniger Blech auf Münchner Straßen.

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