Berater: Teurer Wohnraum bremst Wirtschaftswachstum

Wer für einen Job umzieht, muss oft höhere Mieten stemmen oder findet gar keine Wohnung. Das schreckt Verbraucher ab. Berater von Wirtschaftsministerin Reiche sehen darin eine Wachstumsbremse.
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Hohe Wohnkosten dämpfen nach Einschätzung von Ökonomen die Wirtschaft -  auch weil sie die Jobpläne von Verbrauchern ausbremsen (Archivbild)
Hohe Wohnkosten dämpfen nach Einschätzung von Ökonomen die Wirtschaft - auch weil sie die Jobpläne von Verbrauchern ausbremsen (Archivbild) © Patrick Pleul/dpa
Berlin

Der Mangel an Wohnraum bremst nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium das Wachstum in Deutschland. Das geht aus einem Gutachten von Ökonomen hervor, die das Ressort von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) beraten. "Hohe Wohnkosten belasten die Haushalte und erschweren den Wechsel an einen produktiveren Arbeitsplatz", heißt es. "Damit wird Wohnungsknappheit zu einem Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands."

Wenn Menschen einen besser bezahlten Arbeitsplatz nicht annehmen könnten, weil sie vor Ort keine bezahlbare Wohnung finden, gingen Chancen für die gesamte Volkswirtschaft verloren, sagte Felix Bierbrauer, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats. "Mehr Wohnraum in Wachstumsregionen zu schaffen, ist deshalb eine zentrale Aufgabe der Wirtschaftspolitik."

Teures Wohnen: Umzüge lohnen sich für Beschäftigte nicht 

Die Wanderung von Menschen in Deutschland orientiere sich immer weniger an regionalen Lohnvorteilen, so das Gutachten. Zugleich schlagen sich demnach Lohnzuwächse zunehmend in höheren Wohnungspreisen nieder. "Wer für einen Job umzieht, hat kaum mehr Geld in der Tasche", sagte Bierbrauer mit Blick auf steigende Neuvertragsmieten. Der Umzug von einer Niedrig- in eine Hochlohnregion verliere an Attraktivität.

Der Beirat schlägt unter anderem vor, Anreize für Kommunen zu erhöhen, mehr Bauland auszuweisen. Bisher gebe es Fehlanreize, weil die Kommunen dabei erhebliche Folgekosten wie zusätzliche Schulen, Kitas, Sporteinrichtungen und Verkehrsverbindungen trügen, während Bodenwertgewinne oft an private Eigentümer gingen. Um das zu ändern, will der Beirat Eigentümer und Bauherren stärker an den Kosten beteiligen in Form einer "erweiterten Infrastrukturkostenumlage" oder eines Planungswertausgleichs.

Neue Umlage auch für Eigentümer?

"Wer durch zusätzliches Baurecht einen höheren Grundstückswert erhält, sollte stärker zur Finanzierung der benötigten Infrastruktur beitragen - auch über das unmittelbare Entwicklungsgebiet hinaus", sagte Christian Bayer, federführender Autor des Gutachtens. Die Zugezogenen nutzten ja auch Infrastruktur mit: "Seien es Sportplätze, Schwimmbäder, Theater oder weiterführende Schulen."

Zudem sollten ältere Bebauungspläne zugunsten von Nachverdichtungen pauschal mehr Geschossfläche zulassen. Auch in bestehenden Siedlungen sollten maßvolle Erweiterungen leichter möglich werden. "So müsste zusätzlicher Wohnraum nicht in jedem Einzelfall neu gegen lokale Widerstände durchgesetzt werden." Zudem bringt der Beirat steuerliche Erleichterungen bei beruflich veranlassten Umzügen ins Spiel.

In Deutschland fehlen geschätzt mehr als eine Million Wohnungen. Nach einer Analyse des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung werden bis 2030 rund 320.000 neue Wohnungen jährlich benötigt. 2027 und 2028 werde die Zahl der Fertigstellungen aber jeweils unter 200.000 liegen, prognostiziert das Ifo-Institut. Der Wohnungsbau in Deutschland stockt sei Jahren, weil die Zinsen und Baukosten stark angezogen haben. 

"Die Investitionsschwäche in Deutschland ist vor allem eine Bauschwäche", sagte Bayer. Zugleich mache die Wohnungsmiete bei einem durchschnittlichen Haushalt fast 30 Prozent aller Konsumausgaben aus, 2003 seien es weniger als 24 Prozent gewesen.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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