Prozess gegen Manager kommt in Fahrt

Im Strafprozess gegen den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, und mehrere Ex-Manager des Geldhauses um versuchten Prozessbetrug im Fall Kirch haben die Richter die Angeklagten erstmals detailliert zu den Vorwürfen befragt.
| dpa
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Fitschen beantwortete keine Fragen. Foto: Sven Hoppe
dpa Fitschen beantwortete keine Fragen. Foto: Sven Hoppe

München – Im Mittelpunkt standen zunächst Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck und Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig. Fitschen war noch nicht an der Reihe. Für ihn war der vierte Verhandlungstag in dem Mammutprozess vor dem Landgericht München der erste öffentliche Auftritt nach seiner Rücktrittsankündigung am Sonntag. Auf dem Weg in den Gerichtssaal äußerte er sich aber nicht dazu und ging Fragen aus dem Weg.

Fitschen steht seit Ende April zusammen mit seinen Vorgängern Josef Ackermann, Rolf Breuer, sowie Heydebreck und Börsig vor Gericht. Alle fünf sollen vor vier Jahren im Zivilprozess um Schadenersatzforderungen für die Pleite der Kirch-Gruppe Richter durch Falschaussagen getäuscht haben. Die Angeklagten hatten diese Vorwürfe zurückgewiesen.

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Heydebreck räumte auf Fragen der Richter aber ein, dass er die Aussage aus heutiger Sicht nicht noch einmal in der Form wiederholen würde. Er habe sei damals nervös gewesen und habe keinen juristischen Beistand gehabt. "Ich war da ganz allein." Er habe aber nicht bewusst falsch ausgesagt.

Der Vorsitzende Richter Peter Noll zeigte sich erstaunt: Für ihn klinge das so, wie das Eingeständnis einer Falschaussage. "Jetzt stell ich mal als kleiner Strafrichter die dumme Frage: War das nicht ein Geständnis?" Ob dies absichtlich geschehen sei oder nicht, stehe auf einem anderen Blatt. In der Aussage ging es im Kern um die Frage, ob die Deutsche Bank im Jahr 2002 auf dem Höhepunkt der Kirch-Krise Interesse an einem Beratungsmandat von der Medien-Gruppe gehabt habe.

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Aus Sicht von Heydebreck waren Geschäftsbeziehungen mit Kirch aber stets problematisch. "Für mich stand immer fest: Mit Kirch macht man kein Geschäft", sagte er den Richtern. Trotzdem hielt er es für einen Fehler, als der damalige Bankchef Breuer in einem Interview öffentlich die Kreditwürdigkeit Kirchs in Frage stellte.

Als er das Breuer-Interview im Frühjahr 2002 im Fernsehen sah, habe er gleich gewusst, dass die Äußerung ein Fehler war, sagte Heydebreck. "Ich hab "Scheiße" gesagt zu mir selbst, weil ich spürte, dass dieser Lapsus rechtlich gefährlich ist." Auch Börsig nannte die Äußerung "ungeschickt."

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Wenige Monate nach dem Interview meldete die Kirch-Gruppe Insolvenz an. Leo Kirch machte bis zu seinem Tod Breuer und die Deutsche Bank für die Pleite verantwortlich und forderte Schadenersatz in Milliardenhöhe. In einem Vergleich einigten sich die Kirch-Erben mit der Deutschen Bank letztlich auf die Zahlung von 925 Millionen Euro.

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