Paukenschlag: GM will Opel behalten

Dramatische Wende im Poker um Opel: Der US-Autobauer General Motors (GM) will Opel nun offenbar doch nicht verkaufen. Große Sorge um die Arbeitsplätze
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Die Zentrale von General Motors
dpa Die Zentrale von General Motors

DETROIT - Dramatische Wende im Poker um Opel: Der US-Autobauer General Motors (GM) will Opel nun offenbar doch nicht verkaufen. Große Sorge um die Arbeitsplätze

Paukenschlag im Poker um Opel: Der US-Autobauer General Motors (GM) will Opel nun doch nicht verkaufen. Das hat der GM-Verwaltungsrat gestern am späten Abend in Detroit beschlossen. Noch im September hatte das Gremium noch den Verkauf von 55 Prozent der Opel-Anteile an den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna und dessen Partner Sberbank empfohlen.

In den vergangenen Wochen waren jedoch bei wichtigen Akteuren Zweifel aufgekommen, ob der GM-Konzern immer noch verkaufen oder doch in Eigenregie sanieren will. Auslöser waren Bedenken der EU-Kommission wegen der von der Bundesregierung versprochenen 4,5 Milliarden Euro Staatshilfe.

Knackpunkt waren Bedenken der Brüsseler Wettbewerbshüter

Die Brüsseler Wettbewerbshüter müssen solche staatlichen Beihilfen genehmigen. Die Zahlung darf aber nicht davon abhängig gemacht werden, dass ein bestimmter Bieter den Zuschlag erhält. Genau daran gebe es aber „erhebliche Zweifel“, hatte Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes damals gemahnt. Offenbar hat genau dieser Knackpunkt General Motors jetzt zu der überraschenden Entscheidung bewegt.

Dabei hatten sich Manager von Opel und Magna sowie der Betriebsrat bis zuletzt zuversichtlich gezeigt, dass der Verwaltungsrat dem Verkauf zustimmt. Auch GM selbst hatte mehrfach betont, dass daran nicht gerüttelt werde.

"Ich bin betroffen und verärgert", sagt Roland Koch (CDU)

Für die Bundesregierung ist das ein harter Brocken: Die monatelangen Bemühungen um Opel waren umsonst. Für die deutschlandweit 25 000 Opelaner ist jetzt völlig unklar, wie es mit ihren Arbeitsplätzen weitergeht. Besorgt zeigte sich gestern Abend Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU): „Angesichts der negativen Erfahrungen der letzten Jahre mit der Unternehmenspolitik von GM mache ich mir große Sorgen um die Zukunft des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze“, sagte er. Er sei „sehr betroffen und verärgert“ über die Entscheidung von General Motors. Er erwarte, dass GM den von Deutschland gewährten Brückenkredit fristgemäß bis zum 30. November zurückzahle, „damit der deutsche Steuerzahler keinen Schaden nimmt“.

Besonders bitter: Kurz vor der GM-Entscheidung hatte die Opel-Belegschaft einem Sparplan zugestimmt, demzufolge sie jährlich auf 265 Millionen Euro verzichtet hätte – um Opel zu retten und den Weg frei für eine Übernahme durch Magna zu machen.

Der Opel-Krimi tobt bereits seit März

Über ein halbes Jahr tobt der Opel-Krimi bereits: Im März hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel Opel Staatshilfen versprochen, seitdem buhlten neben Magna noch Fiat, der US-Investor RHJI und der chinesische Autobauer BAIC um den Konzern. Im Mai verkündete die Bundesregierung die Einigung mit Magna, unterstützt durch einen 1,5 Milliarden Euro Überbrückungskredit. GM will Opel und seine britische Tochter Vauxhall jetzt in Eigenregie restrukturieren, hieß es aus dem Verwaltungsrat.

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