Ostsee-Pipeline nach Westeuropa eröffnet

Merkel und Medwedew weihen ein: Erstmals strömt russisches Erdgas durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream direkt nach Deutschland und Westeuropa.
| dpa
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Merkel und Medwedew weihen ein: Erstmals strömt russisches Erdgas durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream direkt nach Deutschland und Westeuropa.

Lubmin - Symbolisch nahmen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Dmitri Medwedew am Dienstag den ersten Leitungsstrang der 1224 Kilometer langen Röhre in Betrieb.

In einem riesigen weißen Zelt am deutschen Anlandepunkt Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern, das mit seinen fünf Kuppeln an das Erdgasmolekül CH4 (Methan) erinnern sollte, drehten sie ein Ventil zum westeuropäischen Gasnetz auf. Mit dabei waren EU-Energiekommissar Günther Oettinger und Vertreter des Nord Stream-Konsortiums.

Die Pipeline begründe "eine neue Seite in der Partnerschaft zwischen Russland und der EU", sagte Russlands Präsident Dmitri Medwedew. Die Leitung, die im Endausbau über eine Kapazität von 55 Milliarden Kubikmeter verfügen soll, verbindet die russischen Gasreserven in Sibirien direkt mit dem westeuropäischen Binnenmarkt.

Laut Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) profitieren die Abnehmerländer und Russland gleichermaßen von dem europäischen Projekt: "Nord Stream setzt neue Maßstäbe in der Energiepartnerschaft", sagte Merkel. Trotz aller Bemühungen zur Diversifizierung der Energiequellen würden beide Seiten auf Jahrzehnte miteinander verbunden sein.

Russland ist mit 637 Milliarden Kubikmeter pro Jahr nicht nur der größte Erdgas-Produzent der Welt, sondern auch der größte Exporteur. Mit der Inbetriebnahme des zweiten Leitungsstranges im Herbst 2012 kann die 7,4 Milliarden Euro teure Pipeline, die Transitländer wie die Ukraine umgeht, rechnerisch rund 26 Millionen Haushalte in Westeuropa mit Gas versorgen. Medwedew kündigte an, dass Russland bei Bedarf seinen Gasexport in die EU von derzeit 125 Milliarden Kubikmeter bis 2020 auf 200 Milliarden erhöhen könne.

Gaslieferant ist der russische Energiekonzern Gazprom, der 51 Prozent der Gesellschafteranteile an der Nord Stream AG hält. Gazprom-Chef Alexej Miller bezeichnete die Pipeline als "einzigartiges Infrastrukturprojekt": Die Leitung trage dazu bei, die europäische Energieversorgung langfristig zu sichern.

Mit einem Durchfluss von einer Million Kubikmeter pro Stunde werde zunächst nur ein Drittel der technisch möglichen Kapazität genutzt und der Gasfluss dann langsam hochgefahren. Der russische Energieriese Gazprom hat bereits in mehreren EU-Staaten langfristige Verträge über Gaslieferungen abgeschlossen.

Das Nord-Stream-Projekt war 2005 von dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auf den Weg gebracht worden. Nach einem umfangreichen Genehmigungsverfahren wurde in eineinhalb Jahren Bauzeit der erste Leitungsstrang zwischen dem russischen Wyborg und dem deutschen Lubmin auf den Meeresgrund der Ostsee gebracht. In Lubmin entstand für 100 Millionen Euro eine Anlandestation, in der das Gas in die Festlandleitung Opal und das westeuropäische Gasnetz gespeist wird.

Oettinger nannte Nord Stream ein "Projekt von europäischem Interesse". Zugleich trat er Befürchtungen in bisherigen Transitländern entgegen, die Leitungen über die Ukraine und Weißrussland würden nicht mehr gebraucht.

Mit einer Länge von 1224 Kilometer ist die Ostsee-Pipeline nach Nord Stream-Angaben die längste Unterwasser-Pipeline der Welt. Sie ist knapp 60 Kilometer länger als die Langeled-Pipeline, die Großbritannien mit den Erdgasfeldern Norwegens verbindet.

Das Nord-Stream-Projekt ist von Beginn an umstritten. Nach Auffassung von Kritikern trägt die Leitung nicht zu der gewünschten Diversifizierung des Gasmarktes bei, sondern zementiere über Jahrzehnte die von Gazprom diktierten Preise.

Umweltverbände warnen vor den derzeit noch nicht absehbaren Folgen des Pipelinebaus auf die Flora und Fauna in der Ostsee. "Die Pipeline ist mit Abstand das größte technische Bauwerk in der Ostsee", sagte der Leiter des WWF-Ostseebüros, Jochen Lamp. "Wir wissen nicht, ob sich die Lebensräume so erholen wie von Nord Stream prognostiziert."

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