Milliardenmarkt Glücksspiel: Online-Angebote vor Gericht

Viele Spielerinnen und Spieler hoffen auf die Rückzahlung ihrer Verluste von Glücksspielanbietern im Netz ohne deutsche Lizenz. Was sind die Probleme bei unerlaubten Zock-Angeboten?
Valeria Nickel, dpa |
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Anbieter von Online-Glücksspielen benötigen in Deutschland eine behördliche Erlaubnis. (Symbolbild)
Anbieter von Online-Glücksspielen benötigen in Deutschland eine behördliche Erlaubnis. (Symbolbild) © Sina Schuldt/dpa
Luxemburg

Geld zurück bei verlorenen unerlaubten Online-Glücksspielen und Sportwetten? Diese Frage beschäftigt derzeit nicht nur viele deutsche Gerichte, sondern auch den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Die Richterinnen und Richter in Luxemburg äußern sich heute (ab 9.30 Uhr) zum Fall eines Anbieters aus Malta, der auf Rückzahlung von verlorenen Spiel-Einsätzen eines deutschen Verbrauchers verklagt wurde. In Tausenden weiteren Fällen hoffen Spielerinnen und Spieler darauf, ihre Verluste von Anbietern ohne deutsche Erlaubnis zurückzubekommen. Die Streitigkeiten betreffen einen Milliardenmarkt. Das sollten Verbraucherinnen und Verbraucher dazu wissen:

Welche Glücksspiele im Internet sind in Deutschland erlaubt?

Alle Anbieter von Online-Glücksspielen benötigen in Deutschland eine behördliche Genehmigung der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL), die die Anbieter beaufsichtigt. Ohne Erlaubnis ist das Angebot illegal. 

Früher war Online-Glücksspiel ganz verboten. Die Genehmigungsmöglichkeit gibt es seit dem Glücksspielstaatsvertrag von 2021, erklärt Glücksspiel-Rechtsexperte Marcus Röll. Demnach können private Anbieter eine Genehmigung für virtuelle Automatenspiele und Online-Poker bekommen, bestimmte Anbieter darüber hinaus für Online-Casinos. Auf einer anderen rechtlichen Schiene laufen laut Röll Sportwetten. Die Lizenzerteilung funktioniere hier seit 2020.

Was ist das Problem mit ausländischen Anbietern?

Erlaubnisse aus anderen Ländern reichen in Deutschland nicht, auch nicht, wenn es sich um EU-Staaten handelt. Dennoch zockten viele Verbraucherinnen und Verbraucher – insbesondere während Online-Glücksspiele in Deutschland verboten waren – auf den Webseiten von Anbietern mit Lizenzen im Ausland, beispielsweise Malta. Viele fordern nun das dabei verlorene Geld zurück.

Beklagte maltesische Unternehmen wenden ein, dass die deutsche Verbots-Regelung gegen die Dienstleistungsfreiheit im EU-Recht verstoße und eine Lizenz aus Malta auch in Deutschland anzuerkennen sei. Außerdem seien solche Klagen rechtsmissbräuchlich, weil Spieler wissentlich Anbieter mit maltesischer Lizenz genutzt hätten. Dazu wird eine Entscheidung des EuGH erwartet. Ein maltesisches Gericht hatte ihn angefragt.

Laut Rechtsanwalt István Cocron, der zahlreiche Verfahren auf Spielerseite betreut hat, ist das anstehende EuGH-Urteil die "erste große Weichenstellung" für Rückforderungsverfahren. Bislang hätten deutsche Gerichte entschieden, dass Verluste zurückzuzahlen seien, sofern im Spielzeitraum keine deutsche Lizenz vorlag.

Wie viel Geld steckt im Online-Spielmarkt?

Mit Online-Sportwetten, virtuellen Automatenspielen und Online-Poker wurden laut dem Tätigkeitsbericht der GGL für das Jahr 2024 fast zwei Milliarden Euro Umsatz gemacht – Tendenz steigend. Der größte Teil entfalle auf die Sportwetten (1,3 Milliarden Euro und damit zehn Prozent mehr als im Vorjahr). Die Umsätze von Automatenspielen und Poker im Internet (0,6 Milliarden) seien sogar um 38 Prozent gestiegen, hieß es.

Wie groß ist der Schwarzmarkt?

Laut einer GGL-Studie liegt das Marktvolumen von unerlaubten Online-Angeboten bei knapp 23 Prozent. Die Untersuchung geht davon aus, dass hier mehrere Hundert Millionen Euro pro Jahr umgesetzt werden. 

Die Glücksspielbehörde stellte ihrem Tätigkeitsbericht zufolge 2024 knapp 900 deutschsprachige Internetseiten mit Glücksspielen von Veranstaltern ohne Erlaubnis fest.

Was macht den illegalen Bereich gefährlicher als den legalen?

Wichtig ist: Glücksspiel, egal ob legal oder illegal, kann abhängig machen. Nach Angaben aus der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist Online-Glücksspiel im Vergleich zu anderen Formen mit einem erhöhten Suchtrisiko verbunden, weil es rund um die Uhr immer und überall verfügbar ist.

Bei illegalen Angeboten gibt es laut GGL noch mehr Risiken, weil sie keiner staatlichen Aufsicht unterliegen. Beispielsweise bestehen keine Einsatz- und Einzahlungslimits. Spielerinnen und Spieler sind demnach auch nicht vor betrügerischen Praktiken geschützt. Wer vorsätzlich an einem illegalen Spiel teilnimmt, kann sich zudem strafbar machen.

Woran lassen sich illegale Angebote erkennen?

Wer unsicher ist, kann in der sogenannten Whitelist der GGL nachschauen, ob ein Glücksspielanbieter zugelassen ist. Ansonsten können etwa ein fehlender Hinweis auf eine deutsche Erlaubnis auf der Homepage, kein oder ein unvollständiges Impressum, fehlende Angaben zu Sitz und Betreiber oder die Verwendung ausländischer Domains oder ungewöhnlicher Endungen (zum Beispiel .cc, .net, .bz, .io, .casino) auf ein illegales Angebot hindeuten.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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