Industrie-Beschäftigung fällt auf Zehnjahrestief

Es gibt keine großen Entlassungswellen, aber frei gewordene Stellen in der Industrie bleiben unbesetzt. Laut einer Studie hat das Folgen für den Anteil am gesamten Arbeitsmarkt.
dpa |
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Stahlarbeiter stehen vor einem Hochofen. Ihre Branche befindet sich derzeit im Strukturwandel. Laut einer Studie geht der Anteil dieser Arbeitsplätze am gesamten Arbeitsmarkt zurück. (Archivbild)
Stahlarbeiter stehen vor einem Hochofen. Ihre Branche befindet sich derzeit im Strukturwandel. Laut einer Studie geht der Anteil dieser Arbeitsplätze am gesamten Arbeitsmarkt zurück. (Archivbild) © Federico Gambarini/dpa
Gütersloh

Die Zahl der Beschäftigten in der Industrie in Deutschland ist laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung auf ein Zehnjahrestief gesunken. Weil parallel andere Bereiche gewachsen sind, sank der Anteil der 6,6 Millionen Industriebeschäftigten in der Industrie am gesamten Arbeitsmarkt von 22 Prozent im Jahr 2014 auf aktuell 19 Prozent, teilte die Stiftung mit. Erstellt wurde die Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Grund sind im aktuellen Strukturwandel laut den Wissenschaftlern aber keine großen Entlassungen, sondern das Zögern der Industrie, frei werdende Stellen zu besetzen. Demnach haben sich bis 2019 Einstellungen sowie beendete Beschäftigungsverhältnisse parallel entwickelt. Doch seitdem öffne sich eine Lücke, schreiben die Experten. Neueinstellungen gehen laut Mitteilung deutlich stärker zurück als beendete Beschäftigungsverhältnisse.

Weniger Neueinstellungen

"Die zurückgehenden Neueinstellungen sind ein Warnsignal für die künftige Beschäftigungsentwicklung", sagte Luisa Kunze, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung. "Wir brauchen eine Wiederbelebung der Arbeitsnachfrage in der Industrie und mehr Dynamik am Arbeitsmarkt." Nur dann entstünden auch wieder neue Chancen für Einsteiger und Einsteigerinnen, berufliche Wechsel würden leichter und die Industrie könne sich weiter erneuern, sagt Kunze.

Die Industrie hat aus Sicht der Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren an Attraktivität verloren. Laut Studie gab es 2014 noch einen Lohnvorteil bei den Einstiegsgehältern im Vergleich zu anderen Branchen von 20,4 Prozent. 2024 lag der Vorsprung nur noch bei 10,4 Prozent. Bei den langfristig Beschäftigen schrumpfte der Lohnvorsprung von 16,5 Prozent im Jahr 2014 auf 8,7 Prozent zehn Jahre später. Die Studienautoren weisen aber darauf hin, dass das Risiko in der Industrie den Job zu verlieren, 2024 noch niedriger war als zehn Jahre zuvor. 

Tag der Industrie am Montag und Dienstag

Die Studie erscheint kurz vor dem Tag der Industrie (22./23. Juni) in Berlin, bei dem auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwartet wird. "Made in Germany" stehe massiv unter Druck, hieß es im Vorfeld vom Bundesverband der Deutschen Industrie. Der seit Jahren schwächelnde Sektor beklagt im internationalen Vergleich hohe Kosten am Standort Deutschland und eine schleichende Deindustrialisierung. Unternehmen verlagerten Produktion ins Ausland.

Die Bundesregierung hat angekündigt, bis Mitte Juli ein großes Reformpaket auf den Weg zu bringen, zum Beispiel zur Rente, zum Abbau von Bürokratie und zu Flexibilisierungen am Arbeitsmarkt. Merz hat mehrfach betont, oberstes Ziel der Regierung sei die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wieder zu erhöhen.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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