Frühling auf dem Arbeitsmarkt - Zahl der Arbeitslosengeht zurück

Quote in Bayern 4,8 Prozent. Ökonomen freuen sich, Politiker texten Hymnen. Der Chef der Münchner Arbeitsagentur will mit Hartz-IV-Empfängern den Fachkräftemangel beheben
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Quote in Bayern 4,8 Prozent. Ökonomen freuen sich, Politiker texten Hymnen. Der Chef der Münchner Arbeitsagentur will mit Hartz-IV-Empfängern den Fachkräftemangel beheben

MÜNCHEN/NÜRNBERG „Starke Zahlen“, „sensationell“: Das Experten-Urteil über die Arbeitsmarktzahlen vom April fiel überschwänglich aus. In allen 16 Bundesländern ging die Zahl der Arbeitslosen zurück, fast überall ist die Quote niedriger als vor einem Jahr.

Bundesweit sind zurzeit 8,1 Prozent aller Erwerbstätigen ohne Job. Spitzenreiter unter den Bundesländern ist Bayern mit einer Arbeitslosenquote von nur 4,8 Prozent. In Oberbayern sind es sogar nur 4,4 Prozent.  Staatsregierung und Wirtschaft gerieten angesichts der Zahlen ins Schwärmen. „Frühlingssonne lässt Arbeitsmarkt aufblühen“, kommentierte Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). „Bayerns Arbeitsmarkt hat wieder Fahrt aufgenommen“, zitiert die Staatskanzlei Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU).

München steht mit 5,0 Prozent allerdings etwas schlechter da als der Rest des Freistaates – und immer noch sind viele Beschäftigte in der Landeshauptstadt in Kurzarbeit. Bernd Becking, der Chef des Münchner Arbeitsamtes, ist trotzdem optimistisch. „Es geht nach den Monaten der Krise wirtschaftlich wieder ber auf“, sagte er. Vor allem Jugendliche unter 25 Jahren, die besonders stark von der Krise betroffen waren, würden von der Entwicklung profitieren. Mit den wärmeren Temperaturen im Frühling würden auch wieder viele Stellen im Garten- und Landschaftsbau und auf dem Bau besetzt.

„Der Münchner Arbeitsmarkt bietet immer bessere Chancen, die gilt es jetzt zu nutzen“, sagte Becking. „Wir müssen dringend dem drohenden Fachkräftemangel entgegenwirken“. Weil im Verhältnis zu älteren Arbeitskräften immer weniger Berufsanfänger auf den Arbeitsmarkt kommen, fürchten die Firmen um den qualifizierten Nachwuchs. „Wir müssen deshalb alle Potenziale erschließen – auch die der Menschen aus dem ‚Hartz-IV-System‘.“

Dramatisch ist der Mangel heute schon bei den Ingenieuren. Der Berufsverband VDI berichtet, trotz Krise hätten im vergangenen Jahr 34000 Ingenieurstellen nicht besetzt werden können. Der Schaden für die Wirtschaft: Über drei Milliarden Euro. Aber auch an Facharbeitern für den gewerblichen Bereich fehlt es.

Zusammen mit der Kurzarbeit hat der Fachkräftemangel den deutschen Arbeitsmarkt in der Krise vor dem Absturz bewahrt. Viele Unternehmen haben trotz drastisch gesunkener Nachfrage keine oder nur wenig Stellen abgebaut, damit sie nicht im Aufschwung der Konkurrenz mangels Personal hinterherhinken müssen.

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