Bild mit Kratzern
Die Handelnden wirken noch immer wie Getriebene. Matthias Maus, Chefreporter der AZ, über Merkels Rolle als Krisenmanagerin.
Im Rausch der Geschwindigkeit verwischen schon mal Details und Konturen. Das Tempo fasziniert, vor allem, wenn die Aufgabe schwer war und das Ziel scheinbar erreicht ist. Davon profitiert die Bundesregierung im Allgemeinen in dieser Woche, und Bundeskanzlerin Angela Merkel im Besonderen. Ob der Ruhm allerdings verdient ist für die Verabschiedung des Rettungspakets, das muss sich zeigen. Zweifel sind erlaubt. Mit der Macht des Amtes und der Kraft der Wiederholung haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Steinbrück geworben für das Paket, dessen Wirkung bislang ausbleibt. Es wird nicht die Börsenkurse stabilisieren, wenn nicht zugleich die Konjunktur gerettet wird. Dafür gibt es keine Anzeichen.
Wichtigstes Argument für das 500-Milliarden-Paket war bislang die vielzitierte „Alternativlosigkeit“. Das mag zwar stimmen, lässt die Akteure aber eher wie Getriebene aussehen. Der Eindruck verstärkt sich, wenn man weiß, dass die Idee für die EU-weite Lösung nicht von der Kanzlerin kam, sondern von Britanniens ansonsten glücklosem Premier Gordon Brown. Und Merkels gescheiterter Versuch, ausgerechnet Hans Tietmeyer zum obersten Überwacher des Rettungspakets zu machen, fällt unter die Rubrik Pfusch. Tietmeyer war zwar mal Bundesbank-Präsident, ist aber noch Aufsichtsrat von Hypo Real Estate. Eine drohende Pleite nicht erkannt zu haben, sollte zur Disqualifizierung für den Job ausreichen. Peinlich, dass die SPD Bundeskanzlerin Angela Merkel stoppen musste. Das Bild der Macherin hat Kratzer.
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