Arm und alt in Bayern

Die Ruhestandsbezüge im Freistaat sind besonders niedrig. Rentner bekommen pro Monat im Schnitt 983 Euro, Rentnerinnen 496 Euro. Jobs in Gastronomie und Landwirtschaft führen oft zu niedriger Rente
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MÜNCHEN - Die Ruhestandsbezüge im Freistaat sind besonders niedrig. Rentner bekommen pro Monat im Schnitt 983 Euro, Rentnerinnen 496 Euro. Jobs in Gastronomie und Landwirtschaft führen oft zu niedriger Rente

Es ist schlimm – und es wird noch schlimmer: Der Sozialverband VdK warnte am Mittwoch vor einer ständig wachsenden Altersarmut in Bayern. Schon jetzt leben 423.000 Rentner im Freistaat unterhalb der Armutsgrenze, weitere gut 19 Prozent von ihnen sind „armutsgefährdet“. Sollte die Rente mit 67 kommen, werde die Situation noch dramatischer, so VdK-Präsidentin Ulrike Mascher.

Von den Segnungen des reicher Freistaats kommt bei den Rentnern wenig an. Im Schnitt wird Männern pro Monat 983 Euro überwiesen – das ist der letzte Platz im Länder-Ranking. Bei den Frauen sind es gerade mal 496 Euro – das ergibt nur Rang zehn im bundesdeutschen Vergleich.

Das Grund für das miserable Abschneiden liegt in der Vergangenheit Bayerns als Agrarstaat und am saisonabhängigen Tourismus mit seinen vergleichsweise niedrigen Löhnen. „Und die Zukunft wird nicht besser“, warnte Mascher. Sie befürchtet eine drastisch steigende Zahl von älteren Menschen, die mangels ausreichender Renten auf die so genannte Grundsicherung angewiesen sind.

Aus der beziehen beispielsweise in München bereits heute rund 11.000 Menschen Leistungen. Bis zum Jahr 2020 sollen es schon 24.000 sein. „Entwürdigend“ findet es die Sozialverbands-Chefin, dass sich „viele Menschen trotz jahrelanger harter Arbeit“ auf ein Alter in Armut einstellen müssten. Dabei sind Frauen über 65 um ein Viertel armutsgefährdeter als Männer. Die bayerische Staatsregierung scheine das als gegeben hinzunehmen.

Maschers Pessimismus in Sachen sinkende Renten stützt sich auf eine ganze Reiheb von Fakten von der Arbeitsmarkt-Front: So beschäftigt schon jetzt nur jeder zweite Betrieb überhaupt Mitarbeiter über 50. Nur ein Fünftel der 60-jährigen Arbeitslosen schafft es wieder zurück in einen Job, bei den 64-Jährigen sind es nicht einmal zehn Prozent. Nur jeder Dritte über 60 steht noch in Brot und Lohn. Die VdK-Präsidentin: „Das tatsächliche Renteneintrittsalter beträgt 63 Jahre.“ Schon diese fehlenden zwei Jahre bedeuten einen Renten-Abschlag von 7,2 Prozent. Sollte die Rente mit 67 kommen, würden schon 14,4 Prozent abgezogen. „Das wäre ein verschärftes Rentenkürzungsprogramm“, kritisiert die VdK-Präsidentin. Und ein weiterer Schritt in Richtung massenhafte Altersarmut.

„Die politische Entscheidung über die Rente mit 67 ist gefallen“, erklärte ein Sprecher von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Nach geltender Rechtslage wird das gesetzliche Renteneintrittsalter zwischen 2012 und 2029 in monatlichen Schritten von derzeit 65 auf 67 Jahre angehoben.

Dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ist das aber längst nicht genug – es legt noch einmal drei Jahre drauf. „Wenn wir uns die höhere Lebenserwartung und die abnehmende Geburtenrate in Deutschland anschauen, wird die Rente mit 70 perspektivisch kommen müssen“, sagte IW-Chef Michael Hüther.

„Ein Ladenhüter“, kommentierte Ulrike Mascher diesen Vorstoß.

Rudolf Huber

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