Angela Inselkammer: "Da kommen wir uns ein bisschen doof vor"

Angela Inselkammer zeigt Wege aus der Gastro-Krise – den Wirten ist an Pfingsten rund 65 Prozent Umsatz verloren gegangen.
| Clemens Hagen
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Angela Inselkammer, Präsidentin des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bayern).
Thomas Straub/Dehoga Bayern/dpa Angela Inselkammer, Präsidentin des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bayern).

München - Wohl keine andere Branche hat das Coronavirus so sehr in Geiselhaft genommen wie die Gastronomie und Hotellerie. Viele Wirte und Hoteliers im Freistaat plagen Existenznöte. Die Belegschaft in Kurzarbeit, im Hinterkopf immer die Frage, wie lange staatliche Überbrückungskredite reichen mögen.

In Zahlen: "Nach der letzten Umfrage haben wir 65 Prozent Umsatzeinbußen im Gegensatz zum letzten Jahr Pfingstferien", wie Angela Inselkammer, Präsidentin des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bayern) bitter bilanziert.

Inselkammer: "Wenn man sieht, was jetzt bei den Demonstrationen los war..."

Auf die Frage, was ihrer Meinung passieren muss, damit den Wirten und Hoteliers endlich die Trendwende hin zur Normalität gelingt, meinte sie zur AZ: "Zuerst einmal müsste man den Menschen die Angst nehmen. Wir müssen wieder in Eigenverantwortung zusammenleben können. Und wenn es tatsächlich den einen oder anderen Fall geben sollte, können wir ganz gut zurückverfolgen, wer da betroffen war."

Angela Inselkammer, Präsidentin des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bayern).
Angela Inselkammer, Präsidentin des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bayern). © Thomas Straub/Dehoga Bayern/dpa

Die Dehoga-Chefin hofft, dass vor allem die Freischankflächen der Wirtshäuser und Gaststätten bald wieder stärker frequentiert werden, zumal auch die Wissenschaft hier wenige Bedenken hat. "Der Außenbereich ist zunächst einmal als eine relativ sichere Zone einzustufen", sagte Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité bereits Mitte Mai.

Angela Inselkammer: "Wenn man sieht, was jetzt bei den Demonstrationen los war, da kommen wir uns als Gastronomen schon ein bisschen doof vor. Wir halten uns akribisch an alle Vorgaben und ziehen da mit, während es in der Bevölkerung offensichtlich so wenig Akzeptanz gibt."

Viele Gastronomen überdenken ihre Geschäftsmodelle

Trotzdem möchte Angela Inselkammer nach vorne schauen: "Wir versuchen, den Menschen attraktive Angebote zu machen, nicht nur preislich, sondern auch durch unsere Botschaft: Hey, macht mal ein paar Tage Auszeit in einer schönen Umgebung, lasst euch verwöhnen, verlasst eure vier Wände."

Viele Gastronomen hätten zudem ihre Geschäftsmodelle überdacht. "Wir in Aying machen zum Beispiel einen Hofladen auf, so eine Art Gastschänke, wo man auch am Sonntag frisches Gemüse und ein gutes Fleisch kaufen kann."

Josef Bachmaier: "Weiß nicht, wann ich wieder aufsperre"

Einer, der ebenfalls kreativ gegen die Krise ankämpft, ist Josef "Beppi" Bachmaier. Der Wirt von der Gaststätte zum Fraunhofer und dem Herzkasperlzelt auf der Oidn Wiesn zur AZ: "Zur Wiedereröffnung unserer Gaststätte wollte ich ein bisserl Musik, aber da haben sie von der Stadt gleich gesagt, dass das schwierig wird, wenn da Bläser dabei sind. Da habe ich geantwortet, dass ich zwar auch einen Geiger hätte, aber zu einer Eröffnung muss es halt krachen. Na ja, momentan stellt sich das Problem nicht: Ich weiß noch nicht einmal, wann ich wieder aufsperre."

Die Gastro-Regeln bleiben indes bis 15. Juni gleich. Restaurants dürfen sowohl Außen- wie Innenräume bis 22 Uhr bewirten. Für Bars und Clubs, die auf den Getränkeausschank ausgerichtet sind, gibt es keine Perspektive.

Lesen Sie auch: Gastro sperrt zu - Das Ende der Münchner Wirtshaus-Kultur?

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