Gründerbranche fordert mehr Reformtempo von Reiche
Die deutsche Gründerbranche zieht knapp ein Jahr nach Antritt der Bundesregierung eine kritische Zwischenbilanz zu deren Start-up-Politik. Auf sechs zentralen Feldern fordert der Startup-Verband mehr Reformtempo und nimmt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in die Pflicht.
"Wir brauchen trotz einzelner guter Ansätze und Maßnahmen mehr Schlagkraft, um den Innovations- und Wirtschaftsstandort Deutschland zukunftsfähig zu machen", sagt die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Startup-Verbands, Verena Pausder, zu der Bestandsaufnahme, die der dpa vorliegt.
Im Koalitionsvertrag habe die Bundesregierung zwar die Bedeutung von Wachstumsfirmen erkannt und sich ambitionierte Ziele gesetzt. Das zeige sich etwa an der Aussage, dass Start-ups "die Hidden Champions und Dax-Konzerne von morgen" seien. Doch trotz einzelner Lichtblicke, darunter die beschlossene Hightech-Agenda Deutschland und neue Finanzierungsvehikel im "Deutschlandfonds", fehle es an einem Gesamtkonzept. An die von Reiche "bereits Mitte Mai 2025" angekündigte Startup- & Scaleup-Strategie, die noch nicht final vorliegt, knüpfe man hohe Erwartungen, betont Pausder.
Zentrale Vorhaben in Gefahr
SPD und Union haben sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, die Bedingungen zur Mobilisierung von Wagniskapital zu verbessern. Unter anderem sollen sich die Investitionen von großen Geldgebern mit der WIN-Initiative der Förderbank KfW mehr als verdoppeln. Nach Ansicht von Experten hakt es dabei aber. Auch Pausder sieht Handlungsbedarf. Die WIN-Initiative müsse "hohe Priorität" haben. Anderenfalls laufe die Bundesregierung Gefahr, das eigene Ziel zu verfehlen, bis 2030 rund 25 Milliarden Euro von Großanlegern für Wagniskapital zu mobilisieren.
Auch das Vorhaben der Koalition, Unternehmensgründungen binnen
24 Stunden möglich zu machen und dafür alle Anträge digital zu bündeln, sei nicht umgesetzt. Zudem bleibe beim Bürokratieabbau viel zu tun, so der Verband.
Deutschland bei Wagniskapital im Rückstand
Die Start-ups-Branche ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen und bringt immer mehr Firmen mit Milliardenbewertung hervor. Jedoch mangelt es weiter an Wachstumskapital. Bei großen Summen sind deutsche Start-ups meist auf amerikanische-Investoren angewiesen, aufstrebende Firmen zieht es oft an US-Börsen, darunter Biontech aus Mainz. Hierzulande werden laut früheren Angaben des Startup-Verbands rechnerisch 90 Euro pro Einwohner in Wagniskapital investiert, in den USA (510 Euro) seien es fast sechsmal so viel. Großanleger wie Versicherungen investieren hierzulande nur beschränkt in Wagniskapital, auch wegen strenger Anlagevorschriften.
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