Gigabit bald in gut jedem zweiten Haushalt

In der Corona-Krise ist schnelles Internet gefragter denn je. Eine Zwischenbilanz des Gigabit-Ausbaus hält fest: Die Netzausrüster kommen voran - haben aber noch jede Menge Arbeit vor sich.
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Torsten J. Gerpott, Professor für Unternehmens- und Technologieplanung an der Universität Duisburg-Essen, spricht zum Thema Gigabit-Ausbau.
Oliver Berg/dpa/dpa Torsten J. Gerpott, Professor für Unternehmens- und Technologieplanung an der Universität Duisburg-Essen, spricht zum Thema Gigabit-Ausbau.

Köln - In Deutschland wird bald mehr als die Hälfte aller Haushalte Anschluss ans sehr schnelle Internet haben.

Bis Mitte des Jahres (Ende Juni) würden voraussichtlich rund 24 Millionen Haushalte über Gigabit-fähige Anschlüsse verfügen, so die Prognose eine Studie, die der Branchenverband VATM mit dem Beratungsunternehmen Dialog Consult am Mittwoch in Köln vorstellte. Das entspricht rund 51 Prozent aller deutschen Haushalte und rund 5,5 Millionen mehr Anschlüssen als Ende 2019. "Das ist sicherlich eine gute Botschaft", sagte der Telekommunikations-Experte Torsten Gerpott von der Uni Duisburg-Essen, der die Studie mitverantwortet. "Aber es bleibt auch noch eine Menge übrig." Ende 2019 waren der Untersuchung zufolge 18,4 Millionen Haushalte mit gigabit-fähigen Anschlüssen ausgestattet.

Dass Haushalte prinzipiell Zugang zu Gigabit-Anschlüssen haben, bedeutet allerdings gleichzeitig nicht, dass sie diese auch nutzen. Die Studienautoren gehen davon aus, dass Mitte des Jahres 6,04 Millionen der gigabit-fähigen Anschlüsse genutzt werden, also etwa ein Viertel. Viele Kunden entscheiden sich bislang trotz der in ihren Haushalten verfügbaren Bandbreiten für günstigere Tarife mit geringeren Übertragungsraten.

Um Gigabit-Geschwindigkeiten mit Glasfasertechnik zu erreichen, gibt es zwei Modelle - zum einen die sogenannten "echten" Glasfaser-Leitungen, die bis in den Keller eines Wohngebäudes ("Fiber to the Building"/FTTB) oder bis direkt in die Wohnung ("Fiber to the Home"/FTTH) verlegt werden und die für die Ausrüster aufwendig und teuer sind. Von diesen soll es der Studie zufolge bis Mitte des Jahres rund 4,8 Millionen geben.

Die Alternative sind die mit der sogenannten Docsis-3.1-Technik aufgerüsteten Kabelnetze, wie sie vor allem Vodafone betreibt (ehemals Kabel Deutschland und Unitymedia). Der Rivale Telekom verfügt über kein solches Kabelnetz, sondern hat Kupferleitungen für DSL- und schnellere VDSL-Verbindungen sowie direkte Glasfaserleitungen. "Die Kabler sind hier wirklich im Vorteil, dass sie ein gutes Netz haben, das weiter ertüchtigt werden kann", so Experte Gerpott. Von den gigabitfähigen Anschlüssen, die bis Mitte des Jahres verfügbar sein sollen, stammen der Studie zufolge acht Prozent von der Telekom und 92 Prozent von den Wettbewerbern.

Gerpott rechnet damit, dass die günstigere und einfachere Aufrüstung des Kabelnetzes auf Gigabit-Geschwindigkeit in naher Zukunft weiter schnell vorangehen wird. Die Verlegung von Glasfaserleitungen erfordere dagegen weiter hohe Investitionen und werde daher länger dauern. Bei rund 12 Millionen Haushalten in Deutschland dürfte dies allerdings angesichts der Anbindung zwingend erforderlich sein, um Gigabit-Anschlüsse zu ermöglichen. "Das ist ein Thema für einen Marathonlauf, nicht für einen 100-Meter-Sprint", so Gerpott. Der Forscher rechnet damit, dass die Bundesregierung ihr angestrebtes Ziel, bis 2025 jeden deutschen Haushalt mit Gigabit zu versorgen, verfehlen wird. "Trotz Corona - oder gerade wegen - dürfen wir den Breitbandausbau nicht vernachlässigen", ergänzte VATM-Präsident Martin Witt.

Der FDP-Fraktionsvize im Bundestag Frank Sitta kritisierte, viele Bürger bekämen nun die Versäumnisse der Vergangenheit zu spüren. Regierungen in Bund und Ländern sollten schnellstens Maßnahmen ergreifen, um den Glasfaserausbau und auch dessen Nachfrage bei Hausbesitzern spürbar anzukurbeln.

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