VW ID.3 im Test: Das lange Warten hat sich gelohnt

Die Marketingstrategen bei VW bringen es auf den Punkt. "Now You can" verkünden sie der werten Kundschaft. Soll heißen: Endlich ist er da, der ID.3!
| Rudolf Huber/mid
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Der ID.3 im Golf-Format bietet bis zur Rücksitzlehne mehr Platz als ein Passat Variant.
Rudolf Huber 10 Der ID.3 im Golf-Format bietet bis zur Rücksitzlehne mehr Platz als ein Passat Variant.

München - In den nächsten Wochen sollen die ersten Exemplare des ID.3 bei den Händlern eintreffen. Diese Tatsache markiert das Ende einer Hängepartie dank Corona, Software-Turbulenzen und anderer Widrigkeiten. Wir haben erste Testfahrten mit dem Hoffnungsträger unternommen. Vorab-Fazit: Das Warten hat sich gelohnt.

Der erste optische Eindruck vom ersten echten Stromer der Niedersachsen: Typisch VW - und das ist jetzt rundum positiv gemeint. Denn die Volkswagen-Designabteilung hat die Fähigkeit perfektioniert, Autos mit optischer Langzeit-Garantie zu zeichnen. Auch der ID.3 wird noch in zehn Jahren eine gute Figur machen.

Das freundliche Gesicht mit LED-Tagfahrlicht und -Blinkern, die leicht SUV-artig geformte Karosse, die schicken Farben und Felgen plus Zweifarb-Lackierungen ergeben unterm Strich einen sehr erfreulichen Eindruck.

Modern, schick und nach kurzer Eingewöhnung einfach zu bedienen: das ID.3-Cockpit.
Modern, schick und nach kurzer Eingewöhnung einfach zu bedienen: das ID.3-Cockpit. © Rudolf Huber

ID.3: Bedienung markiert eine Zeitenwende bei VW

Der setzt sich mit leichten Einschränkungen im Innenraum fort. Erst einmal das Platzangebot: Es übertrifft dank des neuen modularen Elektro-Antriebs-Baukastens (MEB) bis zur Rücksitzlehne das des deutlich längeren Passat Variant - und schafft eine sehr angenehm entspannte Atmosphäre, wenn vier Personen auf Tour sind. Die Vordersitze sind auch für lange Fahrten geeignet.

Die Bedienung markiert dank vieler Slider-Regler und wenigen Tasten eine Zeitenwende bei VW, und ist doch ein gelungenes Beispiel für Reduktion auf das Notwendige. Alles sitzt genau da, wo man es erwartet, die aufs Wesentliche konzentrierten Infos vor dem Fahrer und die auf dem Zehn-Zoll-Tablet in der Mitte des Armaturenbretts sind gut ablesbar und leicht zu finden: eben wie am Tablet.

 

Richtig: Die Einschränkung fehlt noch. Die betrifft die Materialqualität, die sich von akzeptabel im oberen Bereich zu doch recht billig wirkend in tieferen Gefilden entwickelt. Wer partout unterschäumte Flächen und Premium-Bezüge haben will, ist im ID.3 an der falschen Adresse. Unsere Einschätzung: Mit dem Gebotenen kann man trotzdem durchaus leben. Auch mit dem Kofferraum, der es auf insgesamt 485 Liter Volumen bringt - fünf mehr als beim Golf.

VW ID.3: Verblüffend leiser Stromer 

Und jetzt wird es spannend. Dank des Funkschlüssels hat der ID.3 schon alle Systeme auf grün geschaltet. Also einfach reinsetzen, Fuß auf die Bremse, Gangwähl-Knubbel rechts hinter dem Lenkrad a la BMW i3 nach vorne auf "D" gedreht - und die Fahrt kann beginnen.

Was sofort auffällt: Der 204 PS starke E-Motor aus VW-Fertigung, die Automatik, Lenkung und Fahrwerk passen auf beeindruckende Weise zusammen. Der ID.3 ist im wahrsten Sinn eine runde Angelegenheit. Er beschleunigt souverän, schafft die 100er-Marke in 7,6 Sekunden un d ist maximal 160 Sachen schnell. Mehr braucht es auch nicht.

Verblüffend leise ist der VW-Stromer noch dazu. Auch bei Höchstgeschwindigkeit bleibt es im Innenraum bis auf ein leises Windrauschen um die A-Säulen still wie in einer Kathedrale. Die Maßnahmen zur Geräuschdämmung haben gewirkt, nicht mal die Abrollgeräusche der Reifen sind zu hören. Der ID.3 hat Motor und Antrieb im Heck wie einst der Käfer. Das sorgt dafür, dass der Wendekreis mit knapp über zehn Meter sehr klein ist und dass es beim munteren Beschleunigen nicht zu peinlichem Quietschen kommt.

VW ID.3: Geladen wird per Gleichstrom 

Das Gewicht verteilt sich 50:50 auf Vorder- und Hinterachse, wegen der im Testwagen rund 400 Kilo wiegenden Akkus liegt der Schwerpunkt tief. Beides sorgt für angenehme Manieren auch in fixen Kurven, trotz des Leergewichts von 1.730 Kilo.

Apropos Akku, VW bietet aktuell nur den mit der mittleren Kapazität von 58 kWh an, und der ist für eine Normreichweite von 426 Kilometern und in der normal gefahrenen Realität von um die 350 Kilometern gut. Der Verbrauch pendelte sich bei der mid-Testfahrt auf 15,3 kWh je 100 Kilometer ein, der von VW ermittelte Normwert liegt etwas darüber. Geladen wird per Gleichstrom mit bis zu elf kW, mit Gleichstrom zunächst bis 100, später bis 125 kW.

Später kommt auch die Möglichkeit der Verknüpfung zu Android Auto und Apple CarPlay ins Auto, ebenso wie die wirklich beeindruckenden Augumented Reality-Anzeigen etwa für Navi oder Abstandshalter. Die wirken, als würden sie drei bis zehn Meter vor das Auto gespiegelt.

VW ID.3: Basismodell kostet um die 26.000 Euro

Die Software dafür ist Corona-bedingt noch nicht ganz fertig. Aber dank Updates "over the air" werden sie sobald wie möglich aufgespielt. Dass VW auch beim ID.3 alle einschlägigen Helfer und Komfort-Zutaten parat hat, teils serienmäßig, teils gegen Aufpreis, ist eigentlich selbstverständlich. Auch, dass es das aktuelle Infotainment-Angebot gibt.

Fazit: Der ID.3 wirkt schon beim ersten direkten Kontakt sehr überzeugend. Er dürfte schon bald wie der Golf bei den Kompakt-Verbrennern zum Synonym für kompakte Elektroautos werden. Noch dazu, wo das schon ordentlich ausgestattete Basismodell dank Förderprämien und Mehrwertsteuerreduzierung um die 26.000 Euro zu haben sein wird.

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