KfZ-Versicherung wechseln und Preisvergleich: Das müssen sie wissen, so geht's

Einmal im Jahr sollten Autofahrer ihre Kfz-Versicherung überprüfen. Denn oft lassen sich die Versicherungen optimieren und somit Kosten sparen. Die AZ erklärt, wie viel sich sparen lässt und wie der Wechsel funktioniert.
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Mit einem Wechsel der KfZ-Versicherung lassen sich oft Hunderte Euro sparen. Wir erklären Ihnen, worauf Sie dabei achten müssen.
dpa Mit einem Wechsel der KfZ-Versicherung lassen sich oft Hunderte Euro sparen. Wir erklären Ihnen, worauf Sie dabei achten müssen.

Einmal im Jahr sollten Autofahrer ihre Kfz-Versicherung überprüfen. Denn oft lassen sich die Versicherungen optimieren und somit Kosten sparen. Aber auf was sollte man beim Versicherungswechsel achten? Die AZ erklärt, wie viel sich sparen lässt und wie der Wechsel funktioniert.

Kfz-Versicherungen machen neben der Kfz-Steuer den Großteil der Fixkosten eines Autos aus. Kosten, die clevere Autofahrer reduzieren können. Denn einmal im Jahr lässt sich die Kfz-Versicherung kündigen und wechseln. "Ein Preisvergleich für Autofahrer kann sich lohnen, wenn man einen günstigeren Versicherer findet, ohne dabei Abstriche beim Versicherungsschutz machen zu müssen", sagt Hasso Suliak vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Nicht immer sei aber unbedingt ein Wechsel nötig. Manchmal reiche es, beim eigenen Versicherer nachzufragen, ob es preiswertere Einstufungen gebe. Unter Umständen kann es sich also lohnen, dem aktuellen Versicherer das Kündigungsansinnen am Telefon mitzuteilen. Manchmal dreht der Anbieter die Preisschraube dann nach unten und bietet Vergünstigungen oder Rabatte.


Ein Wechsel der Kfz-Versicherung lohnt sich fast immer, ist aber mit einigen Hürden verbunden. Hier lesen Sie, was Sie dabei beachten müssen. Foto: dpa

Zum 1.1.2017 werden die meisten Versicherungen deutlich teurer

Viele Autofahrer in Deutschland müssen sich nach Einschätzung des Rückversicherers Hannover Rück zum Jahreswechsel auf höhere Versicherungsbeiträge einstellen. Im Schnitt dürften die Beiträge in der Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung Anfang 2017 um etwa drei Prozent steigen, sagte Hannover-Rück-Manager Andreas Kelb bei einem Branchentreffen in Baden-Baden. Als Grund dafür nannte er neben hohen Unwetterschäden die immer höheren Einzelschäden infolge teurerer Technik in und an modernen Autos.

Im Schnitt sind die versicherten Schäden in der Kfz-Haftpflicht und der Kfz-Kaskoversicherung laut Kelb in den zwölf Monaten bis Juni 2016 um rund fünf Prozent höher ausgefallen aus als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor.

Die Hannover Rück ist der größte Kfz-Rückversicherer für den deutschen Markt. Während Vergleichsportale bei ihren Prognosen für das neue Jahr nur die Prämien für Neuverträge und Vertragswechsler betrachten, bezieht die Hannover Rück auch Verträge derjenigen Autofahrer mit ein, die ihrem Versicherer treu bleiben.

Ein Wechsel der Kfz-Versicherung kann bis zu 1.000 Euro Ersparnis bringen

Die Unterschiede sind zum Teil gewaltig: Das günstigste und das teuerste Angebot liegen mitunter tausend Euro auseinander, zeigt ein Vergleich der Zeitschrift "Finanztest" (11/2016) unter 159 Tarifen von 72 Anbietern. Eine 20-jährige Studentin mit Schadenfreiheitsklasse 2, die in Heidelberg wohnt, zahlte demnach im günstigsten Tarif 700 Euro und im teuersten fast 1700 Euro für eine Kfz-Haftpflicht mit Teilkasko - bei gleichen Leistungen.

Verbraucherschützer raten allerdings dazu, sich die Versicherungsbestimmungen genau durchzulesen. Denn es gebe mittlerweile Anbieter, die beim Versicherungswechsel Rückstufungen in der Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) vornehmen. Ein vermeintliches Schnäppchen könne sonst sehr teuer werden. Ratsam sei deshalb, sich von der bisherigen Versicherung die aktuelle SF-Klasse schriftlich bestätigen zu lassen. Denn diese wird dem neuen Anbieter gemeldet. Kunden sollten auch darauf achten, dass eine hohe Deckungssumme mit mindestens 50 Millionen Euro abgeschlossen wird.

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Die Grafik zeigt, wie viel Geld sich durch einen Versicherungswechsel in Ihrer Region durchschnittlich sparen lässt. Zum Vergrößern bitte anklicken! Grafik: DirectLine

Kostenfalle Schadenfreiheitsklasse

Rückstufungen in der Schadenfreiheitsklasse fürchten viele Autofahrer. Durch sie wird die Kfz-Versicherung teurer. Nach einem Unfall stufen aber längst nicht alle Versicherer gleich weit zurück. Das zeigt ein Vergleich der Zeitschrift "Finanztest" (11/2016) unter 159 Tarifen von 72 Anbietern. Während manche Policen nur zwei Freiheitsklassen zurückstuften, ging es bei anderen um zehn Stufen nach unten. Einige Anbieter stufen außerdem in den günstigeren Basis-Tarifen stärker zurück als in Komfort- oder Premiumtarifen.

Die Experten raten deshalb, bei der Wahl der Kfz-Versicherung auch einen Blick auf die Rückstufungstabellen der Anbieter zu werfen. Denn eine starke Rückstufung kann sehr teuer werden: Der Jahresbeitrag steigt und es dauert umso länger, bis Autofahrer zurück in günstigere Schadenfreiheitsklassen kommen. Das kann über die Jahre Tausende Euro mehr kosten. Wer sich dagegen absichern will, kann einen Rabattschutz abschließen. Der kostet allerdings laut Finanztest 20 bis 25 Prozent Aufschlag zum jährlichen Police-Beitrag.

Bei kleineren Schäden kann es sich außerdem lohnen, den Schaden zurückzukaufen. Das geht auch noch, nachdem die Versicherung einen Schaden reguliert hat. Die Frist, um die Kosten selbst zu übernehmen, beträgt den Angaben nach meist ein halbes Jahr.

Sparpotenzial bergen laut den Experten auch Werkstatttarife. Bei denen müssen Autofahrer bei Kaskoschäden Werkstätten nutzen, die mit der Versicherung kooperieren. Dafür seien diese Tarife häufig um rund 20 Prozent günstiger.

Regionalklassen: So verändert sich Ihr Versicherungsbeitrag 2017

Viele Autofahrer in Nord- und Ostdeutschland profitieren in der Kfz-Haftpflicht von niedrigen Einstufungen in den Regionalklassen der Versicherer. In der neuen Regionalstatistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ergeben sich besonders günstige Einstufungen für Fahrzeugeigentümer in den Bundesländern Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

In den Großstädten und in Teilen Bayerns sind die Klassen aufgrund der dortigen höheren Schadenbilanz oft weitaus schlechter als im Norden und Osten. Den bundesweit besten Wert weist Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern auf, den schlechtesten Offenbach.

Rund jeder Sechste darf sich freuen: Nach GDV-Angaben werden von den insgesamt 39,6 Millionen Kfz-Haftpflichtversicherten rund 16 Prozent (6,3 Millionen) bei den Regionalklassen herabgestuft, sodass sie von günstigeren Tarifen profitieren. Rund 12 Prozent (4,8 Millionen) müssen dagegen wohl tiefer in die Tasche greifen. Für fast drei Viertel der Autofahrer (fast 72 Prozent) ändert sich laut GDV bei den Einstufungen nichts.

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Wie sich Ihre Regionalklasse 2017 verändert, sehen Sie hier. Bitte anklicken, um die komplette PDF-Datei zu öffnen. Tabelle: GDV

Auf die richtige Kündigung kommt es an

Für die Kündigung der alten Versicherung reicht ein Brief. Wichtig ist aber, dass der Kunde rechtzeitig aktiv wird, denn Versicherungsverträge verlängern sich jeweils um ein Jahr, wenn sie nicht spätestens einen Monat vor Ablauf schriftlich gekündigt werden. Zum 31.12. eines Jahres können die meisten Kfz-Versicherungsverträge ordentlich gekündigt werden.

"Verbraucher sollten um eine Kündigungsbestätigung bitten, zumindest aber die Kündigung per Einschreiben versenden", sagt Elke Weidenbach von der Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen. Gekündigt werden können alle Verträge des Fahrzeugs. Wichtig: Dieses Kündigungsschreiben sollte bis 30. November dem Versicherer vorliegen.

Neben der ordentlichen Kündigung könne der Vertrag auch außerordentlich während des laufenden Jahres gekündigt werden - etwa nach einem Unfall, bei einem Fahrzeugwechsel, bei Beitragserhöhung oder Reduzierung der Leistung.

<img alt= nach. Wir sagen Ihnen, wie es geht. Zum Vergrößern bitte anklicken! Grafik: HUK Coburg

So einfach geht der Wechsel der Versicherung

Der Wechsel der Versicherung ist nicht kompliziert. "Hat man sich für neuen Versicherer entschieden, lässt man sich von diesem die elektronische Versicherungsbestätigung (eVB-Nummer) zuschicken", sagt Weidenbach. Bei Neufahrzeugen kann mit dieser Nummer und den notwendigen Dokumenten wie Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief die Anmeldung bei der Zulassungsstelle erfolgen. Bei schon angemeldeten Fahrzeugen sei dieser Schritt überflüssig.

Der neue Versicherer holt sich dann eine Versicherer-Wechsel-Bescheinigung (VWB) beim Vor-Versicherer zum Schadenfreiheitsrabatt (SFR) ein. Der SFR werde dann auf den neuen Vertrag übertragen. Das gehe in der Regel nahtlos ineinander über, so dass Halter permanenten Versicherungsschutz haben.

So sparen Sie noch mehr bei der Kfz-Versicherung

Nicht nur der Wechsel der Versicherung, sondern auch die Zahlungsweise kann ordentlich Ersparnis bringen. Wer seine Kfz-Versicherung nämlich einmal pro Jahr bezahlt, kann durchschnittlich rund 30 Euro sparen. Das teilt das Verbraucherportal Finanztip.de mit.

Bei monatlicher oder vierteljährlicher Zahlung sei mit rund 8 Prozent Aufschlag zu rechnen. Im Schnitt bezahlen Autobesitzer im Jahr 400 Euro für ihre Versicherung. Eine halbjährliche Zahlung schlage mit 3,4 Prozent Mehrkosten zu Buche. Allerdings böten einige Unternehmen die Option zur Einmalzahlung gar nicht an.

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