Die Erdgas-Phobie

Der umweltfreundliche und preiswerte Antrieb kommt einfach nicht in Schwung – auch, weil Autofahrer irrationale Ängste entwickeln
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Gas geben: Eine Erdgas-Zapfpistole...
ho 2 Gas geben: Eine Erdgas-Zapfpistole...
... und der in Kürze debütierende VW Eco-Up mit Gasantrieb
dpa 2 ... und der in Kürze debütierende VW Eco-Up mit Gasantrieb

Der umweltfreundliche und preiswerte Antrieb kommt einfach nicht in Schwung – auch, weil Autofahrer irrationale Ängste entwickeln.

München - Erdgas ist unpopulär: Nur rund 75 000 Autos mit dem Alternativantrieb waren zum Stichtag 1. Januar 2012 zugelassen – bei einem gesamten Pkw-Bestand von 42,9 Millionen. Dabei lohnt der Betrieb der CNG-Fahrzeuge (Compressed Natural Gas) nach Meinung von Experten gegenüber Benzinern und selbst Dieselautos fast immer.

„Trotz der massiven steuerlich bedingten Preisvorteile an der Tankstelle werden sie vom Kunden bislang nicht angenommen”, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM). Bis Ende 2018 sind die Kraftstoffpreise für Erdgas und das Autogas LPG laut Energiesteuergesetz begünstigt. Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub von Deutschland (VCD): „Man spart gegenüber einem vergleichbaren Benziner beim Tanken rund 50 Prozent.”

Doch laut Trägerkreis Erdgas Mobil gibt es bundesweit nur rund 900 Tankstellen mit Erdgas. Weil die Reichweite von CNG-Autos gegenüber effizienten Benzinern und Dieselantrieben meist bei weit weniger als der Hälfte liegt, herrscht eine Angst wie beim Elektroauto: mitten auf der Autobahn stehen zu bleiben. Doch selbst mit einem sogenannten monovalenten Fahrzeug, das meist nur einen kleinen Nottank mit Benzin hat, kommt man gut 100 Kilometer weiter, wenn das Gas ausgeht. Bei bivalentem Antrieb ist ein größerer Tank an Bord.

Trotz Sparpotenzial an der Zapfsäule muss der Käufer zunächst in Vorleistung gehen: Erdgasautos sind teurer in der Anschaffung. „Bei mindestens 2500 Euro liegt je nach Modell der Aufpreis”, weiß Jürgen Wolz vom TÜV Süd. Nicht selten müssen aber über 5000 Euro draufgelegt werden, etwa beim VW Passat. Allerdings gebe es beim Kauf von Gasautos Fördermaßnahmen – meist in Form von Tankgutscheinen. Gasversorger spendieren bis zu 1250 Euro.

Je öfter Erdgasfahrer am Steuer sitzen, desto schneller ist der Anschaffungspreis wieder reingefahren: Der TÜV Süd hat am Beispiel des VW Touran Ecofuel nachgerechnet: Der Aufpreis von 3725 Euro amortisiert sich nach 74500 Kilometern. Zugrunde gelegt wurden dabei Verbräuche von im Schnitt 6,8 Liter Benzin und 5,0 Kilo Erdgas sowie Kosten von 10,85 Euro beziehungsweise 5,50 Euro auf 100 Kilometer. Auch in Sachen Umwelt sprechen Argumente pro Erdgas: Um rund 20 Prozent könne der Ausstoß von CO2 gegenüber einem Benziner gesenkt werden, so Wolz.
In einer zuletzt 2011 aktualisierten Studie vermerkt Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) einen weiteren Öko-Vorteil: „Weitere erhebliche CO2-Emissionsreduzierungspotenziale können aus der Beimischung von Biogas in das bestehende Erdgasnetz resultieren.” CNG kann Biomethan zugefügt werden, das in Biogasanlagen durch Gärprozesse erzeugt wird – aus Biomüll, Gülle oder Energiepflanzen.

Schon ein Anteil von nur 25 Prozent Biogas senkt den CO2-Ausstoß bei einem Verbrauch von 4,5 Kilo Erdgas auf 100 Kilometer von 123 auf 93 Gramm pro Kilometer, so Dudenhöffer. Allerdings ist das Netz der Tankstellen, die Biomethan-Erdgas-Gemische anbieten, mit etwa 190 Stationen sehr dünn.

Einen Engpass gibt es auch bei CNG-Autos selbst: Angeboten werden nur wenige Modelle wie Opel Zafira und Combo oder Fiat Panda, Punto und Doblò in entsprechenden Versionen. Mercedes hat die E-Klasse als NGT-Variante (Natural Gas Technology), Audi plant 2013 mit dem A3 TCNG ein erstes Erdgasauto.

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