Dezente Sportlichkeit und cooler Sound

Audi macht seiner 4er-Baureihe Beine. Im neuen S4 ist ein 354 PS starker Sechszylinder-Benziner installiert, der für äußerst muntere Fahrleistungen sorgt.
| mid/mk
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Dezenter Auftritt: Nur die 18-Zoll-Räder und die vier Auspuffendrohre weisen auf das Potenzial des S4 hin.
Audi 4 Dezenter Auftritt: Nur die 18-Zoll-Räder und die vier Auspuffendrohre weisen auf das Potenzial des S4 hin.

München - Wer röchelt, dem geht es meist nicht gut. Beim Auto ist das anders. Im neuen S4 von Audi, dem vorläufigen Spitzenmodell der A4-Baureihe, werkelt ein frisch entwickelter V6-Benziner, dessen Arbeitsgeräusch für jene, die immer noch einen Schuss Benzin im Blut haben, ein Genuss ist. 260 kW/354 PS leistet die Dreiliter-Maschine, im Herbst wird sie in der Limousine (ab 59.300 Euro) und gleichzeitig im Sportkombi Avant (ab 61.150 Euro) von der Leine gelassen.

Der S4 will in beiden Versionen mit sportlich-dezentem Auftritt gefallen. Auffällig sind allein die 18-Zoll großen Leichtmetallräder, die schmale Spoilerlippe auf dem Kofferraumdeckel und das mächtige Auspuff-Endrohr-Quartett unter dem als Diffusor ausgebildeten Heck. Dass die Stoßfänger markanter gestaltet sind als bei den herkömmlichen A4-Versionen und der Kühlergrill mit dreidimensional ausgeprägten Lamellen dynamischer wirkt, fällt nur dem Experten auf. 1.630 Kilogramm wiegt die Limousine samt achtstufiger Tiptronic-Automatik, Quattro-Allradantrieb und Mittendifferenzial unbeladen, der Kombi bringt 1.675 Kilogramm auf die Waage, 75 Kilogramm weniger als das Vorgängermodell.

Innenausstattung: Ein Farbton für jede Gefühlslage

Der Innenraum ist mit einer Kombination aus Leder und Alcantara ausgekleidet, bei der Wunschausstattung "Sportsitze" sind diese mit Nappaleder bezogen. Eine Massagefunktion entspannt die vorne Sitzenden auf langen Fahrten, der programmierbare Monitor hinter dem kompakten Lederlenkrad stellt auf 12,3 Zoll diagonaler Größe einen Drehzahlmesser zentral dar, die Geschwindigkeit wird digital angezeigt. Als Option gibt es obendrein ein Head-up-Display.

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Gebürstete Aluminium-Intarsien und Klavierlack-Verkleidungen setzen willkommene Akzente und auf Wunsch gibt es eine Ambiente-Beleuchtung, die das Interieur mit bis zu 30 verschiedenen Farben illuminiert. Wohl dem, der sich entscheiden kann und den passenden Farbton zur aktuellen Stimmungslage findet. Das Raumangebot ist durchweg angemessen, für Gepäck bietet die Limousine 480 Liter Volumen, dass sich dank umklappbarer Rücksitzlehnen auf 965 Liter steigern lässt, im Avant kommen 1.510 Liter unter.

Standardmäßig abgeriegelt: Bei 250 Sachen ist auch beim S4 Schluss

500 Newtonmeter Drehmoment liefert der über einen Startknopf anzulassende V6. Schon bei 1.370/min liegt es an und bleibt bis 4.500/min konstant. Mit einem satten Raunen nimmt er seine Arbeit auf, prustet beim Druck aufs Gaspedal sonor und kraftvoll, aber nicht aufdringlich los, lässt den S4 in 4,7 Sekunden (Avant 4,9 Sekunden) von 0 auf 100 km/h sprinten. Obwohl die Maschine von nur einem Turbolader beatmet wird und nicht, wie der Vorgänger, von einem mechanischen Kompressor, gönnt sie sich keine Zeit, vor dem schnellen Antritt erstmal durchzuatmen.

Ein Turbo und sechs Zylinder: 500 Newtonmeter Drehmoment holt sich die Maschine aus drei Liter Hubraum. Foto: Audi

Spontan setzt der Nadelstreifen-Sportler den Leistungsabruf in Vortrieb um, die Automatik reagiert entsprechend des gewählten Fahrmodus in Windeseile und wechselt die acht Übersetzungen mit der Sanftheit eines gutgelaunten Waldkaters. 250 km/h zeigt der Tacho bei Höchstgeschwindigkeit an, die Leistung würde für mehr reichen, Audi regelt traditionell das Spitzentempo elektronisch ab.

Der Verbrauch ist im Vergleich zum Vorgängermodell gesunken. Nach Norm verlangt die Limousine 7,3, der Kombi 7,5 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Der Alltagsbetrieb ist mit diesem Konsum freilich kaum zu absolvieren, auf einer ersten Ausfahrt zeigte der Bordcomputer Werte um neun Liter an. Aber der S4 macht einen Heidenspaß. Auf der Geraden erfreut er mit einer überaus satten Leistungsentfaltung, auf kurviger Strecke wedelt er dank der direkten und präzisen Lenkung leichtfüßig durch die Kombinationen. Dabei hilft das auf Wunsch eingebaute Sport-Differenzial, das die Antriebskräfte bevorzugt dem kurvenäußeren Rad zuschlägt. Die Bremsen halten, was sie mit ihrer optischen Präsenz hinter dem Geflecht der Leichtmetallstreben der Räder versprechen, feinstens dosierbar und sehr nachdrücklich bringen sie den allradgetriebenen Wagen zum Stehen.

Neue Funktion: Bei Stau kann der S4-Pilot den Fuß entspannen

Die Ausstattung ist umfangreich, LED-Tag- und Nachtfahrlicht sowie mit gleicher Technik arbeitende Rückleuchten gibt es serienmäßig, auch das dynamische Blinklicht gehört zur Grundausstattung. Extra bezahlt werden müssen das Matrix-Licht, das voll konnektive MMI-Touch-Infotainment und die meisten der Assistenzsysteme. Neu darunter zu finden ist der Staupilot, der den Audi bei stockendem Verkehr halten lässt und ihn auf Fahrerwunsch hin automatisch wieder anfährt.

Beide S4-Versionen bestehen auf glänzendem Parkett. Die Absicht, Sportlichkeit nur dezent und seriös zu vermitteln, ist gelungen. Der athletische Audi wirkt nicht krawallig oder aufgesetzt, das macht ihn bei jedem Anlass zur passenden Garderobe. Für den martialischeren Auftritt ist ein anderer Platz für einen weitaus kräftigeren Vertreter in der A4-Riege reserviert. Das rund 500 PS starke RS-Modell soll im kommenden Jahr folgen. Dann wird es vermutlich auch wieder zwei Zylinder mehr geben, ein V8 gebührt sich eben, wenn es um Höchstleistungen geht.

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