Auf der Ideallinie: Mit dem Linienbus durch Israel

Wüste und Strände, Geschichte und Lebensfreude nach Fahrplan: Eine Tour mit Linienbussen durch das wunderbar vielfältige Reiseland Israel.
| Matthias Maus
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Haltegebot: Bus und Kamel machen beim Toten Meer eine Pause.
2 Haltegebot: Bus und Kamel machen beim Toten Meer eine Pause.
Über dem Toten Meer geht die Sonne auf und bestrahlt die Festung Masada.
2 Über dem Toten Meer geht die Sonne auf und bestrahlt die Festung Masada.

Unten, 400 Meter unter dem Meeresspiegel, scheint die Sonne. Der Asphalt ist staubtrocken, vor schroffen Felswänden flirrt die Wüstenluft. Stoisch lenkt der Fahrer seinen Bus durch die Landschaft, am Ufer dieses sagenhaft smaragdgrünen Sees entlang, der das "Tote Meer" heißt. Der Chauffeur schaut geradeaus, trotzdem bemerkt er das Staunen des Passagiers hinter sich – über das Licht, über die Farben, über die Landschaft: "Nice?" fragt er nach hinten. "Schön hier?" Und wie!

Israel: Jahrtausendealte Geschichte trifft auf Moderne

Die Szenerie am Toten Meer ist nur einer der touristischen Höhepunkte, die man in Israel entdecken muss. In dem kleinen Land am Ostufer des Mittelmeers haben nicht nur drei Weltreligionen ihre Ursprünge, hier verdichten sich nicht nur Konflikte der Gegenwart. Hier kann man auch hervorragend Urlaub machen. Auf einer Fläche von der Größe Hessens finden sich Zeugnisse der Jahrtausende direkt neben innovativster Moderne. Von Palästen des Herodes zum gepflegten Strand sind es ein paar Minuten; von den orientalischen Märkten in Tel Aviv zu den quirligsten Nightlife-Tempeln nur ein paar Meter.

Und das Beste: Alles ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Ob Kibbuz oder Großstadt, ob Strand oder Sehenswürdigkeit: Die modernen, klimatisierten Busse von Egged oder ihren Konkurrenten fahren pünktlich hin. Es ist eine Sache, das Heilige Land auf geführter Rundreise oder im Leihwagen zu erkunden. Etwas ganz anderes ist es, Land und Leute an Bahnhöfen und in Linienbussen zu erleben. Man kommt den Menschen näher: Studenten auf dem Weg zum Campen, Golflehrer auf dem Weg zur Arbeit. Ein arabisches Mädchen reicht dem Touristen wortlos ein Karamellbonbon in die Sitzreihe hinter sich.

Haltegebot: Bus und Kamel machen beim Toten Meer eine Pause.
Haltegebot: Bus und Kamel machen beim Toten Meer eine Pause.
Haltegebot: Bus und Kamel machen beim Toten Meer eine Pause. Foto: ADAC Reisemagazin/Yadid Levy.

Unaufgeregter Umgang mit den Kontrollen

Nirgends erfährt man eindringlicher, wie sich die konfliktbeladene Gesellschaft mit dem alltäglichen Risiko arrangiert. Jede Tasche wird in jedem Bahnhof kontrolliert. Schnell, effektiv und unaufgeregt. Niemand stört sich an ein paar Minuten Wartezeit am Scanner. Niemand wundert sich über die Allgegenwart von Soldatinnen und Soldaten. Oft sind es noch Teenager in Uniform, die im Bus mit schwerem Gepäck und umgehängtem Sturmgewehr auf dem Weg nach Hause sind oder zu ihrer Einheit.

Shira Ben-Zion zum Beispiel: „Nach Akko willst du? Da ist es schön“, sagt sie im Bus Nr. 910 von Tel Aviv in den Norden. Sie erzählt von ihrem zweijährigen Wehrdienst und dass sie Mitglied in der Handballnationalmannschaft ist. Ihren Satz zum Abschied, den hört man öfter: „Enjoy Israel!“

Zweieinhalb Stunden dauert die Fahrt mit dreimal Umsteigen von Tel Aviv nach Akko. Der Kontrast vom Busbahnhof Tachanat Merkazit, einer Betonburg in Tel Aviv, zu den Gemäuern Akkos könnte nicht größer sein. Die Tour durch die unterirdischen Anlagen der Kreuzfahrerstadt und der Gang durch die historischen Gassen sind eine Reise wert. Die Eindrücke verarbeitet man am besten in einem Fischlokal am Hafen oder abends auf der Dachterrasse des Efendi Hotels: mit Blick über Minarette, Kirchtürme und das Meer. In Sichtweite liegt das nächste Ziel. Aus den nächtlichen Lichtern von Haifa leuchtet das Muster der Bahai-Gärten heraus, die sich an das Karmel-Gebirge schmiegen.

Bustickets gibt’s wie immer beim Fahrer, in einer knappen Stunde umrundet er die Bucht. Zeit für die Erkundungstour zu den Häusern der deutschen Templer, die im 19. Jahrhundert in Haifa siedelten, in das arabische Viertel Nisnas und zu den penibel gepflegten Gärten des Bahai-Schreins, wo ein persischer Mystiker seine letzte Ruhe fand. Auch hier, in der Industrie- und Hafenstadt, findet man die geistige und religiöse Vielfalt des Landes.

Jerusalem: Alles in einem Ort verdichtet

In Jerusalem sind diese Zeugnisse so dicht beieinander wie an keinem anderen Ort der Welt. Eine moderne Straßenbahn fährt vom Busbahnhof zum Damaskustor. Man geht hindurch, vorbei an der Via Dolorosa, dem Kreuzweg Jesus Christus, an Dutzenden Touristengruppen und Souvenirläden und steht vor der Klagemauer. Direkt oberhalb liegt der Tempelberg. Historie und Gegenwart – wäre es doch immer so friedlich wie heute!

Die Strecken sind nie weit in Israel, die Fahrpreise niedrig. Das Ticket von Tel Aviv über Jerusalem nach En Boqeq am Toten Meer kostet umgerechnet 12,50 €. Der Bus verlässt Jerusalem, am Ölberg vorbei, auf dem Weg zum Toten Meer. „Sea Level“, Meereshöhe steht auf einem blauen Strich am Felsen im Westjordanland – danach geht es zum tiefsten Punkt, den der Mensch trockenen Fußes betreten kann. Einmal muss man sich treiben lassen im bitter-salzigen Wasser des Toten Meers. Und natürlich sollte man Masada gesehen haben, die Festung des Herodes, wo die jüdischen Verteidiger lieber den Freitod wählten, als sich römischen Eroberern zu ergeben.

Pathos, Geschichte und Bedeutung gehören einfach zusammen in Israel. Gut, wenn einen der Bus wieder raufbringt nach Tel Aviv, rein ins brodelnde Leben. Runterkommen kann man dort ganz leicht. Bei einem kühlen Absacker in einer der vielen Strandbars zum Beispiel.

Über dem Toten Meer geht die Sonne auf und bestrahlt die Festung Masada.
Über dem Toten Meer geht die Sonne auf und bestrahlt die Festung Masada.
Über dem Toten Meer geht die Sonne auf und bestrahlt die Festung Masada. Foto: ADAC Reisemagazin/Yadid Levy

Diese Reportage ist ursprünglich im ADAC Reisemagazin Israel erschienen und auf www.adac.de veröffentlicht worden. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des ADAC Verlags. 

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