Toni Schmid: Mein Senf zur Kultur-Extrawurst

Gastbeitrag von Toni Schmid: Eine Antwort auf die Forderung der nordrhein-westfälischen Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, die Kultur möge ihre Forderungen mäßigen.
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Der gebürtige Münchner Toni Schmid war von 2001 bis 2017 als Ministerialdirigent Chef der Kunstabteilung im Kunstministerium und Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bayreuther Festspiele. Schmid ist Vorsitzender des Landesverbands des Deutschen Bühnenvereins. Ein Gastbeitrag.
Der gebürtige Münchner Toni Schmid war von 2001 bis 2017 als Ministerialdirigent Chef der Kunstabteilung im Kunstministerium und Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bayreuther Festspiele. Schmid ist Vorsitzender des Landesverbands des Deutschen Bühnenvereins. Ein Gastbeitrag. © picture alliance / dpa

Kaum sind zehn Corona-Monate ins Land gegangen, schon meldet sich Nordrhein-Westfalens Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen zu Wort. Im Düsseldorfer Landtag preist sie die zahlreichen finanziellen Wohltaten, die die Landesregierung Künstlern und Kulturschaffenden erweist. Gleichzeitig hat die Ministerin aber auch einen Rüffel für ihre Klientel parat: Die Kultur müsse aufpassen, "dass sie nicht immer eine Extrawurst brät", mahnt sie. 

Toni Schmid: "Natürlich brauchen die Theater Geld!"

Einmal abgesehen davon, dass man Extrawürste üblicherweise nicht selbst brät, erinnert die Haltung der Ministerin an einen Restaurantbesucher, der dem "Biss"-Verkäufer Geld gibt, die angebotene Zeitschrift aber zurückweist. Damit macht er den Verkäufer zum Almosenempfänger. Natürlich brauchen die Theater Geld! Sie brauchen es genauso dringend wie die anderen Stammkunden an der Theke der Extrawurstbude: Autoindustrie, Fluglinien und Landwirte. Nota bene: Ohne dass sich die zuständigen Wirtschafts-, Verkehrs- und Landwirtschaftsminister über die Extrawurst-Zumutungen ihrer Klientel mokieren würden.

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Im Unterschied zu anderen Wirtschaftszweigen leiden die Künstler (wie die Gastronomen) aber auch noch an einem faktischen Berufsverbot. Was sie mindestens genauso dringend brauchen wie Geld, ist eine Perspektive. Die kann nicht lauten "wir warten, bis die Gesamtbevölkerung geimpft ist".

Welche Erkenntnisse hat der "Modellversuch" gebracht?

Monatelang haben die Theater und Opernhäuser an Hygieneplänen gearbeitet, Sitzpläne ausgetüftelt, teilweise abenteuerliche Gehwege durch die Häuser markiert, ihre Spielpläne an die Corona-Zeit angepasst, große Opern mit spaßigen Kammermusik-Besetzungen zur Aufführung gebracht, innovative neue Formate ausprobiert, mit Kraft und Leidenschaft versucht, den Theaterbetrieb aufrechtzuerhalten, der Politik und den Behörden jede Extrawurst von den Augen abzulesen - immer in der Hoffnung, irgendwo weißen Rauch aufsteigen zu sehen. Jetzt fragen sie sich: Was hat es gebracht? Es ist an der Zeit, endlich über eine Perspektive zumindest zu diskutieren. 

Übrigens: Welche Erkenntnisse hat der "Modellversuch" der Bayerischen Staatstheater und im Gasteig eigentlich gebracht? Kann man das irgendwo nachlesen oder ist es ein Staatsgeheimnis? In diesem Fall bitte ich um eine Extrawurst.

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