"The Underground Railroad": Gesprengte Ketten

Oscarpreisträger Barry Jenkins gelingt mit "The Underground Railroad" eine monumentale Serie über die Sklaverei.
| Florian Koch
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Der Mörder und sein ungleicher Handlanger: Ridgeway (Joel Edgerton rechts) und Homer (Chase W. Dillon).
Der Mörder und sein ungleicher Handlanger: Ridgeway (Joel Edgerton rechts) und Homer (Chase W. Dillon). © Kyle Kaplan/Amazon Studios

Das Zirpen der Zikaden, das Ächzen von Holz, das Schnauben von Pferden. Die Geräusche der Natur. Alle sind sie in "The Underground Railroad" mehr als nur atmosphärischer Hintergrund.

Eine finstere zehnteilige Serie

Denn zwischen dem unschuldigen Sound der Fauna und Flora zerfetzen menschliche Schreie die trügerische Harmonie. Das Knallen von Peitschenschlägen: Es gehört zum Alltag in dieser finsteren zehnteiligen Serie, diesem meisterhaften Abgesang auf ein immer noch in Schwarz und Weiß geteiltes Amerika.

Jahrelang hat Barry Jenkins, oscarprämiert für sein intimes Liebesdrama "Moonlight", gemeinsam mit namhaften Produzenten wie Brad Pitt an der Verfilmung des Romans von Colson Whitehead gearbeitet.

Der Titel "Underground Railroad" (auf Deutsch Untergrundbahn) spielt auf ein Schleusernetzwerk an, das bis Mitte des 19. Jahrhunderts Sklaven die Flucht aus den Süd- in die Nordstaaten ermöglicht hatte.

Mit der Untergrundbahn in eine alternative Realität

Der Clou: Whitehead nimmt die Untergrundbahn wörtlich, erzählt von einer magischen alternativen Realität, in der Schwarze sich tatsächlich mit einer unterirdisch durch die USA fahrenden Lokomotive bewegen können. Bevor nun seine Heldin Cora (Thuso Mbedu) die Reise auch antreten kann, muss sie erst Vertrauen zu sich und ihrem möglichen Befreier Caesar (Aaron Pierre) fassen.

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Die schmächtige, aber kämpferische Frau, die von ihrer Mutter als Baby zurückgelassen wurde, hat bisher nur Leid und Erniedrigungen erfahren. Schwarze werden in der Plantage in Georgia, wo sie als Baumwollpflückerin arbeitet, wie Tiere gezüchtigt und manchmal sogar bei lebendigem Leibe verbrannt, während die weißen "Herren" nebenan noch dinieren.

Drastisch und etwas plakativ

Drastisch, manchmal auch plakativ setzt Jenkins gleich in der ersten Folge diese verstörenden Bilder, die an andere große Filme wie "Twelve Years a Slave" erinnern, in Szene. Dennoch findet dieser sensible Regisseur bald seinen eigenen, unnachahmlich magnetischen Erzählstil, um wie in einem Stationendrama Coras Lebensweg nachzuzeichnen.

Horror-Experimente an Schwarzen

In South Carolina darf sie sich nach der geglückten Flucht endlich frei bewegen. Und dennoch ist die Freundlichkeit der Weißen vergiftet, soll an Cora und ihren Leidensgenossen experimentiert werden, um Geburten zu kontrollieren oder Krankheitserreger zu testen.

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Der auf tatsächlichen Versuchen wie der Tuskegee-Syphilis-Studie basierende Horror wird noch übertroffen, als Cora in North Carolina in einer religiösen Gemeinde im Dachboden Unterschlupf findet. Öffentliche Erschießungen von Schwarzen sind hier an der Tagesordnung.

Apokalyptische Bilder

Jenkins beschönigt nichts, zeigt apokalyptische Bilder von einem äußerlich und innerlich verbrannten Land, in dem ein schwarzer Junge nur etwas ist, wenn er den weißen Kopfgeldjäger (Joel Edgerton) bei der Hatz auf seine Landsleute unterstützt. Und dennoch stirbt die Hoffnung auf Besserung auch hier zuletzt.

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