"Der Prinz aus Zamunda 2": Ein königliches Vergnügen

Eddie Murphy gelingt mit "Der Prinz aus Zamunda 2" eine nostalgische wie hintersinnige Fortsetzung seines Kinohits aus den 80ern.
| Florian Koch
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Semmi (Arsenio Hall) assistiert erneut widerwillig seinem König Akeem (Eddie Murphy).
Semmi (Arsenio Hall) assistiert erneut widerwillig seinem König Akeem (Eddie Murphy). © Quantrell D. Colbert/Paramount/Amazon

Die Sprüche? Immer unter der Gürtellinie. Das Sprechtempo? Eines Eminem würdig. Und dennoch, bei aller Flapsigkeit, hatten die erfolgreichsten Filme von Eddie Murphy immer einen klaren moralischen Kompass, mit dem sich ein breites Publikum identifizieren konnte.

Fortsetzung nach 33 Jahren

Auf dem Höhepunkt seines Ruhms verwandelte sich der schwarze Komiker als "Prinz aus Zamunda" (in Deutschland fast 4 Millionen Kinobesucher) sogar in einen waschechten Romantiker, der für die Liebe ganz wie heute ein Prinz Harry seine royalen Pflichten in den Wind schießt. Satte 33 Jahre hat es gedauert, bis sich Eddie Murphy, der im letzten Jahrzehnt hauptsächlich als sprechender Esel (in der "Shrek"-Reihe) Erfolge feiern konnte, an eine Fortsetzung herantraute. "Der Prinz aus Zamunda 2", für dessen Vertriebsrechte das Amazon Film Studio 125 Millionen Dollar auf den Tisch legte, ist dabei kein platter Aufguss, sondern kombiniert raffiniert die Essenz des Originals mit dem Zeitgeist von heute. Erster kluger Schachzug des Regisseurs Craig Brewer ("Hustle & Flow") ist es, den Schauplatz von Queens, New York ins fiktive afrikanische Königreich Zamunda zu verlegen, der zweite, fast alle Schauspieler des Originals wieder in ihre alten Rollen schlüpfen zu lassen.

Gibt es einen Thronfolger?

Nach dem Tod von König Jaffe Joffer (James Earl Jones) obliegt es seinem Thronfolger Akeem (Murphy) und seiner großen Liebe Lisa (Shari Headley) den Frieden im Land zu sichern. Der ist in Gefahr, als der despotische General Izzi (Wesley Snipes in einer kongenialen Parodie afrikanischer Tyrannen wie Idi Amin) seine Machtansprüche geltend macht, da Akeem keinen männlichen Thronfolger vorweisen kann. Ein unehelicher Sohn findet sich dann aber, wie es eines Königs (un)würdig ist, doch, in Queens, New York in Person des wenig ambitionierten Gelegenheitsjobbers Lavelle (Jermaine Fowler), der aus einem drogenumnebelten One Night Stand hervorgegangen ist. Dass dieser Mann, der mit 31 Jahren noch auf der Suche nach seinem Platz im Leben ist, mit seiner ordinären Mutter (Leslie Jones) die Thronfolge-Gelegenheit beim Schopf ergreift, verärgert die Töchter von Akeem.

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Selbstironische Umkehrung der Rollenmuster

Murphy, der im ersten Teil noch aus der royalen Rolle ausbrach, um einer arrangierten Ehe zu entfliehen, verwandelt sich im zweiten Teil zu einem satten Patriarchen, der sich von der Macht längst hat korrumpieren lassen. So will er dem Frieden willen einer abgesprochenen Ehe von Lavelle mit Bopoto (Teyana Taylor), der ergebenen Tochter von General Izzi, zustimmen. Dabei hat er die Rechnung ohne den Freiheits-, und Liebesdrang seines unehelichen Sohnes gemacht. Mit der Umkehrung des Rollenmusters zeigen Brewer und Murphy mutig selbstironisch, dass es auch alte schwarze Männer gibt, die auf ihre Privilegien bestehen und den Anspruch der jüngeren, emanzipierten Generation längst aus dem Blick verloren haben.

Der politisch unkorrekte Verbalakrobat blitzt hier und da auf

Den Eddie Murphy von einst, der mit viel Maske und noch mehr Können immer auch ein raffinierter Verkleidungskünstler war, kann man hier auch wieder erleben, an der Seite seines alten Spielpartners Arsenio Hall in einem Barbershop in Queens. Wenn die Friseure hier über die Gentrifizierung motzen und die Errungenschaften unter Barack Obama als Schnee von gestern abkanzeln, blitzt auch wieder der politisch unkorrekte Verbalakrobat von früher auf, verbindet sich die Figurenkonstellation von 1988 auf wundervolle Weise mit der Lebensrealität von Schwarzen im Hier und Jetzt.

Zu sehen auf Amazon Prime.

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