Ungarisches mit Barbara Hannigan

Barbara Hannigan und die Münchner Philharmoniker mit Haydn, Bartók, Ligeti und György Kurtág im Gasteig
| Michael Bastian Weiß
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Barbara Hannigan als Dirigentin.
Barbara Hannigan als Dirigentin.

Als Barbara Hannigan die Münchner Philharmoniker zum ersten Mal dirigierte und sich am Pult plötzlich umdrehte, um beim Taktschlagen auch noch zu singen, war das ein spektakulärer Moment. Ein solcher Clou ist aber nicht beliebig wiederholbar.

Das weiß die Kanadierin selbst und singt dieses Mal stattdessen zwei Werke, in denen sie bloß vom Cimbalom, einem mit Klöppeln geschlagenen Hackbrett, begleitet wird. Sie und ihr Begleiter Luigi Gaggero wirken in den Weiten der Philharmonie zwar ein wenig verloren. In den „Sieben Liedern“ und der Studie „Zur Erinnerung an einen Winterabend“ von György Kurtág ruft Hannigan aber mit ihrem mädchenhaft reinen, dabei nicht allzu materialreichen Sopran und ihrer sicheren Diktion eine betörend magische Stimmung hervor, die durch diese räumliche Einsamkeit noch verstärkt wird.

Doch für eine solche kammermusikalische Ergänzung müsste sie eigentlich nicht unbedingt auch ein Orchester leiten. Es stellt sich somit die Frage, ob ihre dirigentische Tätigkeit auch für sich bestehen kann. Was in diesem Programm mit ungarischer Musik ein wenig zweifeln lässt, ist, dass Hannigan zumindest dieses Mal keinen echten Zugriff auf die Totale der Münchner Philharmoniker hat.

Glück mit Bartók

In der Violinrhapsodie Nr. 1 von Béla Bartók ist die Begleitung durchgehend zu laut, selbst für einen so robust auftretenden Geiger wie den scheidenden Konzertmeister Sreten Krstic. Im „Concert Romanesc“ von György Ligeti konzentriert sich Hannigan auf die Koordination und bewältigt die Taktwechsel mit ihren typisch fließenden Bewegungen ordentlich. Doch die Farb- und Beleuchtungswechsel dieses Stücks werden zu wenig realisiert. Am besten glückt die Suite zu Bartóks Pantomime „Der wunderbare Mandarin“, die wohl am genauesten einstudiert wurde.

Lesen Sie auch unser Interview mit Sreten Krstic

Am wenigsten überzeugt die Symphonie Nr. 86 D-Dur von Joseph Haydn, weil Hannigan keine eigene Vorstellung vom Gesamtklang hat oder diese nicht umsetzen kann. Die Philharmoniker spielen so, wie es gerade kommt, die Streicher einförmig, mit durchgehend breitem Bogenstrich, sodass die Bläser häufig verdeckt werden. Einsätze verwackeln, die Gruppen treten auch einmal auseinander.

Vor allem aber scheitert Hannigan daran, die formalen Entwicklungen nachzuzeichnen, die Musik auf Zielpunkte hin zu steuern, Höhepunkte zu setzen, weil schon im einfachen Forte das Limit erreicht ist. Wenn Barbara Hannigan weiter und vielleicht irgendwann ausschließlich erfolgreich als Dirigentin wirken möchte, muss sie sich in dieser schwierigen Kunst noch beträchtlich weiterentwickeln. Denn ihr Sängerinnenbonus wird bald aufgebraucht sein.

Barbara Hannigan dirigiert am 14, und 15. Mai um 20 Uhr im Gasteig halbszenische Aufführungen von Igor Strawinskys Oper „The Rake’s Progress“. Karten unter Telefon 54 81 81 400

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