Triviales ohne Trivialität

Das Bayerische Staatsorchester unter Kirill Petrenko mit Gustav Mahlers Symphonie Nr. 3 im Nationaltheater
| Robert Braunmüller
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Mahlers Dritte verlangt ein Riesenorchester, eine Altistin oder Mezzosopranstin sowie Frauen- und Kinderchor.
Wilfried Hösl Mahlers Dritte verlangt ein Riesenorchester, eine Altistin oder Mezzosopranstin sowie Frauen- und Kinderchor.

Richard Strauss kann er, Wagners „Ring des Nibelungen“ auch, Tschaikowsky sowieso. Aber Mahler? Kirill Petrenko hat sich intensiv mit seiner Musik beschäftigt und sie in der Provinz ausprobiert: in einem hochgelobten Zyklus mit dem Symphonieorchester Vorarlberg seit 2008.

Für sein erstes Akademiekonzert mit dem Bayerischen Staatsorchester wählte der neue Generalmusikdirektor die monumentale Dritte. Ein Werk, das sein Vorgänger Kent Nagano exemplarisch mit dem Deutschen Symphonieorchester Berlin eingespielt hat – was hier erwähnt werden muss, weil sich beide Auffassungen ähneln, auch wenn der gebürtige Russe live ungleich besser ist.

Petrenko betont wie Nagano im Kopfsatz den Einbruch des Trivialen. Er setzte den starren Trauermarsch scharf von den grellen Militärmusik- und Kirmesklängen ab, die sich zuletzt überschlagen und durchdringen. Beim Zuhören weiß man kaum, worüber man mehr staunen soll: über den vollen emotionalen Einsatz des Dirigenten oder die ausgeübte Kontrolle, dank derer die Vielstimmigkeit immer durchhörbar bleibt.

Wie in der „Frau ohne Schatten“ oder im Bayreuther „Ring“ wirkte jeder Takt sorgfältig bedacht, ohne dass sich der Hörer analytisch verkühlen würde. Mit einer sehr geschickten, scharfen Tempo-Regie verstand es Petrenko, die ironischen Anführungszeichen Mahlers hörbar zu machen, wie es höchstens noch Mariss Jansons gelingt.

Das Posthorn (Christian Böld) klang von fern und doch deutlich. Die Mezzosopranistin Okka von der Damerau sang ihr Solo klar, die von Sören Eckhoff und Stellario Fagone einstudierten Chöre tönten glockenhell. Das Finale ging Petrenko mit gelassener Ruhe an, ohne je larmoyant zu werden. Das Staatsorchester überraschte mit einer unglaublichen Spannweite zwischen leisem Flüstern und voller, nie lärmender Kraft.

Atemberaubend! Überwältigend! Mahler kann er also auch. Fehlt nur noch Mozart – aber auch das wissen wir bald.

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