Starke Frauen mit Kristiina Poska

Klingt weibliche Musik anders? 100 Jahre Frauenwahlrecht sind der Anlass für ein famoses Konzert im Gasteig mit lauter „Starken Frauen“
| Felicia Englmann
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Die Dirigentin Kristiina Poska.
Kikkas Die Dirigentin Kristiina Poska.

Wenn Musik erklingt, stellt sie nur sich selbst dar. Geschlecht, Herkunft, Alter, Body Mass Index und all die anderen Kriterien, nach denen Menschen unterschieden werden können, sind unhörbar. Es muss also explizit dazugesagt werden, wenn das Europamusicale Frauenorchester unter Kristiina Poska einen Abend mit Werken von Komponistinnen und der Solistin Lauma Skride gestaltet.

Lesen Sie auch unser Interview mit der Dirigentin

Dieses Festkonzert feiert unter dem Titel „Starke Frauen“ das Jubiläum „100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland“. Der Münchener Konzertverein hat in die Gasteig-Philharmonie geladen und als Schirmherrin Bundeskanzlerin Angela Merkel gewonnen. Bayerns Familienministerin Kerstin Schreyer und die Gleichstellungsbeauftragte im Bundesfamilienministerium Christine Morgenstern sprechen einführende „schon viel erreicht – noch viel zu tun“-Sätze.

Frauen sichtbar machen

Kristiina Poska lässt die Musik sprechen. Sofia Gubaidulinas „Fairytale Poem“ von 1971 ist eine feenflügelzarte kleine Tondichtung. Poska legt in ihrem präzisen Dirigat die feinen Strukturen frei. Voller Emotion folgt Clara Schumanns Klavierkonzert. Pianistin Lauma Skride führt im Mittelsatz in einen nachdenklichen, berührenden Dialog mit dem Cello.

Das Orchester findet im dritten Stück des Abends zu seiner besten Form. Die Musikerinnen haben sich nur für dieses Konzert zusammengetan, sie spielen sonst in anderen Orchestern. Poska dirigiert prägnant und engagiert, hilft über Klippen und baut in Emilie Mayers moll-gewichtiger 5. Symphonie Spannung auf, die in einen dramatischen Schlusssatz mündet. Anders als Clara Schumann (1819-1896), die etwa auf dem 100-Mark-Schein verewigt wurde, ist Mayer (1812-1882) in Vergessenheit geraten und wird gerade wiederentdeckt.

Während die Ehrengäste aufspringen und damit stehende Ovationen provozieren, bleibt die Frage: Ein Frauenkonzert - muss das sein? Allein die Existenz der Frage gibt schon die Antwort: Ja. Weil es darum geht, Frauen sichtbar zu machen. Sie musizieren, dirigieren und komponieren nicht anders als Männer oder gemeinsam mit Männern. Aber solange ein Konzertabend, in dessen Programmheft nur Männernamen auftauchen, Normalität ist und nicht mit „Starke Männer“ überschrieben wird, brauchen Leistungen von Frauen ein Forum. Für die „Zuhörer*innen“. Der Musik ist es gleich.

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