Solo-Debüt von Aaron Frazer: Leidenschaftlich nostalgisch

Aaron Frazer erinnert mit seinem Solo-Debüt an den Soul der frühen 1970er Jahre.
| Dominik Petzold
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Als man noch in die Friseursalons durfte: Aaron Frazer bestreitet auch musikalisch eine Zeitreise zurück.
Als man noch in die Friseursalons durfte: Aaron Frazer bestreitet auch musikalisch eine Zeitreise zurück. © Alysse Gafkjen

Menschen regieren ja sehr unterschiedlich auf Zeitdruck: Die einen macht die tickende Uhr nervös bis unbrauchbar, die anderen laufen erst richtig zu Form auf. So wie Dan Auerbach: Der Sänger und Gitarrist der Black Keys schwört auf die kreative Energie, die eine Deadline freisetzen kann. Da musste sich sein Zögling Aaron Frazer fügen.

Musiker nehmen das Album in nur sechs Tagen auf

Der ist eigentlich Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications, singt nur hin und wieder einen Song wie "Is It Any Wonder?" - aber als Auerbach den hörte, lud er Frazer in sein Studio in Nashville, um ein komplettes Album mit ihm zu produzieren.

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Die beiden sollten innerhalb weniger Tage sämtliche Stücke dafür komponieren, so Auerbachs Vorstellung, und für die meisten Schreib-Sessions lud er noch einen dritten Mann dazu. Etwa den Nashville-Veteranen L. Russell Brown, mit dem sie den schönen Opener "You Don't Want To Be My Baby" komponierten. Womit auch der zweite Aspekt von Auerbachs Konzept angesprochen wäre: Der brachte für das Album Jung und Alt zusammen, die Session-Musiker des hippen Retro-Soul-Labels Daptone und die betagten "Memphis Boys", die schon auf Dusty Springfields "Son Of A Preacher Man" und Aretha Franklins "(You Make Me Feel Like) A Natural Woman" spielten. Die Musiker nahmen das Album in gerade mal sechs Tagen auf, so wie Dan Auerbach es eben für richtig hält.

Absolut top: das drahtige "Can't Leave It Alone"

Aber das Ergebnis gibt ihm Recht. "Introducing ... Aaron Frazer" führt auf tolle Weise einen höchst eigenen Retro-Soul-Sänger ein: Denn Frazer croont ausschließlich in einem kräftigen und schönen Falsett. Da denkt man sofort an Curtis Mayfield, der auch unüberhörbar Frazers wichtigstes Vorbild ist. Überhaupt klingt die Platte größtenteils nach dem Soul der frühen Siebziger.

An Mayfields meisterliche Alben dieser Zeit kommt Frazer zwar nicht ganz hin, doch die meisten Songs klingen prima und sind raffiniert arrangiert, etwa "Girl On The Phone" mit seinen eleganten Tempowechseln oder die bluesige Schlussnummer "Leanin' On Your Everlasting Love". Sehr geschmeidig ist der Anti-Drogen-Song "Done Lyin'", bei dem sich die Herren ordentlich bei Michael Jackson bedienten. Am allerbesten aber ist das drahtige "Can't Leave It Alone", auf dem Auerbach seine Fuzz-Gitarre auspackt.

"Introducing ... Aaron Frazer": Ideal für den romantischen Abend

Wie Curtis Mayfield und sein anderes Vorbild Gil Scott-Heron hat Aaron Frazer auch Message-Songs wie "Bad News" im Programm, die große Mehrheit aber sind Liebes-Schmachtfetzen. Die streifen manchmal fast das Schwülstige und einige fallen auch etwas ab. Doch die allermeisten dieser Songs sind sehr hörenswert, und sie handeln nicht nur von leidenschaftlicher Liebe, sondern klingen auch entsprechend. Wer also bei einem romantischen Abend "Introducing ... Aaron Frazer" auflegt, macht sicherlich keinen Fehler.


"Introducing ... Aaron Frazer" (Dead Oceans/Cargo Records)

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