Philharmoniker unter Daniele Gatti: Wenn einer nichts mehr beweisen muss

Die Philharmoniker unter Daniele Gatti mit Beethoven und Hindemith im Gasteig.
| Robert Braunmüller
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Daniele Gatti.
Daniele Gatti. © dpa

München - Der Rezensent hätte beinahe die Coriolan-Ouvertüre verpasst, denn die Teststation im Gasteig ist schnell überlastet. Es wäre ärgerlich gewesen, weil der Dirigent Daniele Gatti zusammen mit den Münchner Philharmonikern aus viel gespielten Beethoven-Stücken etwas zu machen versteht. Und nicht nur das.

Gatti verliebt sich nicht ins Detail

Der Italiener arbeitete mit dem dunkel-kompakten Traditionsklang des Orchesters der Stadt, ohne ihn umkrempeln. Dessen bronzene Schwärze ist ideal für die monumentale Tragödie des römischen Feldherrn, die Gatti mit den Musikern energisch in den Gasteig wuchtete.

Obwohl ein düsterer Mischklang regierte, blieb die Trennschärfe zwischen Haupt- und Nebenstimmen erhalten. Und Gatti verliebte sich auch nicht ins Detail. Er blieb bei einem einmal gewählten Tempo und setzte auf ein kraftvolles Brio.

Gatti ist auch einer der wenigen Dirigenten, der die erdenschwer-deutsche Musik von Paul Hindemith nicht wie einen stumpfen Gegenstand zuschlagen lässt.

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Dass er mit der 1929 für das Boston Symphony Orchestra komponierten Konzertmusik für Blechbläser und Streicher den satten Klang beider Gruppen herausstellte, ist selbstverständlich. Aber es kamen auch Mischungen und Zwischenfarben heraus, die bei diesem wuchtigen Stück leicht untergehen.

Weil der Dirigent nichts beweisen will, glückt ein ungewöhnlich rundes Konzert

Falls jemand gedacht haben sollte, in Beethovens unverwüstlicher Fünfter gäbe es nichts mehr zu entdecken: Auch der wurde überrascht. Gatti holte am Ende der ersten drei Sätze jedes Mal überraschende Ruhepunkte heraus - wie etwa die grotesk-gespenstische Fagott-Episode am Ende des Scherzos.

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Aber das passierte alles ganz natürlich und ohne didaktischen Zeigefinger. Der allerletzte Schwung wollte sich zwar im Schluss-Satz nicht einstellen. Doch gerade weil der Dirigent und die Musiker nichts beweisen wollten, gelang ihnen ein ungewöhnlich rundes Konzert.


Ein Stream im Juni auf der Website der Philharmoniker.

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