"Leaving Lamento": Es gibt keine Zusammenhänge

Das Theater Viel Lärm um Nichts zeigt das Projekt "Leaving Lamento" in der Pasinger Fabrik.
| Mathias Hejny
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Ein Spaghetti-Western in der Pasinger Fabrik.
Ein Spaghetti-Western in der Pasinger Fabrik. © Viel Lärm um Nichts

München - Der Mann nervt. Während das Publikum seine Plätze einnimmt, telefoniert er unangenehm laut. Trotzdem ist nicht alles zu verstehen.

Offenbar spricht er mit seiner Mutter, die ein Problem mit dem Internet hat und deren Passwort "Heiße Nächte in Athen" nicht mehr funktioniert.

Das ist man schon mitten drin im aktuellen Stück des Theaters Viel Lärm um Nichts, in dem es freilich nicht um das östliche Mittelmeer geht, sondern um den Wilden Westen, worauf das geschmacklich fragwürdige Western-Hemd des Telefonierers bereits Bezug nimmt.

Der spezielle Sound von Spaghetti-Western

"Leaving Lamento" heißt das neue Projekt von Regisseur Arno Friedrich und erinnert klanglich wie an Titel von Spaghetti-Western aus den 1960er-Jahren.

Nach einem absurden Vorspiel um den Kauf eines unsichtbaren Pferds tönt der sehr spezielle Sound dieses Genres und auf dem durchsichtigen Vorhang, der über die ganze Dauer der Vorstellung zwischen Darstellern und Zuschauern wie eine Kinoleinwand hängen bleibt, wird ein langsamer Schwenk projiziert über eine trockene Landschaft in Südspanien, wo die Italo-Western gedreht wurden.

Extreme Nahaufnahmen von schwitzenden Banditen

Der Titel meint so etwas wie "Raus aus dem Jammertal" und in diesem scheinen wir uns beim Leben in Zeiten der Corona zu befinden.

Friedrich und sein Ensemble aus Melda Hazirci, Sarah Schuchardt und Peter Papakostidis empfinden diese Zeit offenbar so grotesk wie die sonnenverbrannten Pistolero-Operetten mit den extremen Nahaufnahmen von schwitzenden Banditen und Rächern, die den Sarg für ihr Opfer bei ihrem Feldzug hinter sich her schleppen.

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Auf der Bühne helfen die absurd-versponnenen Texte der Münchner Musikerin, Autorin und Schauspielerin Verena Richter zu einer entsprechenden Verdichtung.

Virtuoser Umgang mit dem Overhead-Projektor

Faszinierend ist der virtuose Umgang mit einem Gerät aus der vordigitalen Zeit: Auf einem Overhead-Projektor entsteht durch das raffinierte Spiel mit den Folien tatsächlich ein Gefühl von großem Kino.

Das kommt immer wieder ins Zeit dehnende Stocken, aber irgendwann laufen die schrägen Dialoge und erhellenden Denkblüten in einen Appell an alle Sinnsucher und Verschwörungstheoretiker zusammen: "Es gibt keine Zusammenhänge".

Pasinger Fabrik, 28., 29. Mai, 17. bis 19. Juni, 1. bis 3. und 8. Juli, 20 Uhr, Telefon 82929079

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