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Neuer Job für Ex-Kammerspiele-Intendant Matthias Lilienthal in München

Matthias Lilienthal (61) soll die Münchner Philharmoniker beraten. Man will jünger und frecher werden - gerade auch beim Umzug in das neue Interimsgelände.
| adp
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Matthias Lilienthal, damals noch Intendant der Münchner Kammerspiele, im Malsaal des Theaters. Foto: Peter Kneffel/dpa
Matthias Lilienthal, damals noch Intendant der Münchner Kammerspiele, im Malsaal des Theaters. Foto: Peter Kneffel/dpa © Peter Kneffel/dpa

München - Bei der Orchesterversammlung der Münchner Philharmoniker am Freitag wurde es bekanntgegeben: Matthias Lilienthal, der ehemalige Intendant der Münchner Kammerspiele, soll künftig die Philharmoniker beraten. In dieses neue Amt wurde er von Paul Müller berufen, dem Intendanten des städtischen Orchesters.

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Lilienthal: Kammerspiele-Abgang nicht ohne Reibungen

Interessant an diesem Schachzug ist, dass Matthias Lilienthal an den ebenfalls städtischen Kammerspielen nicht ganz unumstritten war. In der Spielzeit 2015/2016 angetreten, gab er 2019 bekannt, dass er für eine Vertragsverlängerung ab 2020 nicht zur Verfügung stehen werde. Was nur die halbe Wahrheit war: Vielmehr hatte sich im Stadtrat eine Opposition gegen seine Intendanz gebildet, so dass eine Vertragsverlängerung nicht mehr sicher gewesen wäre. Seit seinem Abschied im letzten Sommer war Lilienthal ohne Job.

Lilienthals Stil: Durch Irritation Aufmerksamkeit generieren

Umstritten war seine Auffassung von Theater als sehr auf Projekte und Performances ausgerichtete Form, die auch weit aus dem Haus an der Maximilianstraße hinaus auf die Gesellschaft wirken wollte. Wenn die Philharmoniker nun Lilienthal verpflichten, engagieren sie einen Mann, der auch durch Irritation Aufmerksamkeit erzeugen will.

Aufgegangen ist Lilienthals Konzept an den Kammerspielen nur zum Teil: Einige Inszenierungen schafften es bis zum Berliner Theatertreffen, andere galten als unausgegoren bis dilettantisch. Das klassische Abonnement-Publikum wurde zum Teil verschreckt, dafür kam jetzt viel junges Publikum, wenn auch oft angelockt durch Dumpingpreise und Werbeaktionen.

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Philharmoniker wollen mit unkonventionellen Formaten jüngeres Publikum anlocken

Was also kann so ein Mann den Philharmonikern geben? Den Versuch eines Ausbruchs aus konservativen Strukturen und den Versuch, jüngeres Publikum mit unkonventionellen Formaten anzulocken. Dass dies jetzt passiert, ist sicher kein Zufall: Ab Herbst wird die Philharmonie am Gasteig sanierungsbedingt geschlossen.

Die Befürchtung ist groß, dass - auch nach Corona - nicht alle Abonnenten dem Orchester der Stadt auf das Interimsgelände gegenüber dem Heizkraftwerk Süd folgen werden. Bei einer solchen Zäsur ist es richtig, nach neuen Formen und neuen Besuchern zu suchen. Ob Lilienthal dazu der richtige Mann ist, wird sich herausstellen. Jedenfalls hat die Stadt nach dem Quasi-Rauswurf an den Kammerspielen an diesem unbequemen, aber interessanten Mann etwas gutzumachen.

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