Kritik

Münchner Bach-Chor in der Isarphilharmonie: Kerngeschäft und Randbereiche

Werke von Wolfgang Amadeus Mozart in C-Dur mit dem Münchener Bach-Chor und dem Bach-Orchester in der Isarphilharmonie.
| Robert Braunmüller
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Der Münchener Bach-Chor und sein künstlerischer Leiter Hansjörg Albrecht.
Der Münchener Bach-Chor und sein künstlerischer Leiter Hansjörg Albrecht. © Johannes Rodach

Wer Messen oder Oratorien im Gasteig und im Herkulessaal dirigiert, hat die Qual der Wahl bei der Aufstellung von Solisten. Wirklich gut klingen sie weder vor noch hinter dem Orchester. In der Isarphilharmonie scheint es dieses Problem nicht zu geben: Hansjörg Albrecht platzierte Catalina Bertucci, Ulrike Malotta, Maximilian Schmitt und Thomas Stimmel bei seiner Aufführung von Mozarts "Krönungsmesse" auf einem erhöhten Podium vor dem Münchener Bach-Chor oben auf der Empore. Sie waren in aller Deutlichkeit zu hören, und auch die vergleichsweise große Besetzung des Chors und das eher kleine Münchener Bach-Orchester wirkten musikalisch wohlproportioniert zusammen.

Chor und Orchester strahlen im festlichen C-Dur

Im (so gut wie ausverkauften) Gasteig-Interim wird nun auch deutlicher hörbar, worauf Albrecht hinauswill: auf einen hellen, transparenten und zugleich homogenen Klang, der gut mit einem historisch informierten Orchester zusammenpasst. Der künstlerische Leiter des Münchener Bach-Chors hat auch keine Angst vor den opernhaft-theatralischen Zügen dieser Musik, etwa im von Catalina Bertucci schön gesungenen Agnus Dei. Dazu strahlten Chor und Orchester im festlichen C-Dur dieser fast nur aus schnellen Sätzen bestehenden, kompakt komponierten Messe.

Von gleichen Grundsätzen ausgehend, aber auch ein wenig unpersönlich spielte Annika Treutler davor das "Krönungskonzert" in C-Dur KV 537. Die Pianistin ging das Werk zwar recht energisch und dramatisch an. Doch bei der Zugabe, einem Impromptu von Jean Sibelius, drängte sich dann doch der Eindruck auf, die Pianistin habe bei romantischer Ausdrucksmusik erheblich mehr zu sagen als bei Wiener Klassik.

Jupitersinfonie: Verlorene Deutlichkeit

Davor gab es - man muss sagen: leider - Mozarts größtes C-Dur-Werk: die Jupitersinfonie. Es spricht viel dafür, dieses Werk bläserbetont in einer eher kleinen Streicherbesetzung aufzuführen. Aber die vier ersten Violinen entfalteten so gar keinen Glanz. Das schönste forsche Tempo bringt nichts, wenn dabei kleine Notenwerte verhudelt werden, die Deutlichkeit verlorengeht. Die Aufführung wirkt, als würde vom Blatt gespielt. In der heruntergerumpelten Coda des Finales wurde die Grenze zur Zumutung gestreift. Das können alle diese wackeren freien Musiker und Mitglieder großer Münchner Orchester wirklich besser.

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Im Kerngeschäft als Dirigent von Chorwerken der Klassik und Romantik leistet Albrecht Beachtliches. Bei symphonischer Orchestermusik enttäuscht er immer wieder mal. Weil er aber auch als Organist am liebsten Sinfonien spielt, drängt sich der Eindruck auf, dass diesem Bereich seine eigentlichen Ambitionen gelten.


Am 19. Dezember dirigiert Albrecht Bachs Weihnachtsoratoratorium mit dem Münchener Bach-Chor in der Isarphilharmonie. Karten unter Telefon 089/982928-0 und bei allen Vorverkaufsstellen.

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