Matthieu Bordenave im Jazzclub Unterfahrt: Im Fluss bleiben

Matthieu Bordenave gestaltet eine musikalische Woche in der Münchner Unterfahrt und wandelt dabei auf den Spuren von John Coltrane.
| Ssirus W. Pakzad
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Der Tenorsaxofonist Matthieu Bordenave am Alten Nordfriedhof.
Der Tenorsaxofonist Matthieu Bordenave am Alten Nordfriedhof. © SWP

München - Im Jahr 2020 wurde der in München lebende französische Tenorsaxofonist Matthieu Bordenave für "La traversée", ein Album seines "Archipel"-Trios, mit dem "AZ-Stern des Jahres" ausgezeichnet.

Unterfahrt: Matthieu Bordenave wandelt auf den Pfaden John Coltranes

Die schwerelose, verwunschene, unwirkliche, bisweilen latent unheilvolle Musik dieses Werks wurde damals von Gedichten des René Char inspiriert. Wenn Matthieu Bordenave jetzt an gleich fünf aufeinanderfolgenden Tagen in der Münchner Unterfahrt auftritt, wird er die Instrumentierung seiner CD erweitern und einem anderen wichtigen Einfluss folgen: Er möchte auf den Pfaden John Coltranes wandeln.

Zu Bordenave und seinen bewährten Partnern - dem deutschen Pianisten Florian Weber und dem Schweizer Bassisten Patrice Moret - stoßen Anfang August zwei Briten. "Ich fand die Idee schön, in diesen Zeiten Engländer einzuladen. Wir wollen aus dem Brexit einen "Brexin" machen", witzelt der Saxofonist, als wir ihn auf dem Nordfriedhof treffen. Jedoch will der 39-Jährige mit der Wahl seiner zusätzlichen Mitstreiter kein politisches Statement absondern - er will musikalische Ideen umsetzen.

Deshalb fiel die Wahl auf James Maddren und Rob Luft

Den derzeit allgegenwärtigen Schlagzeuger James Maddren - der bei allen fünf Konzerten mitspielt - schätzt er ob seiner Offenheit und weil in seinem Spiel selbst dann ein Puls zu spüren ist, wenn sich die Musik nicht in Takte einteilen lässt. "Außerdem hatte ich sofort James' Beckensound und sein Besenspiel im Sinn, als ich beschloss einen Schlagzeuger hinzuzunehmen", sagt Matthieu Bordenave. Auf den Gitarristen Rob Luft (am Freitag und Samstag zu hören) freut er sich, weil dieser selbst dann "wahnsinnig viel erzählen" könne, wenn das Ausgangsmaterial für Improvisationen ganz karg sei.

Bordenave: "Unsere Konzerte sollen ein Gespräch unter Musikern sein"

Auch in der neuen Konstellation seiner Band möchte Matthieu Bordenave seinem Ideal treu bleiben: "Ich war immer darum bemüht, die Grenzen zwischen geschriebenem Material und Improvisationen aufzulösen. Ich fühle mich wohl, wenn alles im Fluss und nicht mehr wahrzunehmen ist, was wo aufhört und was wo beginnt." Auch ist ihm wichtig, die klassischen instrumentalen Rollen aufzuheben. "Unsere Konzerte sollen ein Gespräch unter Musikern sein, die permanent ihre Funktionen ändern. Jeder von uns soll für Melodie, Begleitung und Kontrapunkte zuständig sein."

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Orientieren möchte sich Matthieu Bordenave während seiner Unterfahrt-Konzerte und in den kurz darauf anstehenden Studio-Aufnahmen an einer Lichtgestalt des Jazz: John Coltrane. Besonders die Spätphase im Schaffen des 1967 verstorbenen Musikers hat der Münchner im Sinn, die Phase, in der "Trane" immer offener, immer spiritueller wurde und mit sparsamem motivischem Material arbeitete.

Bordenave über Coltrane: "Ich versuche seine Musik für mich zu übersetzen"

Das irritierend Ekstatische seines Spiels aber hat so rein gar nichts mit Bordenaves Naturell zu tun. "Coltrane ist für mich wichtig, aber was er machte, kommt nicht aus meiner Kultur. Ich versuche seine Musik für mich zu übersetzen. Vieles erscheint in der Übersetzung in einem anderen Licht. Seiner Energie kann ich nicht nahe kommen. Niemand wird das von mir erwarten oder bekommen. Ich bin Franzose, lebe in Deutschland, habe klassisches Saxofon studiert. Für mich ist Lyrismus wichtig", sagt Bordenave.

Und er fügt hinzu: "Ich kann mich Coltrane nur mit meiner 'Werkzeugkiste' nähern. Wir sind als Künstler übrigens alle die Summe vieler Einflüsse. Für mich wäre es schön, wenn nicht mehr festzustellen ist, welche musikalische Idee woher kommt und wenn ich meine eigene Sprache, meine eigene Gestik als Künstler gefunden habe."


2. bis 6. August, Unterfahrt, jeweils 20.30 Uhr, Einsteinstraße 42, Tickets 24/ 12 Euro (Dienstag bis Donnerstag), 28/ 14 Euro (Freitag, Samstag), Telefon 448 27 94

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