LaBrassBanda bringt Tollwood zum Beben: Barfuß-Polka, Spaß und ganz viel Selbstliebe
Steffan Dettl steht auf der Bühne und hält die Arme über dem Kopf ausgestreckt. Das Publikum macht es ihm nach. "Und dann einmal fühlen, wie sexy der eigene Körper ist", sagt er und streicht mit den Handflächen von den Wangen, über die Brust zur Hüfte. Das habe er von einer brasilianischen Tanzlehrerin gelernt: locker sein und sich selbst toll finden. Damit kann die Polka-Party beginnen.
Die steigt am Samstag mit nackten Füßen und Lederhosen in der ausverkauften Musikarena auf dem Tollwood Festival. Energetisch, bayerisch und charmant spielt sich die achtköpfige Band durch den Abend. Eine Vorband gebe es diesmal nicht, erklärt Dettl. Dafür hätten sie zu viele eigene Lieder im Gepäck. "Mia spuin zweidreiviertelstund durch, wenns ok fia eich is." Für das Publikum ist das mehr als okay. Fast drei Stunden lang treibt die achtköpfige Band ihre Mischung aus Polka, Brass und Pop mit unbändiger Spielfreude voran.

Mit kleinen Anekdoten führt Dettl durch den Abend. Er erzählt, wie Tubist Matthias Hoffmann aus einem Australien-Urlaub die Idee für den Song "Australien" mitbrachte - und imitiert erstaunlich überzeugend ein Didgeridoo. Er gestikuliert, hüpft und springt über die Bühne und hat trotzdem noch genügend Atem zum Singen und Trompetespielen. Doch immer wieder rückt er seine Mitmusiker ins Rampenlicht. Wie virtuos sie spielen, zeigen Manuel Winbeck an der Posaune, Michael Wagner an der E-Gitarre und Jörg Hartl an der Trompete in mitreißenden Solo-Einlagen.
Spaß an der Musik
Zu den Höhepunkten gehört "Nackert", mit dem die Band im Jahr 2013 beim ESC-Vorentscheid antrat. Auch hier erzählt Dettl mit viel Witz vom Anruf des NDR und davon, wie viel Spaß die Band trotz des zweiten Platzes hatte. Denn darum geht es schließlich. Den Spaß an der Musik. Und den haben Dettl und seine Band ganz klar an diesem Abend.
Bei "Space Bäda" vom neuesten Album "Polka Party" (2025) gibt es eine eigene Choreografie: acht Schritte vor, acht zurück. Die ganze Halle macht mit. Stillstehen ist keine Option. Das kann diese Band gut, das Mitreißen.

Mitreißend ist auch die "Balkanhochzeit 2. Tag", zu deren balkaninspirierten Rhythmen die Halle tanzt. Musikalische Abstecher gibt es reichlich: Metal bei "Eisbär", Reggae mit "VW Jetta" und Disco beim "Discobauer".
Die Menschen tanzen ausgelassen
Immer wieder spricht Dettl darüber, wie wichtig Bühnen für kleine Bands sind. Ihren ersten Auftritt in München hatte die Band in der Glockenbachwerkstatt. Den Betreibern dankt er ausdrücklich. Überhaupt sagt Dettl an diesem Abend oft Danke - dem Publikum, dem Tollwood, seinen Mitmusikern und allen, die die Band über die Jahre begleitet haben. Und immer wieder erinnert er daran, sich selbst treu zu bleiben.

Das spiegelt sich auch im Publikum. Die Menschen tanzen ausgelassen und voller Freude. Zum Schluss stimmt Dettl "Ein Prosit" an, die ganze Halle singt mit. Danach läuft "Jump Around" von House of Pain. Die Band springt über die Bühne. Das Publikum gleich mit. Der Rat vom Anfang des Abends hat sich längst erfüllt: einfach locker sein, sich selbst nicht zu ernst nehmen - und den Rest der Musik überlassen.
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