Himmlisches und Irdisches

Klaus Mäkela und das Symphonieorchester des BR mit Martinu, Bartók und Mahler im Herkulessaal.
| Michael Bastian Weiß
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Der finnische Dirigent Klaus Mäkela.
Der finnische Dirigent Klaus Mäkela. © Astrid Ackermann/BR

Sanft auffordernd beugt sich der Geiger zu seinem Dirigenten hin, als wolle er bedeuten: Lass' uns diese Stelle ein wenig zurücknehmen! Doch Klaus Mäkelä ist gerade mit der Bratschengruppe beschäftigt, die in Béla Bartóks Rhapsodie Nr. 2 für Violine und Orchester eigentlich gerade nichts Weltbewegendes zu tun hat.

In der "Suite concertante" von Bohuslav Martinu reiht Frank Peter Zimmermann seine barockisierenden Solopassagen betont motorisch auf, wie um zu zeigen, dass man hier durchaus ein wenig übertreiben müsste. Mäkelä aber schlägt den Takt unverdrossen so zweckorientiert, wie er es fast immer tut. Unmittelbar nach dem triumphal knallenden Schlussakkord verzieht Zimmermann fast unmerklich, aber doch, zweifelnd-bedauernd das Gesicht: Das war jetzt, ehrlich gesagt, nicht so toll.

Solist und Orchester reiben sich aneinander

Natürlich sind das alles bloße Interpretationen des Verhaltens Frank Peter Zimmermanns, wie es sich dem Publikum von der Bühne des Herkulessaals herunter zeigt. Und es spricht ja auch nichts dagegen, wenn sich Solist und Orchester aneinander reiben. Doch hier befinden sie sich in Welten, die nichts miteinander zu tun haben. Zimmermann spielt auf seine typische Weise vielgestaltig. Einerseits frappiert die lakonisch-trockene Selbstverständlichkeit, mit der er vertrackte, etwa mehrgriffige Stellen, vorstellt, andererseits ist sein Strich bei aller Kontrolliertheit immer so offen, dass jeder Ton, und sei er noch so kurz, ein interessantes Leben und Nachleben zeigt.

Klaus Mäkelä dagegen hält zwar das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks perfekt zusammen. Doch dieses eigentlich so kammermusikalisch feinsinnige Ensemble wird regelmäßig zu schnell zu laut. Begleitfiguren, die bei Martinu ironische Kommentare abgeben müssten, bleiben nichtssagend. Wenn Mäkelä Ausdruck will, kündigt er das mit seinen übrigens stets ziemlich ähnlichen Gesten an, tut dann aber nichts, um konkret anzuzeigen, wie dieser Ausdruck hergestellt werden soll.

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Was der 25-Jährige zur Symphonie Nr. 4 G-Dur von Gustav Mahler zu sagen hat, erschließt sich ebenfalls nicht. Sehr viel mehr als blankgewischter Hochglanz fällt dem finnischen Dirigenten zu diesem so nervös zwischen Stilzitat, gespielter und echter Naivität irrlichternden Werk nicht ein.

Erst Anna Lucia Richter reißt dann im Finalsatz die mehrfach doppelten Böden auf. Ihre Stimme ist nicht kindlich zart oder engelhaft keusch, sondern offenbart sich in der Höhe vibratolos hauchend, verwirrend indirekt, unwirklich schillernd - wie ein Laut aus einer anderen Welt. Das könnten genau die "himmlischen Freuden" sein, von denen das "Wunderhorn"-Lied berichtet.


Das Konzert kann man auf www.br-klassik.de anhören

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